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Hebräer 1,3

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Predigt zu Psalm 90,12 am Ende des Kirchenjahres, 
12. November 2017 im Pynnikki–Gemeindehaus in Tampere

Predigt zu Psalm 90,12 am Ende des Kirchenjahres, 
12. November 2017 im Pynnikki–Gemeindehaus in Tampere

„Herr, lehre uns dass wir sterben müssen, 
damit wir klug werden.“

„Nein, sie hat über ihren Tod nicht gesprochen — sie wollte doch leben!“ Dieser Satz aus einem Beerdigungsgespräch ist mir in diesem Jahr lange nachgegangen. Ratlos klang dieser Satz: „Wir wissen nicht, wie Mutter über ihre Beerdigung gedacht hat — sie hat nie was dazu gesagt.“ Die Scheu ist groß, über das eigene Sterben zu reden und über den Tod, dem ich doch unweigerlich entgegengehe. „Nein, sie hat über ihren Tod nicht gesprochen — sie wollte doch leben!“

Sind das wirklich Gegensätze? Heißt: ‚Leben wollen‘ tatsächlich, den Gedanken an den eigenen Tod zu meiden?

„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
damit wir klug werden.“

In der Kirche, in der ich getauft worden bin, stehen über einer Tür der Taufkapelle zwei Worte: „memento mori“ — „Bedenke, dass du sterben musst.“
Nimm dieses Wissen in dein Leben mit hinein, und geh mit diesem Wissen nicht erst als alter Mensch um. Geh deinen ganzen Lebensweg in dem Wissen, dass du wirst sterben müssen, und dass Dein Leben ein Ziel hat. Denn was dabei zu lernen ist, braucht Zeit.

„Herr, lehre uns, dass wir sterben müssen…“ das bedeutet mehr als die Information aufzunehmen, dass unsere Lebenszeit begrenzt, unser Leben endlich ist. Das bedeutet, in die Lehre zu gehen, eine Lehrzeit zu durchlaufen, in der du eine Fertigkeit erwirbst, die dir im Leben zugute kommt — nicht erst im Sterben, — eine Lehre, die dich lebensklug werden läßt.

„Herr, lehre mich bedenken, dass ich sterben muss, 
damit ich klug werde.“

Lehre mich, dass mein Leben ein Ziel hat. Man hat mir gesagt, dass mein Leben ein Ende hat — aber ist dieses Ende wirklich das Ziel? Herr, lehre mich bedenken, dass mein Leben ein Ziel hat, nicht einfach am Ende aufhört, sondern auf ein Ziel zuführt. Herr lehre mich bedenken, dass mein Sterben nicht das Ende meines Lebens bedeutet, sondern dass mein Sterben der Durchgang ist, der mich zum Ziel meines Lebens führt.

Stell Dir ein Festmahl vor — ein Festessen, zu dem Du eingeladen bist. In einem Haus, in dem du bleiben darfst — und bleiben willst. Und nun stell Dir Dein Leben vor als den Weg dorthin.

Einen Weg,

  • den Du nicht — wie einen Spaziergang — um seiner selbst willen unternimmst;
  • den Du nicht — wie einen Botengang — unternimmst, um einen Auftrag auszuführen;

Stell Dir Dein Leben als einen Heimweg vor. Du gehst diesen Weg, um anzukommen. Es kommt nicht darauf an, den Weg abzuspulen und zu durcheilen. Du hast Zeit, ihn zu erleben und zu genießen. Die Bibel schildert diesen Weg mit Bildern wie dem einer grünen Aue an frischen Wassern.

Es kommt nicht darauf an, dem leichtesten und bequemsten Weg zu folgen. Du hast Kraft und gehst diesen Weg behütet. Die Bibel sagt das mit den Worten: Wenn ich wandere in einem finsteren Tal, so fürchte ich kein Unheil, denn Gott ist bei mir — sein Schutz und seine Hilfe geben mir Kraft und Zuversicht. Du gehst diesen Weg, um anzukommen an Deinem Ziel. Am Ende dieses Weges — am Ende Deines Lebensweges — wird eine offene Tür stehen. Und in dieser Tür steht einer, der Dich willkommen heißt, dem Du die Freude abspürst darüber, dass Du Deinen Weg vollendet hast, und der Dich einlädt, hereinzukommen…

Wie schade wäre es, dann zu erkennen, dass Du den ganzen Weg über versäumt hast, Dich auf diesen Augenblick zu freuen!

Wie schade wäre es, dann zu erkennen, dass Du über die, die vor Dir an dieses Ziel gekommen sind, untröstlich traurig gewesen bist, statt sie hier, an diesem Tisch zu wissen.

Wie schade wäre es, dann erst zu erkennen, dass Du den ganzen Weg über gedacht hast, Leistung und Erfolg wären der Sinn dieses Weges — und du hättest ihn wie einen erbarmungslosen Wettkampf durchlaufen, statt ihn zu genießen.

„Christus ist mein Leben — und Sterben ist mein Gewinn.“ So hat das einer gesagt, dem ein tiefer Einblick in unser Leben und in Gottes Reich geschenkt gewesen ist. Ja, Herr, lehre uns bedenken dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 


— Predigt am Ende des Kirchenjahres, 12. November 2017 von Pastor Hans–Christian Beutel im Pynnikki–Gemeindehaus in Tampere.


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