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Sacharja 8,19

Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

Johannes 8,32

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Predigt zu Weisheit 6, 13–17 am Sonntag Sexagesimae, 
dem 16. Februar 2020 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Weisheit 6, 13–17 am Sonntag Sexagesimae, 
dem 16. Februar 2020 in der Deutschen Kirche in Helsinki

„Die Weisheit ist schön und unvergänglich und lässt sich gern sehen von denen, die sie lieb haben, und lässt sich von denen finden, die sie suchen.

Kaum will man sie erkennen, ist sie schon da. Wer sich früh zu ihr aufmacht, muss sich nicht mühen; denn sie wartet schon vor seiner Tür. Denn nach ihr zu trachten, ist vollkommene Klugheit, und wer sich ihretwegen wach hält, wird bald ohne Sorge sein. Denn sie geht selbst umher und sucht, die ihrer wert sind. Sie erscheint ihnen freundlich auf ihren Wegen und begegnet ihnen in jedem Gedanken.“

Liebe Schwestern und Brüder,

„Wer sucht, der findet.“ — so sagt ein Sprichwort.
„Wer sucht, der findet.“ — das ist ein Satz, der das Suchen schön macht.

Wie beim Versteckspiel. Wenn ihr mit euren Kindern oder Enkeln Verstecken spielt, dann suchen die Kinder voller Begeisterung nach euch und wenn sie euch gefunden haben, dann gibt es Freudenschreie, Umarmungen und Küsse. Und dann sind sie dran mit Verstecken und ihr sucht. Und na klar: ihr stellt euch ein bißchen tapsig an beim Suchen. Aus dem Augenwinkel habt ihr längst gesehen, wer da unterm Küchentisch sitzt. Aber so schnell soll das Spiel ja auch nicht vorbei sein — lieber erst mal im Schrank und hinter der Tür suchen, damit der Reiz des Versteckens und Suchens noch ein bißchen anhält.

In unserem Predigtabschnitt ist es die Weisheit Gottes, die da vor der Tür sitzt und darauf wartet, gefunden zu werden. Und das klingt so leicht, so spielerisch: „Kaum will man sie erkennen, ist sie schon da. Man muss sich nicht mühen, denn sie wartet schon vor der Tür.“ Und wer sie sucht, der findet sie. Und die Suche nach ihr ist schön.

Wenn ihr mit euern Kindern oder Enkeln Verstecken spielt, dann ist euch vielleicht auch das folgende schon einmal passiert: Ihr seid dran mit Verstecken und ihr habt ein geniales Versteck! Wirklich gut! Da kommt euer Kind nicht so schnell drauf! Und dann hört ihr euer Kind suchen, und suchen, und es findet euch tatsächlich nicht. Und plötzlich werden die Rufe verzagter — denn mit einem Mal ist das die Angst, dass ihr wirklich weg sein könntet. Schnell wechselt ihr in ein Versteck, in dem euer Kind euch schon dutzend Male gefunden hat. Aber es läuft vorbei und sieht euch nicht. Denn inzwischen ist da die Angst — und die macht blind.

Suchen ist nur so lange schön, wie man tatsächlich weiß, dass man finden wird. Ohne diese Gewissheit wird das Suchen zu einer mühsamen Sache.

Und eigentlich kennen wir das viel besser als dieses spielerische „Kaum will man sie erkennen, ist sie schon da.“ Wir kennen dieses mühsame Suchen nach Gott und seiner Weisheit. Und wir kennen durchaus auch das vergebliche Suchen. Und wir kennen die Angst: ‚Vielleicht ist Gott ja gar nicht da und wir suchen vergebens. Wir werden ihn nicht finden — Gott nicht und seine Weisheit nicht.’ — so denken wir. Und diese Angst macht uns blind.

Nicht dass Gott wie ein herzloser Spielgefährte im sicheren Versteck sitzt und sich daran freut, dass wir ihn nicht finden. Aber doch vielleicht so, dass Gott auch nach uns sucht und uns ruft: „Adam, wo bist Du!“ und uns in unseren sicheren Verstecken nicht mehr finden kann. Gott und wir Menschen — könnte es sein, dass wir wie Spielgefährten sind, die einander aus den Augen verloren haben: Wir sind auf der Suche nach Gott und finden uns nicht mehr durch in all den Bildern, die wir uns von Gott gemacht haben. Und andererseits sitzen wir ja selber im Versteck und entziehen uns Gott, der uns fragt: „Adam, wo bist Du?“

Von Peter Ustinov gibt es den wunderbar leichten und spielerischen Roman ‘Der alte Mann und Mr. Smith’. Gott besucht die Menschen… als der Alte Mann. Und Gottes Gegenspieler ist auch dabei: Mr. Smith. Und was die beiden auf der Welt auch tun — die Menschen erkennen sich immer nur selber in den beiden: Der Kriminelle sieht in dem Alten Mann nur den Kriminellen — und versucht sich von ihm was abzugucken für’s Falschgelddrucken. Der Scharlatan sieht in dem Alten Mann nur den Scharlatan, dem er ein paar publikumswirksame Tricks abzulauschen versucht. Der Medienstar sieht in dem Alten Mann nur den Medienstar und wittert Konkurrenz.

Nur ein Mal begegnet Gott einer Familie, die ihn erkennt, aber da steht auch schon das FBI vor der Tür um den Alten Mann festzunehmen. Aber interessant ist, warum gerade diese Familie in dem Alten Mann Gott erkennt: Gott wird von dieser Familie erkannt, weil er von ihr geliebt wird. Genau das ist es, was unser Predigtabschnitt sagt:

„Die Weisheit ist schön und unvergänglich und lässt sich gern sehen von denen, die sie lieb haben, und lässt sich von denen finden, die sie suchen.“ Gottes Weisheit wird erkannt, weil sie geliebt wird.
Im Kloster Loccum bei Hannover gibt es über einer Tür eine alte Inschrift: ‘Tantum deus cognoscitur quam diligur.’ — Nur soweit als Gott geliebt wird, wird er erkannt. Die Liebe lässt uns von uns selbst absehen um unser Gegenüber in den Blick zu bekommen. Angst macht blind… aber Liebe öffnet die Augen.

Vielleicht ist es tatsächlich so: Gott und wir Menschen sind wie Spielgefährten, die einander aus den Augen verloren haben. Wir sehen den Alten Mann an und sehen immer nur die Bilder, die wir uns selbst gemacht haben. Und auf den Ruf: „Adam, wo bist Du?“ antworten wir damit, dass wir uns tiefer in unser Versteck zurückziehen.

„Hier bin ich Gott!“ — das wäre eine Antwort. Und „Wie schön bist Du in Deiner Weisheit, Gott!“ — das wäre auch eine Antwort. Sich morgens aufmachen und nach Gottes Weisheit suchen — in dem vollen Vertrauen, dass sie sich von uns finden lässt. Nach ihr trachten und sich ihretwegen wach halten — hellwach und aufmerksam für die Spuren, an denen sie sich erkennen lässt. Gottes Weisheit lieben und nach ihr suchen mit der Leichtigkeit und Fröhlichkeit eines Versteckspieles. Lass Dir nicht den Gedanken kommen, es wäre zu unernst, so nach Gott zu suchen. Vielleicht ist es gerade diese Leichtigkeit, diese Heiterkeit, die unserer Suche nach Gott fehlt — diese Leichtigkeit und Heiterkeit, die uns öffnet für Gottes Weisheit. Selig, die von Gott unkonventionelle Gedanken erwarten — sie werden nicht enttäuscht werden. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 


— Predigt zu Weisheit 6, 13–17 von Pastor Hans–Christian Beutel am Sonntag Sexagesimae, 
dem 16. Februar 2020 in der Deutschen Kirche in Helsinki


Reisepastor der Gemeinde