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Predigt zur Konfirmation am 1. Sonntag nach Trinitatis, dem 3. Juni 2018 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zur Konfirmation am 1. Sonntag nach Trinitatis, dem 3. Juni 2018 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Liebe Konfirmanden,

normalerweise lese ich hier am Anfang der Predigt einen biblischen Text vor, über den ich dann predige. Heute, am Tag eurer Konfirmation, möchte ich nicht über Worte aus der Bibel predigen, sondern über eure eigenen Worte. Über Sätze, die ich glatt in eine neue Bibel hineinschreiben würde.

Wir waren letzte Woche auf Konfirmandenfreizeit. Sechs Tage auf Barösund, einer Insel vor Inkoo. Das Thema, über das wir in den Tagen gearbeitet haben, war ganz schlicht: Der Glaube. Wie kann man heute als modern lebender Mensch eigentlich noch sagen: „Ich glaube an Gott“? Das ist doch eigentlich verrückt. Wir haben uns das alte Glaubensbekenntnis, das wir gerade zusammen gesprochen haben, genau angeschaut. Wir haben darüber diskutiert, ob man so etwas heute eigentlich noch sagen kann. Und am Ende, am vorletzten Tag, habt ihr euer eigenes Glaubensbekenntnis geschrieben. In der Nacht vorher hatten euch die Isoset aus dem Schlaf gerissen. Um halb vier musstet ihr aus den Betten kriechen und verschiedene Aufgaben bewältigen. Eine alte Tradition in unserer Gemeinde, auf die ihr euch schon freuen könnt, wenn ihr dann in zwei Isoset sein werdet. Ihr hattet also kaum geschlafen. Und nun solltet ihr euch also den Kopf darüber zermartern, woran ihr eigentlich glaubt. Ich dachte: Mit so einem müden Haufen kann das ja nichts werden. Aber plötzlich habt ihr losgelegt, habt erst für euch überlegt und dann in kleinen Gruppen. Und dann, am Ende, habt ihr gemeinsam aus euren Vorschlägen ein Glaubensbekenntnis verfasst. Ihr könnt das Ergebnis hinten auf dem Liedblatt lesen.

Ich möchte nicht über das ganze Glaubensbekenntnis predigen. Auch wenn es wirklich großartige Sätze sind, die ihr gefunden habt. Ich möchte zwei Sätze herausgreifen, die mich besonders berührt haben. Zum einen ist es gleich der erste Satz:

„Ich glaube an Gott, aber dass wir Gott geschaffen haben.“

Eine Provokation: Wir Menschen sollen Gott selber geschaffen haben? Wie soll ich an einen Gott glauben, den ich selber geschaffen habe?

In der letzten Woche wurde in der Hesari, der großen Helsinkier Tageszeitung eine Umfrage veröffentlicht. Es ging um die Frage, wer toleranter gegenüber Muslimen ist: Menschen, die sich als Christen bezeichnen oder solche, die das nicht tun. Ich will gar nichts zu den Ergebnissen dieser Umfrage sagen. Was ich viel interessanter fand, waren die Kategorein, in denen die Menschen in dieser Umfrage eingeteilt waren: Da gab es zum einen die praktizierenden Christen, dann die Menschen, die sich zwar als Christen bezeichnen, aber nicht regelmäßig ihren Glauben praktizieren. Und dann gab es eine Gruppe von Menschen, die — so hieß es — „an keine höhere Macht glauben“. Ich dachte sofort: Moment: was ist das eigentlich für ein merkwürdiger Gegensatz, der da behauptet wird: Auf der einen Seite die Christen, auf der anderen Seite, die, die an keine höhere Macht glauben. Und ich dachte: Ich bin doch ein Christ, aber ich glaube an keine höhere Macht. Ich glaube nicht daran, dass Gott irgendwie ein großer weißbärtiger Onkel ist, der über die ganze Welt herrscht wie ein Marionettenspieler. Ich bin ein Christ, aber ich glaube nicht, dass es in dieser Welt eine versteckte, geheimnisvolle Kraft gibt, einen großen Bestimmer, den ich dann Gott nenne. Ich bin Christ und das einzige, was ich deshalb glaube ist, dass sich Gott in Christus zeigt. Und Christus ist keine höhere Macht. Christus ist der, den wir hier sehen: Der, der als Mensch am Kreuz gestorben ist. Christus ist der, der als Baby in einem kleinen Stall auf die Welt gekommen ist. Gott kommt nicht zu uns außerhalb der Menschen. Ich glaube an keine höhere Macht.

Dieser Satz: „Ich glaube an Gott, aber dass wir Gott geschaffen haben“, ist wahnsinnig klug. Und er ist mutig. Weil man vielleicht denkt, dass man so etwas von Gott nicht sagen dürfte. Aber man darf das sagen. Und man muss es sagen: Gott ist in Christus Mensch geworden. Das heißt nichts anders, als das, was ihr hier schreibt. Gott kommt im Menschen zu uns, im Mitmenschen, in der Begegnung mit dem Anderen, auch in der Sprache, in den Geschichten und der Poesie. Alles menschliche Worte, menschliche Begegnungen. Liebe Konfirmanden, lasst euch nicht einreden, dass Gott irgendeine magische Kraft ist, an die ihr glauben müsst, sonst gehört ihr hier nicht dazu. Gott ist dort, wo wir radikale Menschlichkeit erleben. Gott ist dort, wo ihr diesen Funken in euch spürt, dieses Feuer der Menschlichkeit, dass in euch brennt. Dieses Licht, das jede und jeder von euch in sich trägt. Nur um dieses Licht geht es. Keine Magie, sondern realistische, ehrliche Menschlichkeit.

Ihr tragt diesen Funken Gottes in euch. Dass ist mir in diesem jahr klar geworden. Das dieser Funken der Menschlichkeit weitergetragen wird von Generation zu Generation. Das wir Alten uns keine Sorgen machen müssen über das was kommt. Wenn man sieht, wie dieser Funken Gottes weiterwächst. Neu beginnt. Immer wieder.

Von diesem Funken Gottes handelt der zweite Satz, der mich in eurem Glaubensbekenntnis besonders angesprochen hat. Es sind die letzten, abschließenden Worte:

„Ich glaube an die Liebe, denn sie ist die mächtigste Lebenskraft, die es gibt.“

Das ist nun ein Satz, den viele von uns sicherlich sofort unterrschreiben würden. Erst eimal. Aber macht euch das nicht zu leicht, ihr Lieben. Diese Liebe, die ihr hier meint, die ist etwas sehr Gewaltiges. Die mächtigste Lebenskraft, dass ist mehr als ein bloßes Verliebtsein, als ein Gefühl, dass man sich im Kino oder auf irgendwelchen YouTube–Filmchen anschauen kann. Die Liebe als die mächtigste Lebenskraft hat die Macht, diese Welt grundlegend zu verändern. Sie ist die einzige Macht, die diese Welt grundlegend in die richtige Richtung bringen kann. Deshalb ist die radikale Mitmenschlichkeit der Liebe etwas, dass ihr hoffentlich mitnehmt aus dieser Zeit.

Auf der Heimreise von unserer Konfirmandenfahrt am letzten Sonntag hatte ich plötzlich einen Traum. Ich war ziemlich müde von den Tagen und schlummerte so vor mich her. Und da sah ich uns plötzich in diesem Bus durch das Land fahren. Und ich dachte: Wir sind wie so eine Band, die in ihrem Tourbus sitzt. Wir sitzen in diesem Bus und reisen durch das Land und haben an immer neuen Orten unsere Auftritte. Aber unsere Auftritte bestünden nicht aus Musik oder aus Theater. Sondern unsere Auftritte wären viel einfacher: Wir würden ankommen, unseren Bus ausladen, würden unsere Zelte aufschlagen und einige Stunden oder mehrere Tage bleiben. Und die Menschen aus den Orten, in denen wir einfallen, die könnten in dieser Zeit mit uns leben. Sie könnten mit uns am Feuer sitzen und Wurst grillen. Mit uns Afrikan Tähti spielen oder das Mörderspiel, sie würden mit uns Musik machen und den Andachten unserer Isoset zuhören. Und das würde die Menschen verändern. Es würde sie ein kleines bisschen friedlicher machen, liebevoller, hoffnungsfroher im Blick auf ihr Leben und auf diese Welt. Und dann träumte ich davon, man könnte unsere Band buchen. Wir würden überall dorthin reisen auf dieser Welt, wo der Funken Gottes, das Licht der Liebe gebraucht wird. Wir würden einfallen, dort wo die Menschen Streit miteinander leben, wo sie nicht wissen, wie es weitergehen soll mit ihrem Leben. Und wir würden mit unserem Bus dahin fahren und mit ihnen leben: Einige Stunden oder mehrere Tage. Und diese Kraft der Liebe Gottes würde sich ganz einfach fortpflanzen. Man müsste gar nicht darüber reden. Man müsste es nur erleben. Und es würde etwas verändern. Etwas sehr Wesentliches würde sich verändern in dieser Welt.

Liebe Konfirmanden, ihr seid großartige Menschen, alle zusammen und jede und jeder einzelne von euch. Ihr seid großartige Menschen, weil ihr den Funken der Liebe in euch tragt und weil ihr keine Angst habt, das man diesen Funken, dieses Licht sieht. Ich danke euch, dass ich dieses Licht mit euch teilen durfte in diesem Jahr. Und ich freue mich, dass es weiterleuchten wird. Für euch, in dieser Gemeinde und in dieser Welt. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 


— Predigt zur Konfirmation am 1. Sonntag nach Trinitatis, dem 3. Juni 2018 von Pastor Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Hauptpastor der Gemeinde