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Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu Micha 6,8 am 20. Sonntag nach Trinitatis, 9. Oktober 2016 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Schöpfer, von Christus, unserem Erlöser und vom Heiligen Geist, Gottes guter Kraft in unserem Leben.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich möchte sie einladen, einen Moment in der Stille nachzudenken. Was verbindet sich für Sie mit dem Wort „gut“? Versuchen Sie das einmal für sich selbst auf den Punkt zu bringen, was „gut“ ist. Das muss keine umfassende Definition sein und das müssen Sie nachher auch niemandem sagen, was Ihnen dazu einfallt. Wenn es jetzt für ein paar Augenblicke still sein wird, dann versuchen Sie das einmal für sich zu beschreiben: „Was ist gut?“

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
und was der Herr von dir fordert,
nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben
und demütig sein vor deinem Gott.“

Mit diesen knappen Worten fasst der Prophet Micha zusammen, was gut ist. Vielleicht lässt sich das miteinander verbinden: Das, was Sie eben gedacht haben und das, was der Prophet Micha einmal gedacht und aufgeschrieben hat.

Es ist wichtig, für sich so eine knappe Zusammenfassung zu haben: Was ist gut? Es ist wichtig, darauf eine knappe Antwort zu wissen, um eine Orientierung zu haben. Es ist wichtig, darauf eine knappe Antwort zu haben, um sich im Zweifelsfall entscheiden zu können. Es ist wichtig, damit wir eine Leitlinie haben, der wir wirklich folgen können.

„Was ist gut?“ — das ist eine Frage, die häufig in Talkshows diskutiert wird. Und je mehr Worte darüber gemacht werden, desto unklarer wird, was nun wirklich gut ist. Je mehr Meinungen darüber geäußert werden und je mehr Experten da befragt werden, desto mehr Einschränkungen werden gemacht und desto beliebiger scheint das zu sein, was „gut“ ist.

Ich nehme an, dass es den Moderatoren dieser Talkshows darauf ankommt — ich nehme an, dass dahinter eine Absicht steht: Das Gute so beliebig erscheinen zu lassen, das Gute so unklar und verschwommen erscheinen zu lassen. Denn das entlastet.

Wenn Du weisst, was gut ist, dann musst Du’s auch tun. Und das ist schwer. Wie leicht ist es dagegen, wenn das Gute in einem Nebel aus schönen Worten verschwimmt: „Das ist doch alles relativ und überhaupt — wer will denn festlegen, was gut ist“, … was so verschwommen ist, nimmt Dich auch nicht in Anspruch.

„Werde ein Schwätzer, und alles wird einfach.“ (S. Kierkegaard)

Es ist nicht beliebig, sondern:

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
und was der Herr von dir fordert,
nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben
und demütig sein vor deinem Gott.“

Es ist dir gesagt — das heisst, darüber brauchen wir nicht lange zu diskutieren. Es ist dir gesagt — das heisst, wenn Du Gott als Autorität über Deinem Leben akzeptierst, dann sind diese Worte für Dich verbindlich. Dann lass dir das gesagt sein.

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
und was der Herr von dir fordert,
nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben
und demütig sein vor deinem Gott.“

Mehr ist nicht nötig, um zu wissen, was Gott von uns erwartet. Und es ist gut, das in einer so knappen Zusammenfassung vor uns zu haben. Es ist gut, dass Micha so knapp und präzise zusammenfasst, worauf es ankommt — dass Micha darum nicht viele Worte macht, sondern die Sache wirklich auf den Punkt bringt.

Von diesem Punkt aus, kann man sich das dann erschließen, was in Gottes Augen gut ist — was ich mir zur Orientierung annehme: Zunächst: „Gottes Wort halten.“

Gottes Wort ist eine sinnvolle Orientierung — dieser Überzeugung ist Micha. Gottes Gebot beschreibt eine gute Ordnung; eine Ordnung, die Leben erhalten will. Gottes Gebot will sicher stellen, dass Leben geschützt und gefördert wird. „Der Gott, der das Gesetz gab, lacht, wenn das Leben gelingt.“ — so sagt es der Talmud, dieses weise Buch des jüdischen Glaubens.

Auf diese Perspektive kommt es an. Gottes Wort und Gebot ist kein Selbstzweck, sondern es zielt darauf ab, dass Leben gelingt. Es geht also nicht um eine möglichst buchstabengetreue Erfüllung dieses Gebotes. Es geht darum, an Gottes Wort zu lernen, was dem Leben dient.

Weiter sagt Micha: „Gottes Wort halten und Liebe üben.“

Das hebräische Wort {häsäd}, das hier mit „Liebe“ übersetzt ist, hat einen ganz konkreten Inhalt — einen Inhalt, den unser Wort „Gemeinschaftssinn“ gut beschreibt und das sich auch mit dem modernen Begriff der Solidarität umschreiben lässt. „Liebe üben“ heisst, so zu handeln, dass Gemeinschaft entsteht — dass die Menschen neben Dir ebenso leben können.

„Gott, der das Gesetz gab, lacht, wenn das Leben gelingt.“ — Aber Leben gelingt nur gemeinsam. Leben kann nicht gelingen, wenn es auf Kosten anderer gelebt wird. Leben kann nicht gelingen, wenn Dir egal ist, wie es dem Menschen neben Dir geht. Das leuchtet — denke ich — unmittelbar ein.

Was wir heute lernen müssen ist folgendes: Nicht nur der Mensch neben Dir braucht Deine Liebe, sondern auch der Mensch fern von Dir: Der Mensch, der in einem fernen Land Asiens das Kleidungsstück näht, das Du hier im Laden kaufst, braucht Deinen Gemeinschaftssinn — wenn dieser Mensch zum Beispiel ein Kind ist, das dort unter schlimmen Arbeitsbedingungen und zu einem Hungerlohn arbeitet, dann kauf dieses Kleidungsstück nicht. Dann verlangt der Gemeinschaftssinn von Dir, dass Du nach Kleidung fragst, die nicht deshalb so billig ist, weil sie von Kindern gefertigt wird.

Nicht nur der Mensch neben Dir braucht Deine Liebe, sondern auch der Mensch nach Dir: Der Mensch, der in der nächsten oder übernächsten Generation noch saubere Luft atmen möchte und dessen Leben nicht durch den Müll der Atomkraftwerke seiner Urgroßeltern gefährdet sein soll.

„Gott, der das Gesetz gab, lacht, wenn das Leben gelingt.“ — aber er hat dabei nicht nur mein Leben und Dein Leben im Blick, sondern das Leben aller seiner Geschöpfe.

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was Gott, der Herr, von Dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, seinem Gebot entsprechend leben, und Liebe üben, Gemeinschaftssinn praktizieren, solidarisch handeln.“

Und nun zuletzt noch: demütig {hasne} sein vor Deinem Gott.“ Die hebräische Vokabel, die hier mit „demütig sein“ übersetzt ist, lässt sich nicht mit einem einzigen deutschen Wort wiedergeben. In diesem hebräischen Ausdruck steckt viel mehr: aufmerksam leben, wach sein für das, was um dich her geschieht, besonnen und behutsam handeln, mit regem Gewissen leben. Es geht dabei nicht zuerst um Unterordnung — wie die Übersetzung „demütig sein vor deinem Gott“ nahelegt. Es geht nicht um Unterordnung, sondern um Einordnung: Nimm aufmerksam wahr, wie Gott heute handelt, welche Wege Gott heute geht — und ordne Dich ein in dieses Handeln Gottes, nimm mit wachen Sinnen Anteil daran.

„Es ist dir gesagt, Mensch, was Gott von Dir will: nämlich, dass Du das Gebotene tust, den Gemeinschaftssinn pflegst und aufmerksam mitgehst mit Deinem Gott.“

Michas kurze und prägnante Umschreibung des Guten ist eine hinreißende Vision vom gelingenden Leben. Lass das als Wochenspruch wirklich mit Dir gehen durch die kommende Woche. Nimm das mit hinein in Deine Antwort auf die Frage: „Was ist gut?“ Und lass Dich anstecken von der Freude am Guten — lass dich anstecken von dem ‚Gott, der lacht, wenn das Leben gelingt.‘

Amen.


Reisepastor der Gemeinde