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Predigt zu Maleachi 3, 24 am Heiligen Abend, 
dem 24. Dezember 2019 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Maleachi 3, 24 am Heiligen Abend, 
dem 24. Dezember 2019 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Gottes Friede und Gottes Güte sei mit uns. Amen.

„Es begab sich aber zu der Zeit…“ als die Demokratie der wichtigsten Ordnungsmacht umzukippen drohte in eine Autokratie und die Staaten am Ostrand des Mittelmeeres von Bürgerkriegen verheert wurden.

Was sich beklemmend anhört wie eine Beschreibung unserer Gegenwart ist tatsächlich die Realität, in der Maria und Joseph ihre beschwerliche Reise von Nazareth nach Bethlehem antreten um dort das zu tun, was ihnen noch ein Mindestmaß an Bürgerrechten sichert: sich in die Steuerlisten des Augustus eintragen zu lassen.

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Ich bin mir völlig bewußt, dass ein Nachdenken über die politische Situation damals am Rande des römischen Reises eine Spur neben den Erwartungen liegt, mit denen ihr heute, am ersten Weihnachtstag, hier her gekommen seid. Worauf es mir ankommt ist Folgendes:

Der Satz „Es begab sich aber zu der Zeit…“ meint nicht: „Once upon a time“ — „Es war einmal…“. Der Satz „Es begab sich aber zu der Zeit“ stellt uns Maria und Joseph vor Augen, die uns in einer Hinsicht sehr nahe sind: Es sind Menschen, die wie wir zum Zeitpunkt einer Zeitenwende leben und überfordert sind von einer Überdosis Weltgeschehen. Und wenn uns heute das aufgeht, was Maria und Joseph damals klar geworden ist, was die Hirten in der Botschaft der Engel hören und dann in dem Kind in der Krippe sehen — wenn uns das heute wieder aufgeht, dann geschieht genau das, was ihr mit Fug und Recht von einer Predigt zu Weihnachten erwarten dürft.

In einer Welt, die aus den Fugen ist, spielt sich unsere Weihnachtsgeschichte ab. In einer Welt, die im Freidrehen des Weltgeschehens ihren moralischen Kompass verliert, in der die Orientierung schwierig geworden ist, weil so viele konkurrierende Deutungen wie magnetisierte Metalle überall in der Umgebung die Kompassnadel trudeln lassen. Eine hypernervöse Welt, der wir nicht gewachsen sind — die uns überfordert.

Dieser Welt wird ein Satz gesagt, der mit einem ganz starken Bild die Kompassnadel wieder einnordet. Es ist der allerletzte Satz des Alten Testamentes — der Schluss–Satz, der die Tür zum Neuen Testament aufschließt — zu dem, was mit der Geburt Jesu seinen Anfang nimmt:

Dieser kommende Retter — heißt es da — „Soll das Herz der Väter bekehren zu ihren Kindern.“ Dieser kommende Retter hat die Kraft, eine Konversion der Herzen in Gang zu setzen. „Er soll das Herz der Väter bekehren zu ihren Kindern.“ Das Herz der Elterngeneration vom Althergebrachten und bisher Üblichen wieder dem zuzuwenden, was allein wichtig und lebensentscheidend ist: die Zukunft der Generation der Kinder.

Das ist heute dran. Das ist die Einsicht, die uns Orientierung zurückgibt. Das ist die Zeitansage für unsere Zeitenwende am Beginn der 2020er Jahre.

Dieses Kind, das da am Beginn unserer Zeitrechnung geboren wird, hat die Kraft, „die Herzen der Väter wieder ihren Kindern zuzuwenden.“ Die Herzen derer, deren Geburtsjahrgang mit einer 19 beginnt, denen zuzuwenden, bei denen eine 20 an dieser Stelle steht.

Liebe Schwestern und Brüder, ein Kind, das heute — am 25. Dezember 2019 — geboren wird, hat gute Chancen das Jahr 2100 zu erleben — wenn…

… ja, wenn diese Konversion der Herzen gelingt.

Wie sinnfällig ist das, dass Gott in einem kleinen Kind zur Welt kommt. In diesem Kind, dem jede Lebenssicherheit fehlt — die Futterkrippe als improvisiertes Babybett. Gott kommt zur Welt in einem Kind, dessen ganze Zukunft daran hängt, dass Erwachsene sich ihm zuwenden. Und dass die Erwachsenen sich von diesem Kind der Zukunft zuwenden lassen. Das ist der Pol, auf den sich unser moralischer Kompass wieder einnorden muss: die Zukunft unserer Kinder, die wir nicht verspielen dürfen — um keinen Preis der Welt nicht!

Ein Gedicht von Clemens Brentano, einem Dichter der Romantik, sagt das so:

Welch ein Geheimnis ist ein Kind!
Gott ist auch ein Kind gewesen.
Weil wir Gottes Kinder sind,
kam ein Kind, uns zu erlösen.
Welch ein Geheimnis ist ein Kind!
Wer dies einmal je empfunden,
ist den Kindern durch das Jesuskind verbunden.

Gott kommt zur Welt in einem kleinen Kind. Sinnfälliger kann es nicht werden, dass Gott uns aus der Zukunft entgegen kommt, immer. Gott steckt nicht in Jahrhunderte alten Ritualen, sondern Gott ereignet sich da, wo Menschen sich der Zukunft zuwenden — in einer Weise, die diese Zukunft zu einer lebbaren und menschenfreundlichen Zukunft machen. Das ist das Geschenk, das Gott uns macht: dass diese Zukunft noch offen ist. Das ist das Geschenk, das wir unseren Kindern machen können: unsere Herzen ihnen zuwenden, damit ihre Zukunft offen bleibt. Amen — das heißt, es werde wahr!

Amen.

 

 


— Predigt zu Maleachi 3, 24 am Heiligen Abend, dem 24. Dezember 2019 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.


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