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1. Korinther 14,15

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Predigt zu Lukas 3,1–14 am Dritten Advent, 11. Dezember 2016 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Lukas 3,1–14 am Dritten Advent, 11. Dezember 2016 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Richtig zu feiern ist eine Kunst. Das wissen wir alle. Jede und jeder von uns war schon mal auf einem richtig guten Fest. Da bin ich sicher. Ein Fest, bei dem alles gestimmt hat: Die richtigen Leute kamen zusammen, die Musik war gut, Essen und Trinken haben geschmeckt. Ein gutes Fest, bei dem man die Zeit vergessen hat. Man schaut auf die Uhr und es ist acht Uhr abends. Und beim nächsten Blick auf die Uhr ist es dann schon morgens um 2. Man weiß gar nicht, wie dass alles so schnell gehen konnte. Und das macht nicht nur der Alkohol. Jeder und jede von uns, da bin ich sicher, kann sich auch an schlechte Feiern erinnern. Eine Feier, die an einem vorbeiläuft. Wo man schon müde hinkommt, weil die Woche wieder zu anstrengend war. Eine Feier, bei der einen die Gespräche nicht interessieren. Und die Getränke sind auch zu warm. Da schaut man auf die Uhr und denkt: Wann ist es endlich soweit, dass ich hier gehen kann, ohne dass es peinlich ist?

Was macht eine gute Feier aus? Ich glaube, neben dem richtigen Ort, dem guten Essen und dem Trinken ist eines noch viel wichtiger: Meine besten Feste waren die, an denen es einen guten Grund zu feiern gab: Eine bestandene Prüfung, die Taufe eines Kindes, die Hochzeit von zwei guten Freunden. Diese Feiern waren gut. Und auf diese Feiern habe ich mich vorbereitet: Ich habe meinen Anzug aus dem Schrank geholt, habe lange überlegt, was für ein Geschenk ich mitbringe. Habe mich frisch rasiert. Manchmal habe ich einen Tag vorher schon nichts gegessen, weil ich wusste: Auf diesem Fest, da wird es lecker.

Ein Fest braucht die richtige Vorbereitung. Nicht nur beim Gastgeber, der alles anrichtet und für das Wohlergehen der Gäste Sorge trägt. Sondern ein gutes Fest braucht auch die richtige Vorbereitung beim Gast.

Wenn das alles stimmt, was ich da gerade aufgezählt habe, dann können wir uns so richtig auf das Weihnachtsfest freuen. Denn einen besseren Grund zum Feiern kann es ja wohl nicht geben: Gott kommt in die Welt. Halleluja. Ein Kind wird geboren. Alleine das ist ja schon großartig. Und dann kommt in diesem kleinen Kind in der Krippe im Stall auch noch Gott selbst zu uns. Hoch die Tassen! Das muss gefeiert werden. Also: Einen perfekten Grund zum Feiern haben wir. Aber wie sieht es eigentlich mit unserer Vorbereitung auf das Fest aus? Unsere Vorfahren waren weise genug zu wissen, das zu einem guten Fest die richtige Vorbereitung gehört. Und damit das größte Fest von allen, das Weihnachtsfest auch richtig gut werden kann, haben sie eine Vorbereitungszeit erfunden: Die Adventszeit. Eine Zeit, in der wir uns fein machen, uns herausputzen können für die große Party. Eine Zeit, in der wir uns innerlich und äußerlich auf Gott vorbereiten, der da kommt am Heiligen Abend.

Tja, die Vorbereitung auf Gott. Damit tun wir uns dann vielleicht doch immer mal wieder schwer. Und das war damals zur Zeit Jesu anscheinend auch nicht anders. Einem, dem das so richtig auf den Keks ging, dass die Menschen sich nicht für das Kommen Gottes in die Welt bereitmachten, war Johannes der Täufer. In heftigen Worten redete er den Menschen ins Gewissen. Unser heutiger Predigttext steht bei Lukas im 3. Kapitel. [Lesung Predigttext]

Ganz am Anfang in einer ersten Fassung, ging das Lukasevangelium vermutlich mit diesen Worten los. Deshalb der lange Einstieg „Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war…“und so weiter. Hier will einer ganz genau beschreiben. Das ist keine Geschichte aus Tausend und einer Nacht, kein Märchen soll hier berichtet werden. Hier will einer sagen: Das hier ist wirklich passiert. Echt jetzt. Deshalb die genauen Jahresangaben. Und damit ging es also los, das Evangelium, die Lebensgeschichte Jesu: Mit der Ankündigung: Da kommt einer! Macht euch bereit: Putzt euch heraus, haltet eure Leben in Ordnung. Und „Tut Buße“. Vielleicht war es den Menschen schon bald zu heftig, was hier beschrieben wurde und so fügten sie noch einen anderen Text davor. Worte, die ganz ähnlich klingen und die uns wohl sehr viel vertrauter sind: „Es begab sich aber zu der Zeit, das ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt sich schätzen ließe.“ Die Geschichte von der Geburt Jesu im Stall zu Bethlehem. Die Weihnachtsgeschichte, sicherlich die berühmteste Geschichte der Menschheit. Aber um das feiern zu können, da sollten wir uns vorbereiten. Wir sollten, wie Johannes der Täufer es sagt: Buße tun. Buße, ein Wort, das über den Liedern und Texten dieses Sonntages steht. Buße, dass scheint so gar nicht zu passen in diese schöne Zeit vor Weihnachten. Die Stadt hat sich herausgeputzt, auch wir haben unsere Kerzen aus dem Keller geholt, der Plätzchenduft zieht durch die Wohnungen und der Duft vom Glögi über den Weihnachtsmarkt. Und dann kommt da wieder die dumme Bibel, und will einem alles kaputt machen: Tut Buße. Ich bin sicher, einige von euch haben sofort ganz bestimmte Bilder im Kopf: Männer und Frauen in grauen Kleidern, die mit grauen Gesichtern missmutig in die Welt blicken und sich klein machen: Ich armer, schlechter, kleiner Mensch. Ich habe vor Gott gar nichts zu melden. Leider, leider, hat Buße für uns oft diesen Klang. Aber Buße ist etwas Tolles. Buße ist ein Geschenk. Und Buße gehört dazu zur Vorbereitung auf dieses wunderschöne Fest, Weihnachten. Buße will uns nicht krumm machen sondern gerade. Buße macht uns zu Menschen mit geradem Rückgrat vor Gott und vor dem Leben.

Buße heißt im Griechischen Metanoia. Metanoia heißt erstmal nichts anderes als Umkehr. „Kehrt um!“, sagt Johannes. Kehrt um. Wenn ihr umkehrt, dann werdet ihr einen neuen Blick auf das Leben lernen. Schaut zurück auf das, was immer schon da ist. Das Geschenk des Lebens. Es ist wirklich verrückt. Johannes sagt: Schaut zurück, damit ihr erkennt, was da kommt. Schau zurück und fängt neu an. Ihr könnt das, weil da einer kommt und schon lange da ist, der alles ist, was ihr im Leben braucht. Schaut zurück und fangt neu an.

Und dann fragen ihn die Leute, genau wie ich Johannes heute fragen würde: „Schön und gut, lieber Johannes, ich schaue zurück und höre von dir: Gott kommt in die Welt. Ich schaue zurück und du redest in uralten Worte längst verstorbener Propheten „Bereitet dem Herrn den Weg und macht seine Steige eben.“ Alles gut: Aber was soll ich jetzt machen aus all den alten Worten? Genau das wollten die Leute wissen, die hatten keine Lust mehr auf fromme Sprüche, die wollten ja ihr Leben ändern, die ahnten ja, das es irgendwie anders werden muss in ihrem Leben und in dieser Welt. Und für jeden hat Johannes eine Antwort: Der zwei Hemden hat, soll eines abgeben. Die Zöllner sollen faire Zölle eintreiben. Die Soldaten sollen keine Gewalt ausüben. Was gibt es daran nicht zu verstehen? Buße ist nichts, dass sich nur auf mich bezieht. Ganz im Gegenteil: Wer meint, Buße zu tun, in dem er seinen Rücken krummmacht vor Gott und wie ein altes Waschweib selbstmitleidig in sich hineinweint: „Ach, lieber Gott, was bin ich doch für ein schlechter Mensch“, der tut gerade keine Buße. Die Selbstverkrümmung in sich selbst, das incurvatum- in- se-ipsum, wie Luther es genannt hat, genau das ist es, was die Bibel Sünde nennt. Buße tun, heißt, sich aufzurichten. Hinzuschauen zurück und nach vorne. Hinein in diese Welt. Schauen, was hier los ist und das ganz Schlichte, das ganz Selbstverständliche tun. Es sind keine großen Dinge. Es ist nicht schwer zu kapieren: Wer zwei Hemden hat gebe dem, der keines hat. Was gibt es daran nicht zu verstehen, liebe Leute?!

Nein, schwer zu verstehen ist es nicht. Schwer ist es, es zu tun. Wir wissen genau, oft genug, wie wir leben sollten, wie das geht mit der Gerechtigkeit und der Liebe und dem Verzeihen. Ich bin sicher, jedem von uns fallen hundert Beispiele ein, jetzt sofort, was man da alles machen könnte. Schwer ist es nicht, das zu wissen. Schwer ist es, dass zu tun.

Vielleicht sitzen deshalb diese Bilder von Jesus in der Krippe mit den Königen und den Hirten und den Schafen und Maria und Josef so viel tiefer in mir drin als das Bild von Johannes dem Täufer, der mit abgerissenem Mantel am Ufer des Jordan steht, und den Menschen, und mir damit auch, ins Herz spricht: Kehre um. Nun tu doch endlich mal, was dein Herz schon lange weiß! Aber beide Bilder, beide Geschichten brauchen wir. Die Geschichte vom größten Geschenk des Lebens: Gott im Kind. Und die Geschichte von dem, was uns mit diesem Kind Jesus geschenkt ist: Wir dürfen umkehren, wir dürfen uns immer wieder neu vorbereiten auf das Leben, wir dürfen das Leben immer wieder neu feiern. Nicht nur an der Oberfläche mit Glögi, joulutorttut und leuchtenden Rentieren, sondern in seiner Tiefe: Im Blick für den Anderen, der uns braucht. Christus, Kind im Stall, Mensch auf unserem Weg. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 


— Predigt zu Lukas 3,1–14 am Dritten Advent, 11. Dezember 2016 in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Hauptpastor der Gemeinde