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Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: »Sie gefallen mir nicht.«

Prediger 12,1

Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth. Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann aus Nazareth Gutes kommen! Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh!

Johannes 1,45-46

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Predigt zu Hebräerbrief 13, 7–14 am Altjahrsabend, 
dem 31. Dezember 2019 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Hebräerbrief 13, 7–14 am Altjahrsabend, 
dem 31. Dezember 2019 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

„… das alte Jahr vergangen ist.“ — und wir nehmen Abschied von ihm mit dem Gefühl, dass dieser Jahreswechsel mehr ist als der Übergang von 2019 zu 2020. Wir stehen vor einer Zeitenwende und ahnen, dass die kommenden 20er Jahre sehr anders werden, als es die zurückliegenden Jahre des 20. Jahrhunderts gewesen sind.

Das ist nicht nur mit einem unbehaglichen Gefühl verbunden — zu stark ist ja zu spüren, dass sich die Art, wie wir bisher gelebt haben, nicht mehr länger fortsetzen lässt. Da ist auch Spannung darauf, wie sich diese neue Epoche gestalten wird, und wie wir in ihr leben werden. Aber auch Unsicherheit und Besorgnis gehört in unser Stimmungsbild bei diesem Jahreswechsel.

Das nimmt der Predigtabschnitt für diesen Gottesdienst auf. Er steht im Hebräerbrief und er sprach ursprünglich Menschen an, die aufgebrochen waren aus der Geborgenheit im jüdischen Kultus, aus der Vertrautheit mit seinen Riten und Festen — Menschen, die versucht sind, ihren Aufbruch zu bereuen, ihren Aufbruch abzubrechen und zurückzukehren in die Geborgenheit, in das Vertraute, das inzwischen nostalgisch Verklärte. Diesen Menschen wird im Hebräerbrief folgendes geschrieben:

„Denkt an die Gründer eurer Gemeinde, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Denkt darüber nach, in welchem Glauben sie gelebt haben und in den Tod gegangen sind. Ihren Glauben lasst Euch Vorbild sein:

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

Lasst euch nicht durch irgendwelche anderen, fremden Lehren von ihm abbringen, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade und nicht durch überkommene Rituale, die denen nicht nützen, die sie ängstlich–sorgsam vollziehen. Wir feiern einen Gottesdienst, an dem teilzunehmen die nicht die innere Freiheit haben, die am äußeren Kultus hängen. …

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Gott segne uns durch sein Wort!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

„Jesus Christus ist derselbe, gestern und heute, und bleibt es auch in Ewigkeit.“ Ein wunderbares Wort für den Übergang, vor dem wir stehen. Wir fühlen uns unsicher und es ist uns beklommen zumute. Was kommt da auf uns zu?! Worauf gehen wir zu?! Woran halten wir uns nun?! „Jesus Christus ist derselbe, gestern und heute, und bleibt es auch in Ewigkeit.“

Das gibt Halt, da löst sich das beklommene Gefühl. Da werden die zögerlichen Schritte entschlossener. Denn das Wesentliche bleibt ja — was wirklich wichtig ist, das geht uns nicht verloren. In aller Veränderung bleibt das ja unverändert; bei allem Wandel bleibt dies ja konstant: „Jesus Christus ist derselbe, gestern und heute, und bleibt es auch in Ewigkeit.“ Ein wunderbares Wort für diesen Übergang! Erst mit diesem Wort im Ohr können wir das andere Wort richtig hören, das andere Wort, mit dem unser Predigttext endet: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Wenn wir das allein hören, könnte uns ja Angst und Bange werden: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Gut, dass die beiden Worte zusammen gehören: Wir sind unterwegs, wir sind auf dem Weg, wir haben hier keine bleibende Stadt, — das steht für den Wandel, für die Veränderung. Aber in aller Veränderung bleibt eines unverändert, in allem Wandel bleibt dieses konstant: „Jesus Christus ist und bleibt derselbe, gestern und heute und in alle Zukunft.“

Die beiden Sätze brauchen einander:

„Jesus Christus ist derselbe, gestern und heute, und bleibt es auch in Ewigkeit.“

Für sich genommen ist das ein Satz, der sich als Programmatik für allerkonservativste Kreise eignen könnte. Für sich genommen und nur nach Luthers Übersetzung auf Deutsch zitiert, ist das ein Satz, mit dem sich konservative Zukunftsverweigerung rechtfertigen ließe: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“

Für sich genommen und auf Deutsch zitiert lässt sich nicht mehr erkennen, dass der Hebräerbrief hier den großen Satz des Alten Testamentes aufnimmt, der das Leitmotiv der großen Aufbrüche des Volkes Israel gewesen ist: die Stimme Gottes am brennenden Dornbusch, die sagt:

„Ich werde für Euch da sein, ich bin der, als den ihr mich in allen Veränderungen immer wieder erfahren werdet: der, der für euch da ist.“

Das ist der Satz, der den Israeliten in Ägypten den Mut gibt, auszubrechen aus ihrer Sklavenexistenz — aufzubrechen in ein Leben, von dem sie noch keine genaue Vorstellung haben, von dem sie aber ahnen: da liegt unsere Zukunft.

Ich meine, dass dies das erste sein wird, worum wir uns in diesen 2020er Jahren werden sorgen müssen: den Glauben wieder zu fassen, dass wir eine Zukunft haben. Im Moment, so scheint mir, sind wir gefangen zwischen zwei Gefühlslagen: dem Gefühl einerseits, so wie bisher werden wir als Menschheit nicht weiterleben können, und dem Gefühl andererseits, für eine zukunftstaugliche Lebensweise und für die Veränderungen, die sie erfordert, fehlen schlicht die Mehrheiten. Also findet die Zukunft nicht statt.

Lasst uns ausbrechen aus dieser gedanklichen Sackgasse. Lasst uns einen Gedanken neu fassen, der fest zum Glaubensgut vergangener Generationen gehörte, uns aber fast schon verloren gegangen zu sein scheint: Dass Gott, als Schöpfer dieser Welt, auch ihr Erhalter ist. Dass Gott diese Welt nicht ihrem tödlichen Selbstlauf überlässt, sondern leidenschaftlich an ihrer Zukunft interessiert bleibt. Und das Gott dazu durch uns handelt. Daran lasst uns glauben und danach lasst uns handeln.

Liebe Schwestern und Brüder,

das Jahr 2020 wird für unsere Gemeinde einen thematischen Schwerpunkt haben: Nachhaltigkeit — die Rückkehr in den Bereich, in dem unser Ressourcenverbrauch, die Regenerationsfähigkeit unseres Ökosystems nicht überfordert. Wir setzen uns als Gemeinde diesen thematischen Schwerpunkt.

Und ich hoffe, wir werden wirklich miteinander aufbrechen und unterwegs sein. Unterwegs sein in eine Zukunft, von der wir wieder glauben lernen, dass sie offen ist. Und dafür gibt uns unser Predigtabschnitt ein schönes Bild mit — das könnte das zweite sein, was wir im neuen Jahr wieder entdecken:

Der Hebräerbrief beschreibt ein bestimmtes Bild von Gemeinde — und ich meine von all den verschiedenen Gemeindebildern im Neuen Testament ist es gerade das des Hebräerbriefes, das uns jetzt helfen kann, den Aufbruch in eine offene Zukunft gut zu meistern:

Der Hebräerbrief beschreibt die Gemeinde Jesu Christi als eine verläßliche Wandergemeinschaft. Eine Gemeinschaft von Menschen, die miteinander auf dem Weg in die zukünftige Stadt sind. Menschen gehen da miteinander einen Weg, laufen nicht einfach drauflos, jede/r so schnell oder langsam, wie er oder sie gerade kann, jede/r in die Richtung, die ihm oder ihr gerade gefällt. Menschen gehen miteinander einen Weg, suchen gemeinsam nach der Richtung und laufen so, dass alle mitkommen können. Da bleiben die Fußlahmen und die Vorwärtsdränger beieinander, da kommt der wache Orientierungssinn der einen und das Organisationstalent des anderen allen zugute.

Und die Generationen bleiben beieinander. Vielleicht wird das das Wichtigste dabei sein, dass die Generationen beieinander bleiben.

Ist Euch das eigentlich einmal aufgefallen, dass in den verschiedenen Szenarien für die Klimaveränderungen zwei Jahreszahlen immer wieder genannt werden: 2050 und 2100. Wie fern klingen diese Jahreszahlen für Menschen, die heute sechzig oder siebzig Jahre alt sind. Und wie ändert sich diese Wahrnehmung, wenn Du Dir vorstellst, dass die Kinder, die 2020 in unseren Kindergarten kommen werden, im Jahr 2050 damit beschäftigt sind, für ihre Kinder eine gute Schule auszusuchen und gute Chancen haben, im Jahr 2100 mit ihren Enkeln deren Schulabschluss zu feiern.

Im Moment sieht vieles danach aus, dass es kein Jahr 2100 mehr für uns Menschen geben wird und auch das Jahr 2050 steht in Frage. Gegen diesen Augenschein aber stehen zwei starke Argumente: der Glaube daran, dass Gott uns die Zukunft immer noch offen hält und die Generation unserer Kinder, die uns sagt, was notwendig ist damit diese Zukunft offen bleibt.

Lasst uns dieser Generation zuhören und lasst uns daran glauben, dass sie eine Zukunft hat — zusammen wird das zu einer starken Motivation für das, was jetzt zu tun notwendig ist.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsren Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsere Liebe.

Amen.

 

 


— Predigt zu Hebräerbrief 13, 7–14 am Altjahrsabend, dem 31. Dezember 2019 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.

 


Reisepastor der Gemeinde