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Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zum 1. Korintherbrief 15, 50–58 am Ostersonntag, 
dem 1. April 2018 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zum 1. Korintherbrief 15, 50–58 am Ostersonntag, 
dem 1. April 2018 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Der Predigttext für den Ostersonntag in diesem Jahr steht im ersten Korintherbrief im 15. Kapitel.

50  Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.

51  Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;

52  und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

53  Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.

54  Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist verschlungen in den Sieg.

55  Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«

56  Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.

57  Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

58  Darum, meine lieben Brüder und Schwestern, seid fest und unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, denn ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.

Heute geht es um Batman. Heute feiern wir die große Verwandlung. Stell dir das mal vor: Ostern wäre so: In deinem Schrank hängt ein Umhang. Ein schwarzer Umhang. Ganz versteckt in der Ecke und nur du wüsstest, dass er da ist. Und wenn keiner schaut, gehst du in dein Zimmer, schließt die Tür hinter dir ab. Du gehst zu diesem Schrank, nimmst den Umhang heraus, ziehst ihn dir über. Und indem du ihn dir überziehst, wirst du unsterblich. Bam! Du springst aus dem Haus, kletterst auf das höchste Haus der Stadt und rufst: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“

Wenn Paulus heute leben würde, würde er so einen Film drehen. Da bin ich sicher. Und ich wurde in diesem Film sitzen du denken: „Jo Mann, so muss es sein, dass Leben an Ostern! Genau so!“

Moment? Ist das Leben aus der Auferstehung nicht genau so? Schreibt Paulus vor 2000 Jahren nicht genau diese Worte, weil uns das an Ostern blüht: Unsterblich sein. Supermänner und Superfrauen! Unzerstörbar. Ja, tatsächlich geht es im Kern darum. Aber gemach, gemach. Nun will ich mal genauer hinschauen.

Paulus schreibt hier einen abgefahrenen Text. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, wie es mit uns nach dem Sterben weitergehen wird. Und was das alles mit der Auferstehung von Jesus, mit Ostern zu tun hat. Paulus macht klar: Wenn wir an die Auferstehung glauben, dann verwandelt uns das vollkommen. Nicht nur dann, irgendwann einmal, wenn es soweit sein wird, sondern jetzt schon, im Moment des Glaubens. An diesem Morgen, an dem wir die Auferstehung feiern, wenn wir singen „Christ ist erstanden“, wenn wir dieses Wunder annehmen, dann verwandelt uns das. Nicht die Erinnerung an ein Ereignis vor 2000 Jahren, nicht der Blick auf eine Zukunft, von der wir jetzt noch nichts wissen. Nicht darum geht es an Ostern. Sondern um diese Verwandlung im Hier und Jetzt. Und dafür benutzt Paulus das Bild vom Anziehen. Vom Ankleiden. Er benutzt diese alten, schwer verständlichen Worte: „Dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.“ An vielen Stellen in seinen Briefen arbeitet Paulus mit diesem Bild: Glauben heißt, Christus anzuziehen. Wie soll denn das funktionieren? Wie kann ich denn einen anderen Menschen anziehen?

Ich frage mal anders: Wie wäre das, wenn wir den Glauben an Gott anziehen könnten wie einen Mantel? Wie wäre das, wenn Gott selber einen Mantel aufhält und wir können hineinschlüpfen und werden plötzlich zu denen, die wir schon immer sein sollen: Erlöste, befreite, furchtlose Menschen? Wir schlüpfen in diesen Mantel und merken: All die Rüstungen, mit denen wir sonst rumlaufen, all die Ängste und Maskierungen, die wir tragen, damit wir heil durch dieses Leben kommen, die braucht es nicht. Wir brauchen keinen Mantel der Stärke, keine Rüstung aus Arbeit, Beziehungen, Geld. Können wir alles ablegen. Stattdessen brauchen wir nur diesen einen Mantel: Den Glauben an Gott. Das Vertrauen darin, dass dieser Gott in Christus alles ist, was nötig ist. Wir ziehen den Mantel Gottes an und etwas Verrücktes geschieht: Wir verlieren die Angst. Wir verlieren die Angst davor, nicht genug zu sein in dieser Welt. Wir verlieren die Angst, das alles hier nicht schaffen zu können. Und, darum geht es Paulus an dieser Stelle, wir verlieren die Angst vor dem Tod. Das ist so unvorstellbar, dass es dafür das Wunder der Auferstehung, dass es Ostern braucht.

Wenn Paulus heute leben würde, dann würde einen Superheldenfilm drehen. Batman, Spiderman, Superwoman. Natürlich, das sind alles nur alberne Jungsfantasien, aber ich bin davon überzeugt: Diese Geschichten haben so einen riesigen Erfolg, weil sie eine tiefe Sehnsucht treffen: Wenn das doch nur möglich wäre, wenn es nur möglich wäre, so leicht in ein anderes Leben zu schlüpfen! Einfach den Mantel umwerfen und plötzlich wird das Leben neu.

Zu allen Zeiten haben die Menschen geträumt, dass das geht. Und in Jesus, in dem Menschen, der im armen Stall geboren wurde, der gewirkt hat in dieser Welt, der gekreuzigt und wieder auferweckt wurde zum Leben, in ihm wird diese Sehnsucht erfüllt. In ihm wird uns die Unsterblichkeit geschenkt. Wir brauchen nur in diesen Mantel hineinzuschlüpfen und alles wird anders. Wenn auch nicht so, wie es uns die Superheldenfilme versprechen.

Ich hatte früher, so als 10-jähriger, viele Wochen lang einen Traum, den ich ehrlich gesagt noch nie jemanden erzählt habe. Ihr seid heute die ersten, versprochen. Ich war damals in ein Mädchen aus unserer Klasse verknallt. Katrin hieß sie. Und ich hatte diesen Traum, dass in dem kleinen Badesee in Glinde bei Hamburg, wo ich wohnte, dass in diesem See ein Krokodil lebte. Und dieses Krokodil hatte es auf meine große Liebe Katrin abgesehen. Im Traum war ich es dann, der mit ungeahnten Supermannkräften im entscheidenden Moment durch die Menschenmenge hindurch ins Wasser springt und Katrin vor diesem gefährlichen Raubtier rettet. Mit nassen Umhang würde ich sie auf meinen starken Armen ans sichere Ufer bringen. Ein alberner Traum, klar, aber so träumt man nun mal in diesem Alter. Ich jedenfalls.

Nun geht es in meinem Leben nicht mehr um Krokodile und Heldenkräfte. Aber was ich merke ist diese tiefe Hoffnungen, ein angstfreies Leben führen zu können. Ein Leben zu führen, in dem ich nicht nur keine Angst vor einer Krankheit oder ein bisschen weniger Geld haben muss. Sondern, ein Leben, in dem selbst die Angst vor dem Tod besiegt ist. Ich merke, wie tief diese Sehnsucht in mir steckt, mich in diese Welt zu stellen und zu rufen: „Tod, wo ist dein Sieg? Ha, du kannst mich mal. Ich habe keine Angst mehr vor dir.“

Ich will mir Ostern nicht kleinreden lassen. Von denen, die sagen, dass es keine Wunder mehr gäbe. Dass die Ewigkeit keine Bedeutung hätte für mein Leben. Ha, an diesem Morgen lache ich über euch, ihr Spötter und falschen Realisten. Was wisst ihr schon vom Leben?! Ich will dieses Wunder nicht klein machen. Und ich will das Osterwunder auch nicht allein mit dem Blick in die Natur erklären: Ach, schaut doch in die Natur, auch da wächst und gedeiht es jedes Jahr neu. Das eine muss sterben, damit dass andere leben kann.

Ostern geht einen radikalen Schritt weiter: Nicht der Natur als solcher ist das ewige Leben geschenkt, sondern dir. Dir, der du hier sitzt, du wirst nicht sterben. Du, und du und du. Ihr lebt in der Auferstehung, weil Christus den Tod besiegt hat. Das ist ein Wunder, und es ist die Wirklichkeit dieser Welt.
„Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

 

 


— Predigt am Ostersonntag, 1. April 2018 von Pastor Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki.


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