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Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu 5. Mose 7,6–12 am Sechsten Sonntag nach Trinitatis, dem 23. Juli 2017 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu 5. Mose 7,6–12 am Sechsten Sonntag nach Trinitatis, dem 23. Juli 2017 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

[ 5. Mose 7,6–12 ]

Du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.

Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker — denn du bist das kleinste unter allen Völkern —, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der Herr euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der Herr, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

Auf Bitte der Deutschen Botschaft und der Deutschen Gemeinde besuchte ich seiner Zeit einen deutschen Seemann, der hier in Finnland straffällig geworden und zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war. Als es an der Zeit war und er über die Hälfte des Strafmaßes mustergültig abgesessen hatte, setzte ich ihm das Gnadengesuch an den Präsidenten Finnlands auf, ein Hoffnungszeichen. Als immer wieder eine Antwort ausblieb, rief ich schließlich in der Präsidentenkanzlei an. Mir wurde mitgeteilt, dass wegen Krankheit des Präsidenten und auf Grund von und Staatbesuchen die Präsentation der Gesuche seitens des Justizministeriums hätte einige Male ausfallen müssen, aber ich solle mich mal bei dem vorlegenden Ministerialdirektor im Staatsrat erkundigen. Das tat ich und rief an. Ich erklärte dem hohen Staatsdiener die Situation, die er offensichtlich aus den Papieren kannte. Ich fragte, da mein regelmäßiger Besuch in der Ersttätervollzugsanstalt kurz bevorstand, was ich denn dem Häftling mitteilen könne, ob er mit einer möglichen Begnadigung rechnen könne. Er sei als Schiffs– und Gefängniskoch bei allen beliebt, da sein Essen sehr geschätzt werde und auch der Gefängnisdirektor ihm die gute Führung bescheinigen könne.  Da wurde es recht still auf der anderen Seite der Telefonleitung. Nachdenklich antwortete der Ministerialdirektor: „Sie mögen einst ein guter Pastor werden, aber von Gnade haben Sie keine Ahnung. Man kann Gnade nicht verdienen, auch nicht mit dem besten Wandel, guter Führung oder bester Küchenarbeit. Wenn der Präsident die Begnadigung ausspricht, wird dem Häftling die Reststrafe erlassen. Das hebt die Tat oder das Urteil nicht auf, aber Gnade steht über dem Gesetz und über jegliches Verdienst. Sagen Sie dem Häftling, er soll sich weiterhin gedulden und gut führen. Mehr ist nicht sagbar.“ — Das war eine harte Belehrung für mich.

Was hat das mit dem Predigttext zu tun? Wir hörten, dass Gott der Herr Israel zu seinem Volk erwählt hat, nicht auf Grund von dessen Größe, Bedeutung oder guter Führung, sondern aus Liebe. Gnade ist eine Bezeugung unverdienter Liebe. Gott hat sich den Vätern versprochen und ist treu von Generation zu Generation, weil er liebt und gnädig ist. So wie jener Häftling, der tatsächlich Gnade fand, sich künftig an die Gesetze halten wird und den begnadigenden Präsidenten, der ihn aus der Knechtschaft der Vollzugsanstalt befreite, liebt und ehrt, so verlangt auch Gott von seinen Menschen Liebe und die Befolgung der Gebote. Gnade hebt also das Recht nicht auf und befreit nicht von der Gesetzesbefolgung, denn sollte jener ehemalige Häftling in Finnland wieder straffällig werden, würde die Vortat das Urteil für die erneute Straftat verschärfen, trotz der erfolgten Begnadigung. So kann jener ehemalige Häftling nicht auf die Gnade Pochen und meinen, sie zu verdienen. Diese Lektion haben wir alle zu lernen, die wir von der Gnade keine Ahnung haben.
Im Predigttext aus dem Deuteronomium sieht es so aus, dass Gott nur dann seinen Segen gibt, wenn der Mensch das seine tut und die Gebote hält. Aber das ist nicht der Fall, denn der strafende Gott ist auch Gott, denn Gottes Gnade darf nicht zur Willkür oder zum Narzissmus, Egoismus oder Egozentrismus führen, der heute so weit grassiert.

Man wirft den Anhängern des Judentums so leicht Werkgerechtigkeit vor, dass sie mit ihrer strengen Gesetzeserfüllung vor Gott Gnade und Segen erlangen wollen. (Zum Beispiel stehen als fromme Juden gekleidete Männer gewöhnlich in öffentlichen Verkehrsmitteln, da die sich kultisch verunreinigen würden, wenn sie sich auf einen Platz setzen würden, auf dem zuvor eine Frau gesessen haben könnte). Jener Vorwurf ist aber nicht überall zutreffend. Ich besuchte einmal mit einer Gruppe die Synagoge von Helsinki. Zu jener Zeit hatte Finnland noch keinen eigenen Rabbi, und der Synagogenälteste führte uns herum. Ich fragte ihn: „Wer ist gerecht vor Gott?“ Er fragte grübelnd zurück: „Meinst du zadik?“ „Ja“, sagte ich, „wer ist zadik vor dem Herrn?“ Leise und langsam mit Überlegung antwortete er: „Wer Liebe übt, der ist vor Gott gerecht.“ In dieser großartigen Antwort begegnen sich die Lehre des Judentums und die des Christentums, Gesetz und Gnade, Altes und Neues Testament, Messias–Erwartung und der für uns gekommene Messias, der Heiland Jesus Christus mit seiner Lehre vom einzigen und größten Gebot und seinem neuen Gebot der Liebe.

Und was hat all das mit der Kernaussage des heutigen Sonntags über die Taufe zu tun? — Wir sangen das vorhin im Wochenlied 200 Ich bin getauft auf deinen Namen. Wir sind also durch die Taufe dem Gottesvolk inkorporiert worden, in Christus „eingesenkt“ und mit seinem Geist beschenkt. Uns wurde in der Taufe die Frucht des Leidens Christi appliziert als Hineingenommen–Sein in die Sündenvergebung. Halten wir unsererseits jenen Taufbund in Gottesfurcht und Liebe? Wenigstens die dritte Strophe ermahnt uns dazu, und selbst wenn wir straucheln, dürfen wir um Gnade bitten. In den beiden letzten Versen werden wir ermuntert, unsererseits den Vorsatz neuer Treue zu fassen und Gottes Willen nach zu leben.  So soll uns die institutionalisierte Taufe nicht zu falscher Sicherheit, zu Trägheit oder Faulheit verleiten, sondern wir sollen mit Luther täglich neu als Christen anfangen, in Glaube und Liebe vor Gott gerecht zu werden. Zu diesem Unterfangen hilft und das großartige Geschenk, das wir im heutigen Evangelium empfangen, in dem der Herr uns zusagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“.

Diese Anwesenheit bleibt immer ein abstraktes und völlig unbegreifliches Glaubensgut, das in der Liebe immer wieder Gestalt annimmt: Im kleinsten Kinderglauben, im Stoßgebet auf dem Krankenbett, im aufmunternden Wort oder freundlichen Lächeln ist Christus anwesend. „Siehe“, sagt der Herr: In der Liebe wird Seine Anwesenheit sichtbar. Dazu verhelfe uns Gott der Herr durch Jesus Christus im Heiligen Geist.

Amen.

 

 


— Predigt zum Sechsten Sonntag nach Trinitatis, 23. Juli 2017 von Pastor Hans–Christian Daniel in der Deutschen Kirche in Helsinki.