KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.

Psalm 116,10

Selig ist, wer Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.

Jakobus 1,12

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Predigt zu Markus 9, 24 am 1. Sonntag nach Epiphanias, 
dem 12. Januar 2020 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Markus 9, 24 am 1. Sonntag nach Epiphanias, 
dem 12. Januar 2020 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Heute möchte ich über zwei Dinge predigen. Zum einen über die Jahreslosung. Und zum anderen über diesen Joghurtbecher. Und darüber, was diese beiden Dinge mit Nachhaltigkeit zu tun haben.

Mit diesem Gottesdienst geben wir den Startschuss für unser Jahr der Nachhaltigkeit. In vielen Monaten haben sich vor allem die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Gemeinde darüber Gedanken gemacht, wie hier bei uns nachhaltiger gearbeitet werden kann. Und was das eigentlich heißt: Nachhaltigkeit.

In der Predigt möchte ich einmal diesem Begriff Nachhaltigkeit auf den Grund gehen. Vor allem soll es darum gehen, was Nachhaltigkeit mit dem christlichen Glauben zu tun hat. Anders gefragt: Welchen Beitrag können wir als Kirchengemeinde und als einzelne Christen dazu leisten, dass die Erde und das Leben auf ihr nicht immer weiter den Bach runter geht. Und was hat Gott damit zu tun?

Zunächst zur Jahreslosung. Die Jahreslosungen sind Sätze aus der Bibel, die wie eine Überschrift über dem Jahr stehen. Die Jahreslosung 2020 habt ihr gerade schon gehört. Sie steht im Markusevangelium und ist Teil einer Heilungserzählung. Ein Vater, dessen Sohn vermutlich seit Geburt Epilepsie hat, kommt zu Jesus. Er hatte schon alles versucht, um ihn zu heilen. Er suchte überall nach Rat, ging zu den Jüngern Jesu, fragte, ob sie nicht helfen könnten. Da kam Jesus in die Stadt. Das war seine Chance. Der Vater ging mit seinem Sohn zu ihm, erzählte ihm die Geschichte der Krankheit. Und Jesus hatte eine klare Ansage für den Vater: Alles ist möglich dem, der da glaubt. Darauf sagte der Vater, nein, er sagte es nicht, er schrie den Satz heraus:

„Ich glaube — hilf meinem Unglauben!“

Und das ist unsere Jahreslosung. Ich glaube — hilf meinem Unglauben. Ein paradoxer Satz. Ein Satz, der scheinbar in sich selber widersprüchlich ist. Da spricht ein Mensch in einem Satz davon, dass er glaubt und dass er nicht glaubt. Ja, was nun? Ist denn der Glaube etwas, was man gleichzeitig haben und nicht haben kann? Dem Vater in der Geschichte begegnet der Glaube jedenfalls als etwas unfassbarer. Etwas Ungreifbares. Etwas, dass sein Leben ganz konkret du tief verändert. Und dass er doch nicht zu fassen bekommt. Noch ist sein Sohn ja nicht geheilt. Noch hat er nichts, woran er seinen Glauben hängen kann. Noch hat er die Erfahrung nicht gemacht, dass Jesus Christus das Leben heil macht. Trotzdem glaubt er. Seit Jahren vertraut er darauf, dass es einmal gut sein wird. Einmal wird etwas passieren, dass das Leben seines Sohnes heilt.

Glaubst du an Jesus Christus? Vertraust Du darauf, dass in ihm, in Christus alles da ist, was du brauchst? Ich möchte euch mal meine Antwort auf diese Frage geben. In dieser Antwort kommt es auf eine ganz feine Unterscheidung an. Glaube ich an Jesus Christus? Ja, ich glaube an ihn aber ich habe diesen Glauben nicht. Was heißt das? Für mich heißt das, dass ich den Glauben an Jesus Christus nicht besitze. Ich trage ihn nicht in mir wie die Gewissheit, dass zum Beispiel eins und eins zwei ist oder dass Pommes Frites aus Kartoffeln gemacht sind. Ich glaube an Jesus Christus heißt für mich, dass ich mein Leben so zu leben versuche, als ob all diese Geschichten über ihn, all die Worte, die er gesagt hat, wahr sind. Ich versuche mein Leben so zu leben, als ob Gott in einem kleinen Kind auf die Welt gekommen ist. Als ob es Wunder gibt, ja als ob alles, was mir hier auf der Welt begegnet, zu aller erst einmal ein Wunder ist. Ich versuche mein Leben so zu leben, als ob die Auferstehung von den Toten wahr ist. Als ob der Tod keine Rolle mehr spielt. Ich versuche mein Leben so zu leben als ob das alles wahr ist und indem ich das immer und immer wieder versuche so zu leben, glaube ich an Jesus Christus. Als ob das wahr ist. Und dann wird es wahr durch mein Leben und durch das Leben, dass wir gemeinsam hier in der Gemeinde und in der Gemeinschaft mit allen Christen auf dieser Erde führen. Glaube ist Tat. Handeln, als ob Christus in allem und durch alles hindurch wirkt.

Der Vater in der Geschichte lebt so, als ob das Wunder möglich ist. Vom Tag der Geburt seines behinderten Sohnes an lebt er so, dass eine Heilung der unheilbaren Krankheit möglich ist. Er hält die Tür für das Wunder offen. So ein Leben steht immer zwischen Glauben und Unglauben. Weil das Wunder immer zu groß ist. Immer unfassbar. Immer auch un–glaublich. Dass Wunder, dass es gut wird mit dem Leben. Dass Wunder, dass es mit dieser Welt nicht den Bach runter geht.

Und damit bin ich beim Joghurtbecher. Immer mal kaufen wir unseren Joghurt in solchen Bechern. Ihr kennt die wahrscheinlich. Wir kaufen ihn ehrlich gesagt hauptsächlich, weil wir diese Sorte ganz lecker finden. 10 Prozent Fett. Das schmeckt einfach mehr als dieses rasvaton–Varianten. Aber wir kaufen ihn auch wegen der Verpackung. Man kann hier wie bei einem Reißverschluss die äußere Papphülle abmachen und kann die Verpackung dann in drei Teile teilen. Den Deckel aus Alufolie. Die Hülle aus Pappe und den Becher aus recht dünnem Plastik. So kann man den Becher auseinandernehmen und die einzelnen Teile in getrennten Mülleimern entsorgen. Super Erfindung, oder?

Nun, ich weiß nicht, wie euch das mit der Mülltrennung geht. Aber ich habe fast jedes Mal, wenn ich diese Joghurtbecher auseinanderfriemel und die einzelnen Teile sorgfältig in ihren Müllbehältern verteile, dass Gefühl, dass das auch ein bisschen lächerlich ist. Es sind dann zwei Empfindungen, zwei Gedanken, die in mir sind — nicht jedes Mal natürlich, ich denke ja nicht jedes Mal beim Müllwegschmeißen über den Zustand der Welt nach, aber manchmal schon. Zum einen ist es die Gewissheit, dass richtige zu tun. Wenn man Müll trennen kann und so nur etwas für die Umwelt tun kann, dann mache ich das, keine Frage. Aber dann gibt es natürlich diese Frage: Was bringt es, wenn ich kleiner Hansel diesen kleinen Joghurtbecher in drei Teile teile und ihn sorgfältig entsorge? Wird dadurch wirklich die Welt gerettet?

In diesem Jahr haben wir uns nun also in der Gemeinde das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Es ist nicht so, dass wir in den letzten Jahren auf die Umwelt– und Klimaverträglichkeit unserer Arbeit hier in der Gemeinde gar nicht geachtet hätten. Aber in diesem Jahr wollen wir es zum Thema machen auf ganz vielfältige Weise. Natürlich weil wir, denke ich, alle spüren, wie ernst die Lage ist. Die Klimakatastrophe ist die größte Bedrohung der Menschheit, die wir seit langem erleben. Aber auch das Müllproblem und viele andere Probleme, die durch unseren übermäßigen Konsum und unsere ressourcenverschwendende Lebensweise entstehen, erscheinen übermächtig. Die Wissenschaftler sind sich einig: Wir müssten alle unseren Lebensstil radikal ändern, damit wir nicht auf dieser Erde in wenigen Jahren in eine unvorstellbare Umweltkatastrophe rauschen. Viele Anzeichen sprechen jetzt schon dafür, dass die Katastrophe schon begonnen hat.

Und ich fummele immer noch an meinem Joghurtbecher rum. Müsste ich nicht eigentlich ein ganz anderes Leben führen? Die Heizung fünf Grad runterschrauben, eine kleinere Wohnung nehmen, das Auto abschaffen, das Fliegen einstellen, und und und. Was bringt dann dieser Joghurtbecher?

Das Erdrückende sind die Zahlen. Es sind die Wahrscheinlichkeiten, die uns erdrücken. Es sind die Dimensionen, die uns lähmen. Ich beschäftige mich mit meinem Joghurtbecher und in derselben Zeit schmeißen 1,5 Milliarden Chinesen ihren Müll in irgendeine Tonne. Was bringt denn das? Aber die Zahlen sind nicht die einzige Dimension. Vielleicht sind sie noch nicht einmal die, auf die es jetzt ankommt.

Vielleicht kann uns die Jahreslosung und die Geschichte dahinter an eine andere Dimension des Lebens erinnern. Der Vater handelt gegen jede Wahrscheinlichkeit seit sein Sohn geboren ist. Ich stelle mir vor, wie der Vater jeden Morgen aufsteht und das Nötige tut, um dem Sohn zu helfen. Alles spricht in der Zeit damals dagegen, dass eine Heiligung möglich ist. Aber der Vater handelt, weil er aus Liebe zu seinem Sohn nicht anders kann. Und dann begegnet er Christus.

An Christus zu glauben heißt, so zu leben, als ob alles mit allem verbunden ist. In allem, was ist Christus zu sehen. Auch wenn es buchstäblich un–glaublich ist, dass mein popliger Joghurtbecher den Unterschied macht, darauf zu vertrauen, dass ich mit allem was ich tue mit allem in der Welt verbunden bin. So klein es erscheinen mag.

Ich will mich nicht von den Zahlen lähmen lassen. In Christus begegnet mir eine andere Wahrheit: Es kommt auf mich an. Auf all die kleinen Dinge, die ich tue. Auf mich unbedeutenden Wurm, Staubkorn im Universum von Zeit und Raum.

Ich bin voller Unglauben im Blick auf diese Welt und wo es mit ihr hingeht. Aber ich glaube. Und das heißt: Ich lebe im Vertrauen darauf, dass mein Leben einen Unterschied macht. Und unser gemeinsames Leben, zu dem wir uns in diesem Jahr auf den Weg machen. In Christi Namen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 


— Predigt zu Markus 9, 24 am 1. Sonntag nach Epiphanias, dem 12. Januar 2020 von Pastor Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki.

 


Hauptpastor der Gemeinde