KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
Telefon +358 9 6869 8513‬
E–Mail kbv@deutschegemeinde.fi

Mitglieder der Gremien und KBV

Gremien

Kirchenbevollmächtigtenversammlung (KBV)
Kirchenrat (KR)
Finanzausschuss (FA)
Wahlausschuss
Kindergartendirektion
Kirchenmusikalischer Ausschuss
Bauausschuss
Diakonievorstand
DSWH–Geschäftsleitung
DSWH–Fondsvorstand
Kapellenrat Turku (Åbo)

Dokumente

< aktuelle Links, Dokumente, Tagesordnungen, Sitzungsprotokolle, Terminübersicht, PDFs und ähnliches… >

Die Tageslosung

Weh denen, die unrechtes Urteil schreiben, um die Sache der Armen zu beugen und Gewalt zu üben am Recht der Elenden!

Jesaja 10,1.2

Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Römer 12,2

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
Weitere Informationen finden Sie hier


Predigt zu Römer 16, 8–14 am ersten Advent, 2. Dezember 2017 in der Launeen kirkko in Lahti

Predigt zu Römer 16, 8–14 am ersten Advent, 2. Dezember 2017 in der Launeen kirkko in Lahti

Die Gnade und der Friede unseres Gottes sei mit uns, denn siehe: Der Herr ist nahe!

Liebe Schwestern und Brüder,

ich möchte Sie und Euch zu einem Gedankenexperiment einladen — einem herausfordernden Gedankenexperiment — ich möchte Sie, Dich, einladen, Dir etwas vorzustellen, das ganz selten ist, aber wunderschön! Das mag eine erlebte Situation sein oder eine erdachte — beides ist möglich. Wichtig ist nur, dass Du das fühlen kannst — ganz intensiv fühlen kannst. Bereit?

Also los: Stell Dir einen Morgen vor, an dem Du gerne aufgestanden bist. Ob Du ein Morgenmuffel bist oder nicht, ist dabei nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass Du gerne und mit Freude aufgestanden bist. Und wenn es Dir schwer fällt, Dich an einen solchen Morgen zu erinnern, dann probier ob Du in eine der folgenden Szenen hineinschlüpfen kannst:

Der erste Urlaubstag: Gestern bist Du nach einer langen Anreise erschöpft ins Bett gegangen mit dem wohligen Gefühl: Morgen wird ausgeschlafen! Und dann steht am Morgen Dein Kind am Bett und weckt Dich: So viel ist zu erleben, zu erkunden, zu erforschen! „Papa, steh auf!“ — Und Du lässt Dich tatsächlich anstecken, stehst auf, läufst mit Deinem Kind den Weg zum See hinunter und der Funke springt über: Du bist selbst wieder Kind und der Tag ein unglaubliches Geschenk!

Oder: Deine Frau, Dein Mann hat Geburtstag und Du hast ein Geschenk vorbereitet — kein Verlegenheitsgeschenk sondern etwas, von dem Du weißt: das ist ein Seligkeitsding! Du hast das Tage gehütet als Überraschung und nun stehst Du auf, heimlich, still und leise und setzt den Kaffee an — voller Vorfreude auf den Moment, da Dir die Freude gelingt!

Kannst Du die Freude, die Erwartung spüren? Dann bist Du bereit zu hören, was Paulus uns heute sagt: „Die Zeit ist heran, die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden!“ Ein Weckruf voller Glanz, voller Erwartung, voller Freude! Ein Weckruf voller Schwung, mitreißend und wohltuend, frisch und lebendig. Ja, die Zeit ist heran, die Stunde ist da — endlich! — aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir getauft wurden. „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern!“ Wahrhaftig: „All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu!“ und „Aus meines Herzens Grunde sag ich Dir Lob und Dank…“

Liebe Schwerstern und Brüder — sagt diesen Satz niemals einem Morgenmuffel! Denn dann verliert er all seinen Glanz, unmittelbar und sofort und vollständig: „Die Zeit ist heran, die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden!“ — Aha!

Sagt diesen Satz niemals einem Morgenmuffel und lest ihn niemals mit Schlaf in den Augen! Haltet diesen Satz heilig! Es ist ein unbeschreiblich kostbarer Satz! Du lebst jetzt und hier in der Morgenstimmung des Reiches Gottes. Das ist die Zeitansage. Die gilt Dir, die gilt dem Menschen neben Dir, die gilt uns! Tatsächlich: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis…“ — wenn der Funke übergesprungen ist und Du Dich wie ein Kind am ersten Urlaubstag freuen kannst, dann bist Du übern Berg! An den Werken der Finsternis kannst Du dann kein Interesse mehr haben, denn Du lebst im Advent — in der Morgenstimmung des Reiches Gottes.

Nebenbei: Diese Werke der Finsternis schildert Paulus drastisch: „Lasst uns nicht leben in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht…“ Das benennt Paulus sehr konkret und man hat sich immer wieder den Kopf darüber zerbrochen, was das denn für Gemeindeverhältnisse gewesen sein mögen — dort in Rom. Kann eine christliche Gemeinde so auf den Hund kommen!?

Mir hat ein Gedanke sehr eingeleuchtet — Paulus beschreibt nicht das, was in dieser Gemeinde vorgefallen ist, sondern das, was in ihrem Umfeld täglich vorfällt. Es ist die Zeit des Kaisers Nero — eine Zeit unglaublichen Sittenverfalls, eine Zeit, in der der Tabubruch kultiviert wird als Nervenkitzel für abgestumpfte Aristokraten — „O tempora o mores!“ Und Paulus sagt im Grunde: Du musst das nicht selber tun, damit es Dich runterzieht: dieses Fressen und Saufen, Unzucht und Ausschweifung, Hader und Eifersucht. Das Zugucken reicht!

Also auf Heute übertragen: Nach einer Fernsehnacht bei RTL oder Sub TV wirst Du es schwer haben, den Glanz und die Freude des Morgens zu empfinden. Die Kelteinen lehdistö, die Regenbogenpresse auf dem Frühstückstisch kann Dir den Geschmack am Reich Gottes verderben. Tu Dir das nicht an! Sei Dir selbst ein guter Seelsorger indem Du die Werke der Finsternis ablehnst und ablegst und statt dessen den Herrn Jesus Christus anziehst wie ein Lieblingskleid. Das hatten die Menschen in der Gemeinde zu Rom ja noch zuhause in der Truhe: ihr Taufkleid — das weiße Gewand, das sie in der Osternacht ihrer Taufe geschenkt bekommen hatten, indem sie den Ostermorgen erwartet und schließlich erlebt hatten — ein Kleid, das sie in Ehren hielten: Das konnten sie anziehen und darin spüren, was das neue Leben mit Christus für ein großartiges Geschenk war.

Für uns ist das vielleicht die Taufkerze, die zu besonderen Gelegenheiten angezündet wird. Warum nicht auch eine Kerze, die Du am Heiligen Abend anzündest wenn in der Christvesper das Licht ausgeteilt wird und die Dir dann an jedem Morgen leuchtet, wenn Du die Losung liest!? Sei Dir ein guter Seelsorger, indem Du Dir solche Zeichen suchst und setzt. Das sind Zeit–Zeichen! Paulus sagt: Du lebst anders, wenn Du die Zeit erkannt hast — wenn Du erfahren hast dass die Stunde da ist aufzustehen vom Schlaf weil doch unser Heil uns jetzt näher kommt.

Konkret: Du lebst liebevoller! „Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. … Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“

Leb liebevoll — Du tust Deiner Seele gut damit. Und wenn Du doch eigentlich nur aufgestanden bist um Deinem Kind die Urlaubsmorgenfreude nicht zu nehmen — Du wirst doch selber beschenkt von dem Sonnenaufgang am See. Und wenn Du doch eigentlich Deinem Partner eine Geburtstagsfreude bereiten wolltest — sie wird Dir doch selbst zum intensiven Erlebnis von Glück. Und wenn Du doch eigentlich nur… aber das brauche ich hier gar nicht weiter auszuführen. Denn es ist das Grundmotiv in so vielen der Weihnachtserzählungen, die wir in den kommenden Adventswochen hören werden: Die Liebe, die jemand einem anderen Menschen schenkt, die wird zum Vorgeschmack des Reiches Gottes.

Und deshalb ist das ein großer, glanzvoller und heilig zu haltender Satz: „Die Zeit ist heran, die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil kommt uns jetzt nahe.“ Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 


— Predigt zu Römer 13, 8–14 am 1. Advent, dem 2. Dezember 2017 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Launeen kirkko in Lahti.


Reisepastor der Gemeinde