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Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu 1. Mose 12,1–4a am 10. Sonntag nach Trinitatis, dem 20. August 2017 im Garten des Deutschen Seniorenwohnheimes in Munkkiniemi

Predigt zu 1. Mose 12,1–4a am 10. Sonntag nach Trinitatis, dem 20. August 2017 im Garten des Deutschen Seniorenwohnheimes in Munkkiniemi

Liebe Schwestern und Brüder,

stellt euch eine Bergwanderung im Urlaub vor. Lange habt ihr auf diesen Urlaub zu gelebt. Oft habt ihr euch die Bilder im Reiseführer angesehen, die Route auf der Wanderkarte abgesteckt. Und vor allem habt ihr euch immer wieder die Aussicht vorgestellt: Da oben stehen und diese Aussicht genießen! Das war ein Ziel, ein verlockendes!
Nun seid ihr auf dieser Tour und der Weg ist steinig. Die Sonne brennt. Die Füße werden lahm. Irgendwann sitzt ihr dann im Schatten, rastet und überlegt dabei: Ob ich nicht umkehren sollte? Da raufzukraxeln nur um runterzugucken! Was soll’s?

Gut wenn Dir dann die Bilder aus dem Reiseführer wieder vor Augen stehen. Schön, wenn dann wieder wach wird, was Du Dir in der Vorfreude auf den Urlaub ausgemahlt hast. Und schön, wenn Dir das Schwung gibt, doch weiterzugehen — nicht umzukehren. Schön, wenn Du dann wirklich da oben stehst und das genießt, was man letztlich auf keinem Berg genießen kann, auf den man mit dem Sessellift gefahren ist.

Glaube — so sagt es die Bibel — Glaube ist die Kraft, aus der jemand doch weitergeht, der eigentlich schon umkehren wollte. Glaube, das sind die Bilder, die einem vor Augen stehen – oder vielmehr die Sehnsucht, die sich an diesen Bildern entzündet. Glaube, das ist die Sehnsucht nach einem Ziel, das man denn doch nicht so einfach aufgeben kann. Glaube, das ist der lebhafte Wunsch, trotz lahmer Füße weiterzugehen, einfach weil es lohnt! Einfach weil das Ziel es wert ist! Einfach weil es gut, ist auf dem Weg zu bleiben!

Abraham ist ein Beispiel dafür: Losgehen und auf dem Weg bleiben und den Weg dann auch zu Ende gehen. Abraham ist ein Beispiel für die Sehnsucht, die sich nicht an den Schwierigkeiten verschleißt. Abraham ist ein Beispiel für den Glauben, der einen Menschen lebenslang in Bewegung hält.

Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.

Abraham ist ein Beispiel — ein Beispiel für einen Lebensweg der in sich sinnerfüllt ist. Zunächst geht es schlicht darum, loszugehen. Abraham macht sich auf den Weg — einfach weil Gott ihm das sagt: „Mach dich auf, geh los, verlass dein Vaterhaus, deine Familie und geh los.“ Geht einen Weg, der nicht in den altbekannten Bahnen verläuft. Geh einen Weg, von dem du nicht am Anfang schon das Ende weißt. Geh einen Weg, den nicht alle gehen. Geh den Weg, den Gott dir zeigt.

Oft ist der Gehorsam gelobt worden, aus dem heraus Abraham losgeht – das hat mir nie eingeleuchtet. Ich habe mir Abraham nie als einen Menschen vorstellen können, der aus Gehorsam heraus handelt. Ich habe mir Abraham immer als einen Menschen voller Sehnsucht vorgestellt.

Und als einen im guten Sinne risikobewußten Menschen.
Risiko — wir versuchen das zu meiden;
Risiko — wir können es nicht meiden sondern müssen mit dem Risiko leben;
Risiko — im Wortsinn: von Gottes Hand gehalten leben. Vertrauen statt Angst.

Wer von Gottes Hand gehalten lebt, der kann Wege gehen, die nicht von der Angst begrenzt werden — der kann dem Weg Gottes für sich folgen — der kann dem folgen, der von sich sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Sich auf den Weg machen ist das eine, wofür Abraham als Beispiel steht. Auf dem Weg bleiben ist ein zweites.
Es ist ein langer Weg, den Abraham geht und es ist ein steiniger Weg. Es ist ehrlich, dass die Bibel keinen Zweifel daran lässt: Wer sich auf den Weg mit Gott macht, der entscheidet sich nicht für den Sessellift — nicht für den bequemen — dafür aber für den lohnenden Weg.

Die Bibel redet klar und ehrlich — ohne solche Werbesprüche wie „Wir machen den Weg frei.“ Aber von Anfang an steht die Gewissheit: es wird ein lohnender Weg sein, weil das Ziel lohnt. Wie oft steht Abraham abends unter dem Sternenhimmel und spricht mit Gott. Da lässt er sich von Gott das Ziel vor die Augen stellen — diese Bilder, die seine Sehnsucht wachhalten, die Bilder, die ihn dann morgens weitergehen lassen.
Wir haben eine Reihe solcher Bilder: Frieden und bewahrte Natur; Streit, der durch Wahrheit geschlichtet wird; ein Leben, das befreit von Eitelkeit, Lügen und Intrigen lebenswert ist; ein Zusammenleben auf dieser Welt ohne die Riesenkluft zwischen Armen und Reichen; ein Zusammenleben vor allem, in dem weder Rassen– noch Religionshass einen Wurzelboden finden. Das sind die Bilder, die Visionen, unseres Glaubens, die die Sehnsucht wachhalten. Daran bleiben und sich davon immer wieder bewegen lassen. Diese Sehnsuch nicht von Angst deckeln lassen — sich nicht von bösen Erfahrungen leiten lassen sondern von guten Erwartungen. Nicht wie die Welt ist, ist entscheidend, sondern wie sie sein kann. Da sind die Bilder, die uns in Bewegung halten und uns verlocken, doch den Weg weiterzugehen — nicht umzukehren, sondern weiterzugehen, obwohl die Füße manchmal lahm sind oder schlimmer noch: obwohl die Seele wund ist.

Ein drittes ist dann das Ankommen: Abraham kommt im gelobten Land an. Was er aber davon am Ende besitzt, ist nur ein kleines Stück Ackerland mit einer Höhle, die sich als Grabstätte für seine Frau und sich selbst eignet. Erst seine Kinder, seine Enkel und Urenkel werden dieses Land besiedeln. Und das heißt: Was da zu erreichen ist, ist Hoffnung. Abrahams Lebensweg findet seine Erfüllung nicht in dem großen und gesicherten Besitz eines reichen Landes. Abrahams Lebensweg findet seine Erfüllung in dem Wissen: Hier ist Zukunft für die, die nach mir kommen. Ob sich unser Blick dafür weiten wird?

„Ich, jetzt, hier, sofort!“ — das sind die bestimmenden Wörter für die gängigen Glückserwartungen unserer Zeit. „Ich, jetzt, hier, sofort!“ Ob wir unseren Blick davon freihalten können? — Ob wir eines Tages auf dem Berggipfel stehen und die weite Aussicht genießen können: Da ist Zukunft für unsere Kinder und Enkel. Da werden noch Generationen leben und glücklich sein können. Ob uns das eine lohnende Aussicht sein wird?

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe.

Amen.

 

 


— Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis, 20. August 2017 von Pastor Hans–Christian Beutel im Garten des Deutschen Seniorenwohnheimes in Munkkiniemi.


Reisepastor der Gemeinde