KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
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Predigt zu Lukas 2, 10b am 1. Christtag, 25. Dezember 2017, 
in der Scharfschützenkapelle im Dom zu Turku

Predigt zu Lukas 2, 10b am 1. Christtag, 25. Dezember 2017, 
in der Scharfschützenkapelle im Dom zu Turku

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir feiern Weihnachten 2017 des Jahres, in dem der internationale Terror mit dem Anschlag hier in Turku auch Finnland erreicht hat. Wir feiern Weihnachten ein Jahr nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz — in den Wissen wie angreifbar wir sind gerade in unseren Weihnachtsritualen und wie sehr das Fest des Friedens zur Zielscheibe wird für die Akteure des Hasses. Wie erreichen uns heute die Worte des Engels, der zu den Hirten spricht: „Fürchtet euch nicht!“?

Wie erreicht uns hier der Gesang der Engel über dem Hirtenfeld: „Frieden auf Erden bei den Menschen, die Gott liebt!“?

Der Friede Gottes beginnt mit einem kleinen Kind. Ein Kind wird geboren — so hilflos, so wehrlos und so machtlos wie nur irgendein Kind. So wird Gottes Sohn geboren. Gott umgeht alles, was nur irgendwie Angst einflößen könnte.

Der Stall, die Krippe, das Stroh — wer unter solchen Zeichen zur Welt kommt, der wird kein Angstmacher werden! „Fürchtet euch nicht!“ — das sind die ersten Worte, die über diesem Kind gesagt werden. Drei Worte nur — kurz und bündig — doch in diesen Worten leuchtet eine Vision auf: Die Vision einer Welt ohne Angst.

Aus dem Kind in der Krippe wird kein Angstmacher werden — aus ihm wird ein Mensch, den eine wunderbar angstfreie Atmosphäre umgibt.

Die Hirten spüren es als erste: Am Anfang der Weihnachtsgeschichte sehen wir sie vor uns: als geduckte und verängstigte Gestalten. Und wie kehren sie von der Krippe heim! Herzensfrohe und aufrechte Menschen, die begeistert weitererzählen, was sie mit diesem Kind erlebt haben. Denn ihnen ist das Heil begegnet. Ihnen ist begegnet, was unserem Menschenleben die Angst nimmt, was den Bann bricht, was unser brüchiges Leben heilt!

Aus dem Kind in der Krippe wird kein Angstmacher — aus ihm wird ein Mensch, der seinen Mitmenschen die Angst nimmt. Ein Mensch, der seine Mitmenschen für eine Vision begeistert: für die Vision einer Welt ohne Angst.

Aus dem Kind in der Krippe wird einer, der die Welt um sich mit wachen Augen sieht – und ihr seine Vision entgegenstellt: Jesus sagt: „Ihr wisst, wie es auf der Erde zugeht: Die Mächtigen regieren ihre Völker zugrunde und wer immer Macht dazu hat, zwingt andere unter seine Gewalt. So soll es unter Euch nicht sein! Wer immer unter euch eine Rolle spielen will, der spiele nicht die Rolle des Machtmenschen, sondern der übernehme die Rolle des fürsorglichen Mitmenschen.“

Aus dem Kind in der Krippe wird ein Mensch mit einer klaren Botschaft: „Verzichte darauf, immer siegen zu wollen, das ist der Weg zum Frieden. Sorge nicht immer nur für dich selbst, das ist der Weg zum Glück. Setze das, was in Dir steckt, für Deine Mitmenschen ein, und zwar ohne Dir davon Lohn zu erwarten, das ist der Weg zur Erfüllung.“

Am Ende seines Lebens wird Jesus sagen: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost — ich habe überwunden, was an dieser Welt so angsteinflößend ist.“

Jesus wird sein Leben lang so bleiben, wie er als Kind in der Krippe gewesen ist: wehrlos und machtlos, furchtlos und von einem Vertrauen erfüllt, das den Bann der Angst bricht.

Dem vertraut euch an, liebe Schwestern und Brüder! Denn damit beginnt der Frieden.
Der Frieden beginnt damit, dass wir das bewahren, was wir als Kind einmal gewesen sind: Menschen, die von der Liebe leben. Menschen, in denen die Liebe Vertrauen wachsen lässt. Ein Vertrauen, das sich von der Angst nicht in den Bann schlagen lässt.

Der Frieden beginnt damit, dass wir uns berühren lassen von der wunderbar angstfreien Atmosphäre, die Jesus umgibt. Der Frieden beginnt zu wachsen, wo wir uns erfüllen lassen von der Zuversicht, die Jesus ausstrahlt:

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost — ich habe überwunden, was an dieser Welt so angsteinflößend ist.“

Der Frieden wird reifen, wo wir erkennen, was Jesus uns zusagt: „Du hast keine Angst nötig. Du hast eine Güte zu geben, wo andere gezwungen sind zu hassen. Du hast eine Hoffnung weiterzugeben, wo Menschen sich resigniert fügen in scheinbar unveränderliche Verhältnisse. Tief in Dir lebt ein Vertrauen, das überwinden kann, was an dieser Welt so angsteinflößend ist.“
Vielleicht ist dieses Vertrauen verschüttet. Dann leg es wieder frei! Vielleicht ist diese Hoffnung verkümmert. Dann gib ihr wieder Nahrung! Vielleicht ist diese Güte verbittert. Dann sorge dafür, dass Du wieder empfänglich wirst für die Güte, die Gott Dir schenkt. Sie wird aus Dir ausstrahlen. So beginnt Frieden!

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich glaube das: dieser Frieden wird unsere Welt verändern. Der Frieden, wird überwinden, was an dieser Welt so angsteinflößend ist. Das glaube ich.

Ich glaube an eine Welt ohne Misstrauen. Ich glaube an eine Welt ohne Hass. Ich glaube an eine Welt ohne Terrorwarnstufen. Ich glaube der Vision Jesu — ich glaube an eine Welt ohne Angst. Der Friede Gottes ist in die Welt gekommen — mit drei kurzen Worten: „Fürchtet Euch nicht!“

Das Unrecht wird ein Ende haben. Friede ist das Ziel der Weltgeschichte. Du hast Grund zu vertrauen. Es ist einer da, der Deine Angst löst. Es ist einer da, in dessen Hand du stehst. Es ist einer da, der zu Dir spricht: „Fürchte dich nicht!“ Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 


— Predigt am ersten Christtag, dem 25. Dezember 2017, von Pastor Hans–Christian Beutel in der Scharfschützenkapelle im Dom zu Turku.


Reisepastor der Gemeinde