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Matthäus 6,26

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Predigt zur Konfirmation am Pfingstsonntag, dem 4. Juni 2017 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zur Konfirmation am Pfingstsonntag, dem 4. Juni 2017 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde,

heute, am Tag eurer Konfirmation, an dem die Düsenjäger über der Kirche kreisen und die Panzer in den Straßen unterwegs sind, da will ich über die Stärke predigen. Was macht uns stark? Was hilft, ein starkes, gutes Leben zu führen? Was findet ihr selber stark?

Nun ich fange meine Predigt mal mit einem ganz schwierigen Satz an: Als ich so alt war wie ihr… furchtbar, oder? Aber wartet mal, was draus wird. Also: Als ich so alt war wie ihr, da war das eine ganz wichtige Frage für mich: Wie kriege ich das hin, stark zu sein? Nicht unbedingt körperlich, der große Sportler war ich nie. Aber ich schaute mir die Menschen, gerade die älteren genau an und ich wollte mir an ihnen abschauen, wie da geht: Stark sein. Was fand ich damals stark? Die Coolen, sicherlich. Ich fand die stark, die vor nichts Angst hatten. Männer, die alleine um die Welt segelten, am besten gegen den Wind. Frauen, die eine Tischlerwerkstatt aufmachten auf einer weit entfernten Insel. Jugendliche, etwas älter als ich damals mit meinen vierzehn Jahren, die ein freies Leben führten. 16jährige aus unserer Schule, die nicht mehr zuhause wohnten. Solche Typen halt. Stärke hatte mit Freiheit zu tun. Tja, und dann wurden wir älter, die Schule ging zu Ende und plötzlich stand uns die ganze Welt offen: Alles schien möglich: Mit dem Fahrrad nach Afrika radeln, ein Studium irgendwo im Ausland anfangen, eine Lehre als Elektriker machen. Alles war plötzlich möglich. Die Welt lag uns zu Füßen. Alles war möglich. So viel Freiheit.

Und immer mehr kam da eine andere Stimme auf, eine andere Erkenntnis: Dass es vielleicht gar nicht um die ganz großen Entscheidungen geht. Dass Stärke gar nicht heißt, den großen Lebensentwurf zu haben und ein Leben zu führen, dass besonders außergewöhnlich, besonders spektakulär ist. Immer mehr sickerte eine Gewissheit durch: Stärke zeigt sich vielleicht in anderen Dingen. Stärke zeigt sich vielleicht dort, wo ich brüchig bin. Verletzbar, Ja, so merkwürdig das ist, ich merkte langsam: Stärke zeigt sich gerade da, wo ich schwach bin. Und ich merkte, wie mich langsam andere Menschen faszinierten: Nicht mehr nur die, die ihr Leben im Griff zu haben schienen und die alles mit Links schafften. Ich fand immer mehr die Menschen interessant und liebenswürdig und, ja, schön, die ein brüchiges Leben führten. Nicht herausragend und erfolgreich und scheinbar sorglos. Sondern die, die mit sich haderten und mit diesem Leben. Äußerlich und innerlich kämpften.

Nun bin ich schon ein paar Jahre Pastor. Habe Hunderte von Lebensgeschichten gehört. Habe unzählige Male mit Menschen gesprochen, darüber, was für ihr Leben wichtig ist. Und ich bin mittlerweile überzeugt: Eigentlich sind wir alle schwach. Jeder von uns ist von Ängsten getragen, Zweifeln, wo das hier hingehen soll mit diesem Leben und der Welt. Und die, die so stark und machtvoll auftraten, die wurden irgendwann auch weich und brüchig und mussten zugeben: Eigentlich verstehe ich von meinem Leben sehr wenig.

Als ich so alt war wie ihr (da ist er wieder, der schöne Satz) da dachte ich: Wenn ich mal so bin wie die Großen, die Erwachsenen, dann weiß ich bestimmt, wie das Leben so läuft. Aber Hand aufs Herz, liebe Eltern, wenn wir ehrlich sind: Sind wir eigentlich stärker geworden mit den Jahren? Und wenn wir sagen, ja, dass sind wir, dann können wir mal fragen: Was hat uns eigentlich stark gemacht?

Liebe Konfirmanden, da sind so viele Stimmen, die auf euch einreden. So viele Stimmen, die sagen: Wenn du so und so lebst, dann bist du stark, dann gehörst du zu den Coolen, zu denen, die von andren bewundert werden. Aber viele von den Stimmen, die da rufen, die führen zu einem Leben, in dem man sich Rüstungen anlegt. Schutzmäntel, um seine eigentliche Schwäche und seine Fragen ans Leben zu verbergen. Heute folgt ihr einer anderen Stimme. Heute stellt ihr euch mit dem was ihr seid unter das Kreuz und sagt: Ja, ich will mit dieser Kirche, mit diesem Jesus leben.

So fremd mir das hier alles ist, so fremd mir auch Gott und der Glaube manchmal vorkommen. Aber ich will es mal versuchen, dieser Stimme zu folgen. Es ist die Stimme von Jesus, die vom Kreuz spricht: Du darfst schwach sein, du darfst ein brüchiges Leben führen. Durch die Brüche deines Lebens, durch die Risse im Selbstvertrauen, durch die Fragen an das Leben, da sickert ein Licht. Eine Stärke. Eine Kraft, die nicht aus dir selber kommt. Diese Kraft, die sich in uns einnistet, nennt sich Liebe. Dieses Licht, das zu leuchten beginnt, nicht weil wir so coole Typen sind, ganz im Gegenteil. Dieses Licht fängt in uns an zu leuchten, wenn wir auch mal zugeben: Weißt du was, eigentlich bin ich schwach. Eigentlich habe ich Angst, Eigentlich verstehe ich so vieles von meinem Leben nicht.

Wir waren die letzte Woche ja noch auf Konfirmandenfahrt. Und in den fünf Tagen war eine tolle Entwicklung zu sehen in eurer Gruppe, Nicht, dass ihr plötzlich alle mit wehenden Fahnen Jesus Christus hinterherläuft. Das hätte ich natürlich auch toll gefunden. Aber ich habe etwas ganz ähnliches an euch beobachtet. Ihr wart plötzlich liebevoll. Im wahrsten Sinne des Wortes liebe–voll. Und ich meine damit nicht, dass ihr jetzt alle ineinander verknallt wart. Dass kann natürlich auch passieren auf so einer Fahrt und ist dann auch gut. Nein, was ich meine, reicht vielleicht sogar noch tiefer. Am Anfang (und das ist ganz normal) hatten viele von euch noch so eine Art Maske auf. Auch wenn die meisten von euch sich ja, durch die Schule gut kennen, dann ist so eine gemeinsame Fahrt erst einmal aufregend. Da checkt man sich erstmal gegenseitig ab. Will sich keine Schwäche zeigen. Aber wenn man dann so ein paar Tage zusammenlebt und arbeitet und spielt und singt, dann bröckeln diese Masken weg. Dann zeigt man sich immer mehr, wie man eben wirklich ist. Und dann fängt man an, sich in echt zu begegnen. Dann merkt man, dass der andere eigentlich auch ganz normal ist. Und normal heißt: Wir sind alle Menschen mit unseren Stärken und Schwächen, mit unsere coolen Seiten und den Seiten, die wir eigentlich nicht so gerne zeigen. Aber die man eben doch sehen kann, wenn man lang genug zusammen ist. Und diese Seiten sind schön.

Also, was will ich euch sagen? Eurer selbstverantwortet Weg mit der Kirche fängt heute an. Hier in der Gemeinde ist ein Ort, an dem ihr so sein dürft, wie ihr seid. Hier unter dem Kreuz von Jesus, da muss sich keiner verstellen, da muss man keine Maske aufsetzen, da darf man sagen: Hier bin ich, guter Gott, so wie ich bin. Manchmal habe ich mich lieb, und manchmal finde ich mich blöd. Aber du siehst mich an und sagst: So wie du bist, bist du genau richtig! Und das tut mir gut.

Ihr, liebe Konfirmanden, seid ein Haufen toller Menschen. Ich habe euch, jeden für sich, lieb gewonnen in diesem Jahr. Jeden und jede von euch. Und wenn ich euch anschaue, dann weiß ich: Diese Gemeinde und diese Kirche und diese Welt wird gut weiterleben und weiterwachsen mit so tollen Menschen wie euch. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen du Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 


— Predigt zur Konfirmation am Pfingstsonntag, dem 4. Juni 2017 von Pastor Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Hauptpastor der Gemeinde