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Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?

Psalm 13,2

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Johannes 16,33

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Predigt zur Konfirmation am Sonntag Exaudi, dem 2. Juni 2019 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zur Konfirmation am Sonntag Exaudi, dem 2. Juni 2019 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Als nun Jesus am Galiläischen Meer entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder; die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen. Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Boot mit ihrem Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze flickten. Und er rief sie. Sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm nach.
Matthäus 4, 18–22

Herr, segne Reden und Hören. Amen.

Wir haben gerade eben eine Lesung aus dem Matthäusevangelium gehört, die ganz oft in den Konfirmationsgottesdiensten hier in Finnland gelesen wird. Diese Bibelpassage spricht mich besonders an und außerdem denke ich, dass jeder sich damit identifizieren kann. Bei dieser Bibelgeschichte geht’s darum, dass Jesus zuerst Simon und Andreas in seine Nachfolge beruft, danach auch die Brüder mit den Namen Jakobus und Johannes. Liebe Konfirmanden, auf eine ähnliche Weise wird Jesus auch euch berufen. Lasst uns in der Zeit etwas zurückgehen, bis auf letzten Herbst, als der Konfirmandenunterricht begonnen hat. Ihr könnt euch bestimmt an den ersten Treff zurückerinnern, wie war es denn? Ich bin erst am Karsamstag zu eurer fantastischen Gruppe gestoßen, kurz bevor ich mit meinem Praktikum in der Deutschen Gemeinde angefangen habe. Ich vermute, dass zu jedem Anfang erwartungsvolle Neugier gehören.

Nun zurück zu dem Matthäusevangelium, das uns erzählt, wie die Brüder auf den See gefahren sind, um Fische zu fangen. Mitten beim Fischen werden die Brüder ganz unerwartet von Jesus überrascht, der sie in seine Nachfolge ermahnt: „Kommt, folgt mir nach!“ Ihr Lieben, die jetzt gleich zu konfirmierenden Jugendlichen. Ihr habt auch die Einladung Jesu angenommen und euch drauf eingelassen — genauso mutig wie die Brüder. Ihr habt euch mit Offenheit und vorbildlichem Engagement auf den gemeinsamen Weg bis zur Konfirmation gemacht. Der gemeinsame Weg, einander besser kennenzulernen, der gemeinsame Weg sich auszutauschen und in Frage zu stellen und letztlich der gemeinsame Weg auf der Suche nach Gott zu sein. Unsere Konfifahrt in Barösund ist ein absoluter Höhepunkt der ganzen Konfirmandenzeit gewesen, und heute als festlicher Abschluss sind wir in diesem Konfirmandengottesdienst versammelt.

Von den Brüdern, die auf See unterwegs waren, wird es erzählt, dass sie nach der Mahnung Jesu ihr Boot und ihren Vater verlassen haben. Auf die gleiche Weise habt ihr auch eure Familien und Freunde für sechs Tage lang verlassen. Letzte Woche hat sich bestimmt von einer gewöhnlichen Schulwoche bei euch unterschieden. Anstelle von hektischem und urbanem Milieu hier durften wir die blühende Natur am Meer genießen. Mit dem Wetter haben wir die ersten Tage echt Glück gehabt, obwohl wir uns erstmal wegen der Wettervorhersagen ein bisschen Sorgen gemacht hatten — wir Betreuer zumindest.

Wenn wir an die ersten Jünger Jesu denken, ist es schon eine große Herausforderung, Ähnlichkeiten zu unserem Leben zu finden. Die geographischen Umstände, wo seine Jünger gelebt haben, unterscheiden sich ziemlich radikal von unserer nordischen Landschaft. Jesus ist den Brüdern am Galiläischen Meer begegnet, das im heutigen Nordisrael im Nahen Osten liegt. Außerdem haben die Zeitgenossen Jesu auch solche beruflichen Tätigkeiten ausgeübt, die uns im heutigen Kontext eher seltsam vorkommen, wie zum Beispiel diese Fischer. Wenn wir nur diese Aspekte betrachten, ist es ohne Zweifel ganz mühsam, einige Anknüpfungspunkte dazu zu finden, wie unsere gemeinsame Reise in Jesu Nachfolge angefangen hat.

Ihr habt euch im Herbst getroffen, als die bunten Blätter von den Bäumen gefallen sind; mitten im kalten und dunklen Winter, als der Boden weiß bedeckt war; und im Frühling, als die Natur endlich aus dem Winterschlaf erwacht ist. Nicht nur die Wetterbedingungen, sondern es gibt auch einen anderen, ganz grundlegenden Unterschied zur Jesu Zeit, den wir merken können. Seine Jünger sind die allerersten Christen der Welt gewesen. Wir befinden uns dagegen in einer Situation, wo es den christlichen Glauben schon länger seit zwei Jahrtauenden gibt. Vielleicht waren sogar unsere Urgroßeltern Christen, und dank ihrer wurde das Christentum bis auf unsere Zeit vermittelt. Eine gemeinsame Erfahrung zwischen uns und den Jüngern Jesu drückt sich jedoch darin aus, dass die Reise in Jesu Nachfolge einmal beginnt. Und das galt vor zweitauend Jahren in Galiläen, und gilt am heutigen Tag hier in Helsinki.

Was bedeutet denn die Christi Nachfolge im Hier und Jetzt? Während der ganzen Konfirmandenzeit habt ihr erlebt, was Nachfolge heißen kann. Und ich durfte das in der letzten Woche zusammen mit euch miterleben. Wir haben einander Gutes getan, das heißt Nachfolge Jesu. Auf der Konfirmandenfahrt haben wir uns mit Jesu Bergpredigt beschäftigt, die eine berühmte Sammlung von Reden und Lehren über das Reich Gottes. Ist Jesu Bergpredigt ist auch eine Orientierungshilfe für die heutigen Christen. Aus der Bergpredigt stammt auch die goldene Regel: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ Auf der Konfirmandenfahrt haben wir täglich Nettigkeitsbriefe an einander geschrieben. Dadurch haben wir die goldene Regel in die Praxis umgesetzt. Wie schön es ist, nette Sachen über andere zu sagen und auch selber Komplimente zu empfangen.

Wir haben zusammen gebetet, das heißt Nachfolge Christi. Im Rahmen seiner Bergpredigt hat Jesus das Vaterunser gesprochen und seine Jünger — und folglich auch uns — gelehrt, wie man richtig betet. Auf der Konfirmandenfahrt haben wir mehrmals das Vaterunser gebetet, um zur Ruhe zu kommen und um alles, was in uns ist, in Gottes Hand zu legen. Außerdem haben wir verschiedene Gebete, wie zum Beispiel das Tischgebet vor jeder Mahlzeit, und Gebete an/in den Abendandachten, die uns durch den ganzen Tag begleiten. Manchmal fällt es schwer, beim Beten viele Worte zu machen, und deswegen haben wir die Möglichkeit gehabt, in Stille unsere Fürbitten vor Gott zu bringen.

Wir haben im Namen Jesu Leben geteilt, das heißt Nachfolge Jesu. Jeden Tag um 7.30 Uhr haben die Teamer bzw. die Isoset uns aufgeweckt, und anschließend fünfzehn Minuten später gab es schon Frühsport. Während der Mittagspause wurde auf der Wiese Fußball gespielt, und gleichzeitig lief der absolute Lieblingstrack dieser Truppe im Hintergrund, und zwar der Klassiker Careless Whisper. Abends waren dann Sauna und Baden im Meer dran.

Aus der Taufe zu leben, das heißt Nachfolge Christi. Emilia, du wurdest auf der Konfirmandenfahrt getauft. Mit allem, was du bist, bist du ins Meer getaucht worden.

Jeder von uns hat sich darüber gefreut, diesen berührenden Moment bezeugen zu dürfen. Mit diesem Erlebnis sind wir ganz dicht dran an dem heutigen Tag. Durch die Konfirmation habt ihr euch für die persönliche Bestätigung der Taufe entschieden. Die Konfirmation ist damit das bewusste „Ja“ zum christlichen Glauben und zur Kirchenzugehörigkeit, in die ihr schon durch die Taufe hineingenommen worden seid.

Auf der Konfirmandenfahrt haben wir es auf vielerlei Weise erlebt, was das Leben in der Nachfolge Christi bedeutet. Jetzt ist es unsere Aufgabe, Menschenfischer zu werden. Ihr könnt rausgehen und die Freude unserer Konfifahrt, die Erlebnisse im letzten Jahr als Konfirmand und die ganze christliche Botschaft verkündigen. Wenn wir einfach darüber erzählen, was wir da alles gemacht, gelernt und erlebt haben, und dadurch unsere schönen Momente den eigenen Familienmitgliedern, Freunden und anderen nahestehenden Personen mitteilen, sind wir wie die in der Bibel gemeinten Menschenfischer. Als Menschenfischer leben wir in der Nachfolge Christi und können auch andere dazu bringen, unserem Herrn, Jesus Christus im Alltag folgen zu können. Mit Mut und Freude können wir uns drauf verlassen, dass Jesus Christus, dem ihr schon in der ganzen Konfirmandenzeit begegnet seid, derselbe sein wird — heute, morgen und wahrhaftig in Ewigkeit.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne, in Ewigkeit.

Amen.

 

 


— Predigt zur Konfirmation am Sonntag Exaudi, dem 2. Juni 2019 von Elefteria Apostolidou in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Gemeindepraktikantin im Mai 2019