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Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu Psalm 1 am 18. Sonntag nach Trinitatis, dem 
15. Oktober 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Psalm 1 am 18. Sonntag nach Trinitatis, dem 
15. Oktober 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Hast Du einen Lieblingsbaum? Einen, den Du immer wieder gerne anschaust. Einen, den Du Dir in Erinnerung rufen kannst, den Du vor Deinem inneren Auge sehen kannst?

Dann stell Dir diesen Baum vor, wenn ich uns jetzt noch einmal den ersten Psalm unseres Psalters lese:

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen

noch tritt auf den Weg der Sünder

noch sitzt, wo die Spötter sitzen,

sondern hat Lust am Gesetz des Herrn

und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,

der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.

Und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht,

sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht

noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten,

aber der Gottlosen Weg vergeht.

Gott segne uns durch sein Wort!

 

Liebe Schwestern und Brüder,

das ist ein Sehnsuchtsbild: Wie ein Baum fest verwurzelt leben. In gutem Boden eingewurzelt sein. Aus tiefen Lebensquellen Kraft ziehen. So ist der Mensch, der aus dem Wort Gottes lebt. Der nachdenklich bleibt über dem kraftgebenden Wort Gottes, der aus der unerschöpflichen Quelle des Wortes Gottes seine Lebenszuversicht schöpft.

In kräftigen Blau– und Grüntönen malt uns der 1. Psalm ein Bild vom gelingenden Leben. Blau das Wasser der Bäche, Grün das lebensvolle Laub des Baumes.

In blassen Braun– und Ockertönen stellt er ein Kontrastbild daneben: Spreu, die der Wind verweht, verwelkte Blätter, ausgedörrtes Bachbett. So sind die Spötter. Das Gegenbild zum gelingenden Leben.

Wir kennen diese Spötterrunde: Gelächter — nicht Lachen. Was geredet wird ist lustig gemeint — hat aber eine negative Tendenz. Fröhlichkeit mit schaler Note.

„Junge, freue Dich nur an dem, wofür Du Gott auch danken kannst.“ — das hat mir in meiner Konfirmandenzeit ein alter Mensch gesagt. Und ich habe das seitdem als einen brauchbaren Kompass empfunden. „Junge, freue Dich nur an dem, wofür Du Gott auch danken kannst.“

Ein starker Kontrast, den der erste Psalm zeichnet: hier die Frommen und Gerechten — da die Spötter und Gottlosen. Ein starker Kontrast, aber keine Schwarz–Weiß–Malerei.

Blau contra Braun, Grün versus Ocker. Leben in fruchtbarer Fülle oder Sitzen auf dem Trockenen. So stellt unser Psalm das dar.

Und so stellt er uns vor eine Richtungsentscheidung… : Siehe, ich lege Dir heute vor die Wege zum Leben und die Wege zum Tod.

Wir wissen, dass die Entscheidung so einfach nicht ist, die Alternativen nicht so klar zu trennen sind. Und dennoch stehen wir in der Entscheidung.

Wir kennen durchaus beides: Zeiten der Gottesnähe und Zeiten des Gottesschweigens.

Wer wollte sich da fraglos den Gerechten zurechnen — die, die gepflanzt sind wie Bäume an den Wasserbächen?!

Gott rechnet uns den Gerechten zu, denen die er an den Wasserbächen gepflanzt hat. Deshalb grabe Dir nicht in einer falschen Entscheidung das Wasser ab. Schneide Dich nicht vom Lebensstrom ab. Triff Deine Entscheidung und werde, was du bist: Gott hat Dich in guten Boden gepflanzt, Dir Kraft zum Wurzeln gegeben — das alles geschieht nicht aufgrund von Anstrengung und Leistung, sondern durch die Hand des Schöpfers. Ein Baum pflanzt sich nicht selbst — er wird gepflanzt.

Und wie der Baum im Psalm hast Du einen guten Ort zum Leben erhalten — nicht im Kargen, sondern an den Wasserbächen. Was wäre das für ein Baum, der seine Wurzeln nicht diesen Lebensquellen entgegentreibt!

Und was wäre das für ein Baum, der nicht Frucht brächte, wenn es Zeit dafür ist. Auch das nichts worauf der Baum leistungsbewusst stolz wäre, sondern etwas, was seiner natürlichen Bestimmung entspricht. Etwas, das Freude macht weil und solange es aus natürlicher Bestimmung heraus geschieht und nicht aus hochgezüchtetem Leistungswillen.

Vom baum lernen

der jeden tag neu

sommers und winters

nichts erklärt

niemanden überzeugt

nichts herstellt

einmal werden die bäume
die lehrer sein

das wasser wird trinkbar

und das lob so leise

wie der wind an einem septembermorgen

Dorothee Sölle

Behalte das Bild von Deinem Lieblingsbaum als Sehnsuchtsbild vor Deinem inneren Auge. Halte Dich an die Sehnsucht so zu werden:

wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,

der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.

Und was er macht, das gerät wohl.

 

Amen.

 

 


 Predigt zum 18. Sonntag nach Trinitatis, 15. Oktober 2017 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Reisepastor der Gemeinde