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Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.

Psalm 116,10

Selig ist, wer Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.

Jakobus 1,12

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Predigt zu Philipper 3, 7–14 am 9. Sonntag nach Trinitatis, 
dem 18. August 2019 im Gartengottesdienst in Munkkiniemi

Predigt zu Philipper 3, 7–14 am 9. Sonntag nach Trinitatis, 
dem 18. August 2019 im Gartengottesdienst in Munkkiniemi

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

An diesem wunderbaren Ort, an diesem schönen Sommertag, mit Blick auf das Meer feiern wir Gottesdienst. Wenn wir normalerweise Gottesdienst halten und Hans–Christian oder ich in der Kirche predigen, wo schaut ihr da eigentlich hin? Schaut ihr hoch zur Kanzel, falls wir von dort predigen? Ist zurzeit schwierig, etwas zu erkennen, weil das Licht an der Kanzel kaputt ist. Schaut ihr nach vorne zum Altar? Wohin wandert der Blick? Oder habt ihr die Augen geschlossen, um euch ganz auf das Gesagte zu konzentrieren? Oder um die Gedanken einfach mal herumschweifen zu lassen?

Wohin fällt der Blick heute, in diesem Gottesdienst? Vielleicht schaut ihr auf das Meer. Und das passt. Nein, das Meer kommt im heutigen Predigttext nicht vor, auch nicht das Wasser. Aber im Predigttext geht es um die Frage: Wie schauen wir eigentlich auf unser Leben? Mit engem ängstlichem Blick? Oder trauen wir uns einen weiten, einen mutigen Blick zu? Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Philippi. Und er schreibt von seinen ganz eigenen Erfahrungen mit dem Glauben.

Ich lese aus dem 3. Kapitel die Verse 7 bis 14.

Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.

Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott kommt durch den Glauben.

Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.

Meine Brüder und Schwestern, ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Herr segne Du Reden und Hören.

Paulus schreibt, was da passiert ist, als er im Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Er beschreibt diesen Moment als eine Wendung des Blicks. Er schaut plötzlich nicht mehr auf sein eigenes von Regeln und Gesetzen bestimmtes Leben, sondern auf das Leben in der Weite Gottes. Er schaut nicht mehr voller Stolz oder voller Angst darauf, dass er doch in Gottes Augen möglichst alles richtig machen will. Sondern er lässt sich von diesem Gott, von diesem Jesus Christus ergreifen und erlebt das Leben in neuer Freiheit. Er schaut nicht mehr zurück, sondern nach vorne. „Ich vergesse, was dahinten ist und schaue aus nach dem, was vorne ist.“ Das ist die Wende des Glaubens. Das ist der Moment, in dem sich Auferstehung, Ostern, in Paulus ereignet.

In den letzten Tagen ist mir ein Satz über den Weg gelaufen. „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall.“ Wer weiß noch, wo dieser Satz herkommt? Genau, aus dem Märchen der Bremer Stadtmusikanten. Was für ein großartiger Satz, oder? „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall.“ Und was für eine großartige Geschichte. Die Geschichte von den geschundenen Tieren. Dem Esel, der Katze, dem Hund und dem Hahn. Alle alt geworden, keiner mehr zu etwas nütze auf den Höfen, auf denen sie leben. Was bleibt ihnen noch? Alle jammern sie und klagen. Der Esel ist der erste. Zu nichts mehr nütze. Sein Herr wollte ihn aus dem Futter schaffen, so heißt es. Das heißt, er wollte ihn schon schlachten. „Da merkte der Esel, dass kein guter Wind wehte…“, tja, so kann man es auch ausdrücken. Er merkte, dass es ihm an den Kragen gehen sollte und machte sich auf den Weg in ein anders Leben. Und was für eines. Als Stadtmusikant wollte er auftreten. Und er findet Freunde, denen es ganz ähnlich geht. Die jammern und klagen über ihr Schicksal. Die sich zum Teil abgefunden haben mit dem, wie es so ist. Und die dann plötzlich erkennen: Da weht noch ein anderer Wind. „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall.“ Der Ausgang des Märchens ist bekannt. Die Tiere finden im Wald vor Bremen ein Haus, wo sie sich häuslich niederließen, nachdem sie noch die bösen Räuber vertrieben hatten. Und das Märchen endet, nein, nicht mit: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ Sondern mit einem anderen großartigem Satz: „Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.“ Großartig, oder?

Im Märchen ist von Gott nicht die Rede. Es geht nicht um Auferstehung, so wie die Bibel davon erzählt. Aber es ist eine Geschichte davon, wie der Tod besiegt wird. Eine Geschichte davon, wie das Leben siegt über die Resignation, über die Angst. Die Angst wird besiegt durch den Aufbruch ins Leben. Und auch wenn es mit der erträumten Karriere als Stadtmusikant nichts wird, so leben die vier doch glücklich und sicher in ihrer neuen Wald– und Wiesenkommune. Die Erfüllung des einen Traumes ist nicht das Entscheidende, sondern dass der Blick sich wandelt und ein neues Leben möglich wird. „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall.“ Ja, das ist auch eine Auferstehungsgeschichte.

Die vier Stadtmusikanten, die keine werden sollten, erleben ihre Freiheit in der Wendung des Blickes. Im mutigen Aufbruch in eine neues Leben. Paulus erlebt seine Freiheit in der Wendung des Blicks. Auch er bricht in ein neues Leben auf. Auch er sagt sich: Etwas anderes als die Angst, etwas anderes als den Tod finden wir… nein nicht überall. Für ihn war klar: Etwas anderes als das, was bisher war, finde ich allein in Jesus Christus. Paulus wurde, so schreibt er es, von diesem Christus ergriffen. Darin entdeckt er das neue Leben. Nicht mehr er ist es, der nach Gott greifen muss, der Gott festhalten muss durch eine frommes richtiges Leben. Gott selber packt ihn. Jesus Christus nimmt ihn hinein in eine lebendige Beziehung. Vorher, da war es ein starres, ja ein totes Verhältnis, durch Regeln und Gebote festgelegt. Nun ist ein neues, freies Leben durch Gott möglich. Ein Leben, in dem es gar nicht mehr darum geht, Gott im Griff zu haben. Sondern sich in die Weite Gottes fallen zu lassen.

Wohin wenden wir unseren Blick? Ich kann es machen wie der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn. Zu Beginn des Märchens. Ich kann zurückschauen und jammern: „Ach, ach, das war es also, alles nur Mühe und Plackerei.“ Ich kann resigniert nach vorne schauen und sagen: „Wo soll das alles enden? Da ist doch keine Zukunft mehr?“ Kann ich machen. Ich kann auch wie Paulus auf mein Leben blicken. Am Anfang seiner Geschichte: Voller Stolz, was für ein toller Hecht er ist. Das er zur Elite gehört. Zu denen, die etwas zu sagen haben. Die Macht haben über andren. Kann ich machen.

Oder ich kann den Blick wenden. Wie die Stadtmusikanten, die nie welche wurden. Trotzig kann ich dem Leben entgegenrufen: „Weißt du was, etwas Besseres als den Tod finde ich überall“. Und dann kann ich losziehen mit den verrücktestes Plänen im Kopf. Losziehen ins Leben. Ich kann wie Paulus den Blick wenden. Plötzlich ganz ohne falschen Stolz. Nicht mehr Gott zeigen, wie fantastisch ich seine Gebote befolgen kann, sondern Gott machen lassen. Ich kann mich von Jesus Christus ergreifen lassen, von Gott führen lassen. Ohne ihn selber ergreifen, begreifen zu können. Ich kann mich vom Leben führen lassen, voller Vertrauen, dass diese Weite, diese Liebe tragen wird.

Wohin wenden wir unseren Blick? Übers Meer heute Mittag. Wie schaut das aus? Macht mir das Meer Angst? Weil es so unergründlich ist. So endlos. So riskant und gefährlich. Drehe ich mich lieber wieder um, ziehe mich zurück in meine vier Wände, in meine Sicherheit, in mein Ich? Oder schaue ich auf das Meer voller Ergriffenheit. Voller Zuversicht. Voller tiefer Liebe im Blick auf die Weite Gottes? Im Blick auf die Möglichkeiten, die dort liegen, in diesem Leben.

Lasst uns mutig sein. Lasst uns Jesus Christus im Herzen tragen. Lasst uns das Leben feiern. Die Weite, die Schönheit, das, was ist und das, was kommt. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sine in Christus Jesus.

Amen.

 

 


— Predigt zu Philipper 3, 7–14 am 9. Sonntag nach Trinitatis, 
dem 18. August 2019 von Pastor Matti Fischer im Gartengottesdienst in Munkkiniemi; es gilt das gesprochene Wort.


Hauptpastor der Gemeinde