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Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu Matthäus 6,1–4 am 13. Sonntag nach Trinitatis, 
dem 10. September 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Matthäus 6,1–4 am 13. Sonntag nach Trinitatis, 
dem 10. September 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Liebe Schwestern und Brüder,

der Predigttext für diesen Sonntag steht im Matthäusevangelium Kapitel 6:

Hütet euch davor, eure Gerechtigkeit zu üben vor den Menschen, um euch vor ihnen ins rechte Licht zu stellen. Es könnte euch sonst passieren, dass euch der Lohn zerrinnt, den euer Vater im Himmel für eure Gerechtigkeit vorgesehen hat.

Wenn Du also eine Barmherzigkeit tust, so lass es nicht vor Dir her ausposaunen, wie es die Schauspieler in den Kirchen und in der Öffentlichkeit tun, damit sie an Ansehen vor ihren Mitmenschen gewinnen. Das ist gewiss: die haben damit ihren Lohn gehabt und weiter nichts zu erwarten.

Wenn Du aber eine Barmherzigkeit tust, so möge deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut! Tu die Barmherzigkeit im Verborgenen — denn Dein Vater, der in das Verborgene sieht, hat Dir genau dort Deinen Lohn zugedacht.

Gott segne uns durch sein Wort!

 

Liebe Schwestern und Brüder,

können ihr euch noch an das Wichteln erinnern? Früher, in der Adventszeit? Die Namen aller Mitschüler/innen wurden auf Lose geschrieben. Jede/r zog ein Los und dann wurde gewichtelt: Eine Überraschung wurde vorbereitet, still und leise und heimlich — darauf kam es an: heimlich! Auf keinen Fall durfte der– oder diejenige erfahren, von dem diese Überraschung kam. Er oder sie sollte sich einfach nur freuen — und man selbst freute sich mit: heimlich, still und leise.

Wenn ihr euch an das Wichteln erinnern, dann kennt ihr dieses schöne Gefühl: einem anderen Freude bereitet zu haben und dabei unerkannt geblieben zu sein.

Jedes denkbare Dankeswort wäre weniger gewesen als dieses kribblig–schöne Gefühl: es hat geklappt! Derjenige war überrascht, diejenige hat sich gefreut — und daran allein habe ich meine Freude!

Wenn ihr euch noch an das Wichteln erinnern, dann habt ihr eine Vorstellung von dem, was Jesus hier beschreibt: Wenn Du aber eine Barmherzigkeit tust, so möge deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut! Tu die Barmherzigkeit im Verborgenen — denn Dein Vater, der in das Verborgene sieht, hat Dir genau dort — im Verborgenen — Deinen Lohn zugedacht.

Tu die Barmherzigkeit im Verborgenen — übe deine Gerechtigkeit heimlich, still und leise. Hüte dich davor, deine Barmherzigkeit zu veräußerlichen. Du beschädigst sie dabei. Mag sein, dass du dabei einen Veräußerungsgewinn einstreichst — Prestige, Ansehen, Menschen, die sich dir verpflichtet fühlen. Aber damit hat es sich dann auch. Um die Freude, die du selbst daran haben könntest, hast du dich dann wohl gebracht. Es ist dann wohl so, dass der dir der Lohn zerrinnt, den dein Vater im Himmel für deine Gerechtigkeit vorgesehen hat.

Stell dir vor, du übernimmst eine Aufgabe — ehrenamtlich, im Diakonieausschuss oder im Vorstand des Seniorenwohnheims. Oder Du engagierst Dich beim Tansaniaprojekt unserer Gemeinde und sorgst mit dafür, dass junge Menschen in Tansania eine solide Bildung und damit eine Zukunft bekommen. All das ist eminent sinnvoll.

Nun lässt sich das prestigeträchtig in Szene setzen. Du kannst Anerkennung dabei gewinnen. Du bist wer, denn du tust was. Aber unter der Hand wird die Sache zum Geschäft: Du gibst Engagement hin und bekommst Anerkennung zurück — damit sind wir quitt.

Das war es eigentlich nicht, was du gewollt hast! Und wenn du mit einem empfindsamen Gewissen begabt bist, dann stellt sich zudem auch noch ein unbehaglicher Zweifel ein: Hast du den Klienten der diakonischen Arbeit oder die Schülerin in Tansania nicht benutzt, um Prestige aus deinem Engagement zu schlagen?

Jesus sagt: Hütet euch davor, eure Gerechtigkeit zu üben vor den Menschen, um euch vor ihnen ins rechte Licht zu stellen. Es könnte euch sonst passieren, dass euch der Lohn zerrinnt, den euer Vater im Himmel für eure Gerechtigkeit vorgesehen hat.

Ich weiß nicht, ob es im Himmel ein Lohnbuch gibt, in dem unsere Gerechtigkeit vermerkt wird. Aber das weiß ich, dass es kaum einen schöneren Lohn gibt als die Freude, die ein heimlich, still und leise geübtes Engagement machen kann. Und diese Freude ist schon so ein Lohn, der dir bei all Veräußerungsgewinnen dann doch schnell zerrinnen kann.

„Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen, und ich werde es niemandem erzählen“ — diesen verschmitzten Satz hat Johannes XXIII. in sein Tagebuch geschrieben. Es ist ein weiser Satz!

Und dann gibt es da noch etwas: Stell dir vor, du übernimmst eine Studienpatenschaft in Tansania — Du bezahlst, was nötig ist, damit dort eine Schulabsolventin Medizin studieren kann. Du übernimmst diese Studienpatenschaft, weil du weißt: Tansania hat einen enormen Mangel an medizinischem Personal und diese Studentin wird die Studiengebüren niemals aus eigener Kraft aufbringen können.

Und nun stell dir vor, du bleibst dabei anonym. Der Studentin bleibt die Beschämung erspart, die darin liegt, von einem Wohltäter abhängig zu sein. Sie braucht nicht durch regelmäßige Dankesbriefe dokumentieren, dass dein Geld gut angelegt ist.

Und du selbst… Du selbst machst möglicherweise eine Entdeckung. Du machst eventuell die Entdeckung, dass du reich bist. Gerade dann, wenn du dich bis dahin nicht dafür gehalten hast. Du kannst schenken! Das macht dich reich!

Du entdeckst, dass dein Einkommen dir mehr als dein materielles Auskommen sichert. Du entdeckst, dass dein Einkommen für Leib und Seele reicht. Die Bibel kennt dafür eine Rechenformel: 90% für den Leib und 10% für die Seele. Diese Rechenformel stammt noch aus der Zeit, in der die Menschen der Ansicht waren, dass sie ihren Lebensunterhalt eher Gott verdanken als einem Arbeitgeber oder der eigenen Tüchtigkeit.

Der Gedanke dabei war: Gott schenkt mir genug zum Leben. Und Gott schenkt mir ein bisschen mehr als ich brauche, um mein nacktes Leben zu fristen. Den zehnten Teil meines Einkommens, den schenkt Gott mir, damit ich ihn weiterschenken kann. Damit nicht nur mein Leib leben kann sondern auch meine Seele — denn „die Seele nährt sich von dem, woran sie sich freut.“

Was entgeht dir also, wenn du diese Freude veräußerlichst!

Was gewinnst du, wenn du diesen Gedanken verinnerlichst: Tu deine Barmherzigkeit im Verborgenen, und du darfst mehr erwarten als Anerkennung und Prestigegewinn. Jesus sagt: Tu die Barmherzigkeit im Verborgenen — denn Dein Vater, der in das Verborgene sieht, hat Dir genau dort Deinen Lohn zugedacht.

Und darüber gibt es eine Geschichte: In einem jiddischen Stetl gab es einen Chassid, einen Gerechten. Von dem ging das Gerücht, er steige jeden Morgen vor dem Frühgebet in den Himmel hinauf. Die Spötter im Dorf wollten nun wissen, was es damit auf sich habe und einer von ihnen legte sich eines frühen Morgens auf die Lauer. Und siehe da: der Chassid verließ mit einer Axt und einem Korb sein Haus, ging in den Wald und machte Holz. Das trug er heimlich in die Hütte einer alten Frau, machte in aller Stille ein Feuer im Ofen und stapelte leise die Scheite unter der Ofenbank. Dann ging er zum Frühgebet.

Die Spötter indes warteten auf ihren Kundschafter und als der endlich kam, riefen sie ihm zu: „Na he — was nu? Steigt er wirklich in den Himmel hinauf?“ Und der Gefragte antwortete leise: „Sogar noch höher!“

Amen.

 

 


— Predigt zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 10. September 2017 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Reisepastor der Gemeinde