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Predigt zu Galaterbrief 4, 4–7 am 1. Sonntag nach dem Christfest, dem 29. Dezember 2019 in der Deutschen Kirche 
in Helsinki

Predigt zu Galaterbrief 4, 4–7 am 1. Sonntag nach dem Christfest, dem 29. Dezember 2019 in der Deutschen Kirche 
in Helsinki

Der Friede Gottes sei mit uns allen! Amen.

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging…“ — mit diesen Worten beginnt die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium.

Mitten hinein in die harten Realitäten des Zeitgeschehens schildert Lukas die armselige Geburt Jesu: Ein Gesetz wird erlassen — es zwingt Josef dazu, sein Zuhause zu verlassen. Ein Politiker setzt seine Interessen durch — Maria wird der Heimatlosigkeit ausgesetzt.

Das Lukasevangelium stellt uns die beiden — Maria und Josef vor Augen und wir sehen Menschen, denen das Nötigste zum Leben fehlt. Eine hochschwangere Frau, der das Laufen schon äußerste Mühe macht: „und sie hatten keinen Raum in der Herberge.“ — übersetzt in heutiges Deutsch: „sie waren obdachlos.“

Das sind die harten Realitäten hinter den Worten der Weihnachtsgeschichte: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gesetz von dem Kaiser Augustus ausging…“

„Als aber die Zeit erfüllt war“ — so hören wir jetzt die Weihnachtsgeschichte des Apostels Paulus: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die erlöste, die unter dem Gesetz leiden. Dadurch hat Gott uns frei gemacht und als seine Kinder angenommen, so dass wir im Geiste Jesu zu ihm rufen dürfen: Gott, unser guter Vater.“

Gott segne uns durch sein Wort!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

„Als aber die Zeit erfüllt war… so beginnt die Weihnachtsgeschichte des Paulus. „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“ — genau zum richtigen Zeitpunkt, lässt Gott seinen Sohn Mensch werden. Zu der Zeit, da die Menschheitsgeschichte Unheil bringt, schreibt Gott dagegen seine Heilsgeschichte. Zu der Zeit, da die Menschen unter einem gnadenlosen Gesetz zu leiden haben, sendet Gott seinen Sohn, um uns seine Gnade zu schenken.

Es ist kein Zufall, dass Jesus im Stall von Bethlehem geboren wird. Es ist nicht blindes Schicksal, dass er als Sohn von Obdachlosen auf diese Welt kommt. Es ist nicht ohne Sinn, dass er in seinem Leben all das erfahren muss und erfahren wird, was das Menschenleben schwer macht, was dem Menschen die Würde nimmt, dass diesem Kind nichts erspart bleiben wird von dem, was Menschen in ihrem Leben scheitern lässt.

„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, unter das Gesetz getan, damit er die erlöste, die unter dem Gesetz leiden.“

Das ist es! Ganz kurz gefasst die Weihnachtsbotschaft.

Ganz prägnant formuliert, was uns angeht: Das Kind, das da geboren wird, teilt alle Last unseres Lebens, damit es uns von dieser Last frei macht.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

wer diesen Satz einmal in sein Herz aufgenommen hat, lebt anders. Kannst Du ahnen, was das heißt: „Gott hat uns frei gemacht und als seine Kinder angenommen.“? Die Zwänge, in denen Du Dein Leben gefangen siehst, haben keine Macht über Dich: Gott spricht dich frei. Die Angst, die Dein Leben beherrscht, verliert ihren Grund: Gott nimmt Dich an.

In diesem Kind schenkt Gott Dir alles, was nötig ist, damit Dir das Leben gelingt: nämlich Freiheit und Vertrauen.
„Dadurch hat Gott uns frei gemacht und als seine Kinder angenommen, so dass wir im Geiste Jesu zu ihm rufen dürfen: Gott, unser guter Vater.“

Hinter diesen Satz lasst uns nicht wieder zurückfallen!

Lasst Weihnachten nicht vorübergehen, ohne dass dieser Satz Euer Herz berührt hätte!

Geht nicht aus diesem Fest wieder in den Alltag mit dem Gedanken: Aber die Verhältnisse sind doch ganz anders.

Es ist der Verrat an Weihnachten, wenn die Realität unseres Lebens gegen die Weihnachtsbotschaft ausgespielt werden, wenn die Verhältnisse, unter denen wir leiden, als Argumente benutzt werden, um die Weihnachtsbotschaft zu entkräften.

Die Verhältnisses sind so, wie sie sind. Gerade darum lässt Gott seinen Sohn Mensch werden. Gerade darum setzt er ihn diesen Verhältnissen aus. Gerade darum stimmen die Weihnachtsgeschichte des Lukas und die des Paulus so zusammen:

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging…“ — die Geschichte menschlichen Unheils und dagegen die Geschichte des göttlichen Heils: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn — den Verhältnissen und Zwängen unserer Welt ausgeliefert, damit er die erlöste, die unter diesen Verhältnissen und Zwängen leiden.“

In diesem Kind schenkt Gott Dir alles, was nötig ist, damit dir das Leben gelingt: nämlich Freiheit und Vertrauen.

Wie ein Kind, das einen guten und zuverlässigen Vater hinter sich weiß, kannst Du frei und aufrecht losgehen — brauchst Du Dich von den kleinlichen Zwängen nicht erniedrigen zu lassen, kannst Du den harten Verhältnissen Deines Alltags voll Freiheit begegnen.

Wie ein Kind, das einen guten und verständnisvollen Vater vor sich weiß, kannst Du ihm Dein Leid anvertrauen, kannst Du ihm von Deiner Sehnsucht sagen, brauchst Du Dein Scheitern nicht zu verstecken — kannst du ungeschminkt vor ihm stehen — ohne Maske; so, wie Du bist. Denn das ist die Weihnachtsbotschaft:

„Gott hat uns frei gemacht und als seine Kinder angenommen, so dass wir im Geiste Jesu zu ihm rufen dürfen: Gott, unser guter Vater.“

Amen.

 

 


— Predigt zu Galaterbrief 4, 4–7 am 1. Sonntag nach dem Christfest, dem 29. Dezember 2019 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.

 


Reisepastor der Gemeinde