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Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu Matthäus 21,28–32 am 11. Sonntag nach Trinitatis, dem 27. August 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Matthäus 21,28–32 am 11. Sonntag nach Trinitatis, dem 27. August 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Unser moralischer Kompass ist schlicht. Oft wissen wir ganz genau, was gut ist und was schlecht. Und am besten wissen wir das, wenn wir auf die anderen schauen. .Je weiter weg die Menschen sind, je weniger wir von den Umständen wissen, warum jemand so handelt wie er handelt, umso leichter fällt es, ihn in Pfanne zu hauen: „Unmöglich, wie kann man nur.“ Das Internet ist ein fantastischer Ort, um sich ohne jede Gefahr über das Verhalten fremder Menschen aufzuregen. Es hat ja auch etwas Reinigendes, sich seinen Ärger über den Zustand dieser Welt von der Seele zu reden, wenn es nicht um mich selber geht.

Zur Zeit Jesu gab es noch noch kein Internet. Er benutzte Gleichnisse. Und ein schlichtes Gleichnis ist heute erst einmal unserer Predigttext:

28 Was meint ihr aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg.
29 Er antwortete aber und sprach: Ich will nicht. Danach aber reute es ihn, und er ging hin.
30 Und der Vater ging zum andern Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: Ja, Herr!, und ging nicht hin.
31 Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie sprachen: Der erste.

Da ist doch mal alles klar. Zwei Kinder, der gleiche Auftrag vom Vater. Und beide reagieren komplett unterschiedlich. So kennt man das. Wenn man selber Kinder hat allemal. Da wundert man sich manchmal: „Wie unterschiedlich die Kinder so sein können.“ Aber ich glaube, man muss noch nicht mal auf die eigenen Kinder schauen, um dieses Gleichnis ganz unmittelbar zu verstehen: Es sind hier ja zwei ganz urtypische Verhaltensweisen des Menschen beschrieben Da ist der eine, der erst mal Nein sagt. Der erst einmal ablehnt und zurückweist. Und den dann schon bald das Gewissen drückt: „Na, war vielleicht doch nicht richtig, so schnell Nein zu sagen.“ Er entscheidet sich schließlich, den Auftrag, die Bitte, doch noch zu erfüllen. Und dann ist da der andere, der großspurig behauptet: Kein Problem, ich mach das schon, und der dann die Arbeit doch nicht tut. Ich denke, jeder von uns hat solche Typen vor Augen: Die Abblocker und die Großmäuler. Die Nein–Sager und die Ja–Sager. Und fast jeder von uns würde wohl so regieren wie es die Schriftgelehrten tun in diesem Gleichnis. Ihr moralischer Kompass stimmt ja: Besser ist der, der erst mal nein sagt und dann die Arbeit doch erledigt. Besser als der, auf den der Vater sich nicht verlassen kann. Keine Frage. Wichtig ist, dass die Arbeit erledigt ist. Und manchmal ist so eine anfängliche Skepsis vielleicht gar nicht schlecht. Besser doch als mit lauter Stimme sein Handeln anzukündigen. Und dann doch den Schwanz einzuziehen und sich um nichts zu kümmern.

Als Pastor kennt man solche Typen jedenfalls gut. Irgendwann lernt man, vorsichtig zu sein bei bestimmten großspurigen Ankündigungen. Ich erinnere mich an Ausflüge in der Gemeinde (nicht dieser hier sondern in meiner alten, keine Angst, keiner wird hier verraten). Ein Tagesausflug mit den Senioren. Ein Bus sollte gemietet werden. Und ein Gemeindeglied meldete sich sofort bei der Planung: „Ich kenne da jemanden,“ (schon mal ein ganz gefährlicher Einstieg), „ich kenne da jemanden“, rief er. „Der hat eine Busunternehmen. Wann soll es losgehen? Ich kümmre mich drum.“ „Sicher? Kann ich mich drauf verlassen?“, fragte ich noch nach. „Jaja, keine Problem!“ (auch so eine Antwort, bei der ich heute viel vorsichtiger bin!) Und dann, vier Wochen später. Samstagvormittag vor der Kirche. 35 Senioren sind gekommen und warten auf den Bus. Einige mit Rollatoren oder Gehstöcken. Wer nicht kommt: Der Bus. Und wer auch nicht kommt: Der Mann, der das alles so groß organisieren wollte. Erst nach mehrmaligen Versuchen erwische ich ihn am Telefon. Frage, was denn nun sei. „Ach, mir kam was dazwischen. Stimmt, ich hatte ganz vergessen Bescheid zu sagen.“ Gott sei Dank lies sich noch innerhalb von kurzer Zeit ein schneller Ersatz besorgen und wir hatten trotzdem einen guten Tag.

Aber es gibt eben auch die anderen Erfahrungen: Samtsagnachmittag: Aufbau für das Gemeindefest. In der Liste, die seit Wochen durch die Gemeinde geht und auf der sich die Helfer eintragen sollen, steht kein Name. „Nein, keine Zeit“ „Nein, ich muss mit meinem Sohn zum Fußball“, „Nein, ich hab Nachtschicht und muss ausschlafen!“ So denke ich, dass wir es zu zweit machen müssen. Die Küsterin und ich. Doch dann komme ich um die Ecke und da stehen plötzlich vier Mann, die Arbeitshandschuhe schon angezogen. „Wir haben gedacht, bevor sie hier alles alleine machen müssen, Herr Pfarrer!“ Ehrlich gesagt und Gott sei Dank geht es dann doch meistens eher so rum. Ich kenne also diese Erfahrungen. Und ich würde genauso antworten wie die Schriftgelehrten: Natürlich sind mir die lieber, die erstmal nein sagen und dann doch anpacken.

Aber unser Predigttext hört mit dem Gleichnis und der Antwort der Schriftgelehrten noch nicht auf. Ich lese nochmal von Anfang an. Und hört mal, wie es weitergeht.

28 Was meint ihr aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg.
29 Er antwortete aber und sprach: Ich will nicht. Danach aber reute es ihn, und er ging hin.
30 Und der Vater ging zum andern Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: Ja, Herr!, und ging nicht hin.
31 Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan?
Sie sprachen: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr.
32 Denn Johannes kam zu euch und wies euch den Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl ihr’s saht, reute es euch nicht, sodass ihr ihm danach geglaubt hättet.‘

Ja, jetzt nimmt der Text doch noch mal Fahrt auf. Aus dem etwas altbackenen Gleichnis mit seiner schlichten Moral holt Jesus alles raus. Denn er tut etwas, was er ganz oft macht: Er haut den Hörern ihre eigenen moralischen Urteile um die Ohren. Und nicht nur den Schriftgelehrten damals vor 2000 Jahren. Sondern auch uns. Weil die Erzählung uns ja auf die gleiche Fährte lockt: „Natürlich, guter Jesus, finden wir den Jasager in diesem Gleichnis auch blöd. Keine Frage. Wie kann man nur? Erst zusagen und dann sein Versprechen nicht halten!“ „Aber“, fragt dann Jesus: „Wenn ihr den blöd findet, warum handelt ihr dann genauso wie er?“ Warum handele ich genauso wie dieser faule Ja–Sager? Vielleich, weil es einen Unterschied gibt zwischen dem, was ich weiß, hier in mir drin, und dem, was ich tue.

Ich will kurz erklären, was es mit diesem Johannes in dem Text auf sich hat. Gemeint ist Johannes der Täufer, der die Ankunft von Jesus als Gottes Sohn angekündigt hatte. Er hat gepredigt, dass die Menschen sich vorbereiten sollen, dass sie ihr Leben ändern müssen, wenn Gott schon in diese Welt hineinkommt. Viele haben ihm zugehört. Die Schriftgelehrten und Priester, die Reichen und Armen. Viele haben ihm zugehört, aber nur wenige sind seinem Rat gefolgt. Jesus spricht hier von den Zöllnern und Huren, die ihr Leben geändert haben. Die erkannt haben: eigentlich ist das ja Mist, wie ich lebe. Hier und jetzt habe ich die Chance, mein Leben neu anzupacken. Aber die Schlauen und Frommen der Zeit haben brav zugehört, haben vielleicht genickt. „Jaja, soso, recht hat er dieser Johannes, die da, die Anderen, die sollen sich mal schön ändern.“ Und sie haben nicht erkannt, dass Jesus auch für sie in die Welt gekommen ist. Sie haben nicht erkannt, dass das heißt, neu auf sein Leben zu schauen und sich neu mit Gott auf den Weg zu machen. Das Entscheidende, worum es Johannes dem Täufer und auch Jesus hier geht, ist die Buße, die Umkehr. Es geht dabei überhaupt nicht darum, sich selbst klein zu machen und sich sein bisheriges Leben mies zu reden. Buße bedeutet Umkehr: Schau an, was dir möglich ist, wenn du mit Gott unterwegs bist. Und Buße bedeutet dann, so wie es von dem ersten der beiden Kinder erzählt wird, das Nötige tun. Es reicht eben nicht aus, nur mit dem Mund oder nur in sich drin zu entscheiden, was gut und richtig ist. Es muss auch in der Welt sichtbar werden. Ja, sogar noch viel schärfer formuliert es Jesus: Es kommt eigentlich gar nicht so sehr darauf an, was man so daherredet an schlauen Dingen in seinem Leben. Es kommt darauf an, wie die Liebe Gottes sichtbar wird in deine Leben.

In einem alten Wort kommt das an verschiedene Stellen im heutigen Gottesdienst zum Ausdruck. Dem Wort Demut. Demut ist eine ganz grundlegende Haltung, die sich nicht der eigene Fähigkeiten und Leistungen rühmt, ja, es ist eine Haltung, die noch nicht mal davon ausgeht, dass ich es bin, auf den es ankommt für das Gelingen des Lebens. Demut heißt, von sich abzulassen, von seinen eigenen Eitelkeiten und von seinem eigenen Stolz. Und sich Gott zuzuwenden. Sein Leben in seinen Hände zu legen. Immer wieder. Eine Haltung, in der man über sich lachen kann. Sich selbst weniger ernst und Gott noch viel ernster nehmen. Darum sollte es gehen. Leider wird Demut oft nur bei den Menschen wahrgenommen, bei denen die Fallhöhe anscheinend besonders groß ist. Papst Franziskus ist so ein Beispiel. Ein toller Mann keine Frage. Aber, das er in der ersten Zeit als Papst immer noch mit dem Stadtbus unterwegs war, hat ja die Medien (und viele Christen auch) in helle Aufregung versetzt. Bei all den Millionen anderen Menschen, die jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit oder in dir Schule fahren müssen, kräht keine Hahn nach. Mich fasziniert eine Demut, die oft gar nicht zu erkennen ist. Das macht Demut ja gerade aus, dass sie keinen Wert drauf legt, als eine besondere Haltung erkannt zu werden. Und auch die Bibel erzählt so von den Menschen. Im Gleichnis vom Pharisäer und dem Sünder haben wir vorhin davon gehört und auch im Predigttext von den Schriftgelehrten die nicht erkennen wollen, das Jesus sie mit diesem Gleichnis meint. Die Evangelien erzählen immer wieder davon, wie Jesus buchstäblich der Kragen platzt gerade bei denen, die ihre Religiosität wie einen Lampe vor sich hertragen.

Eigentlich ist es ganz einfach: Weniger klug daher schwätzen und mehr das Richtige tun. Um sich selbst nicht so’n Gedöns machen und damit Gott die Ehre erweisen. Das ist gewisslich war. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 


— Predigt zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 27. August 2017 von Pastor Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Hauptpastor der Gemeinde