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Matthäus 6,26

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Predigt zu Johannes 7,37–39 am Sonntag Exaudi, dem 28. Mai 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Johannes 7,37–39 am Sonntag Exaudi, dem 28. Mai 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Für die Predigt in diesem Gottesdienst ist ein Abschnitt aus dem Johannesevangelium, Kapitel 7, vorgesehen:

Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stand Jesus auf und rief:

Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Innern werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.

Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.

Gott segne uns durch sein Wort.

Warst Du schon einmal an einer Quelle? Hast Du aus ihr getrunken — weiches, frisches Quellwasser? Hast Du gesehen, wie das Wasser hervorsprudelt, wie es im Sonnenlicht glitzert, wie es zwischen Moos und Farn seinen Weg findet?

Lebendiges Wasser! Das weckt neue Lebensgeister! Wenn Du durstig bist von einer Wanderung, wenn Dir heiß geworden ist und die Zunge am Gaumen klebt… und Du kommst dann an eine Quelle, hältst die Hände auf, lässt das Wasser hineinlaufen und trinkst — lange und ausgiebig — das weckt neue Kraft und frischen Mut!

„Wer Durst hat, komme zu mir“ — so ruft Jesus. ‘Wer ausgedörrt und leergebrannt ist, für den bin ich da.’

Wenn wir jetzt einen Augenblick überlegen: ich denke, dann fällt jedem von uns ein, wonach er Durst hat – wonach er sich sehnt — was sie vermisst — was sie froh machen kann. … „Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke.“ Das ist eine gute Einladung.

Aber Jesus ruft diese Worte mitten auf einem Fest. Am letzten Tag des Laubhüttenfestes, an dem Wasser aus dem Teich Siloah geschöpft und in feierlicher Prozession zum Tempel getragen wird, ausgerechnet da ruft Jesus: „Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke …“

Das ist, als ob Du bei Deiner Wanderung im Rasthaus gewesen bist und gerade Kaffee getrunken hast. Und nun kommst Du an der Quelle vorbei. Die Quelle hat Glück, wenn Du sie überhaupt bemerkst. Aber Du wirst wohl kaum aus ihr trinken.

Merkwürdig, dass Jesus sich gerade dieses Fest aussucht. Wenn die Menschen den ganzen Tag in der Sonne gearbeitet haben, erschöpft und ausgedörrt sind, dann sollte Jesus rufen: „Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke.“ — Die Leute kämen in Scharen zu ihm. Aber bei einem Fest?

Gerade dann lädt Jesus ein! Gerade dann merken die Menschen, dass Jesus noch etwas anderes meint, dass Jesus von einem Durst spricht, der hinter dem gewöhnlichen Durst liegt. Und wenn sie es nicht gleich merken, dann hakt sich so eine Einladung doch im Kopf fest, dann tauchen diese Worte in einer ruhigen Minute wieder auf, dass man sich daran erinnert und sich fragt: „Welchen Durst meinte der eigentlich?“

Heute geht in Berlin und Wittenberg der Kirchentag zuende — das ist so ein Fest, bei dem die Quellen sprudeln. Bei dem die Seele aufleben kann in lebendigen Gottesdiensten, intensiven Diskussionen, aufbauenden Bibelarbeiten, wohltuenden Konzerten.

Im Alltag ist das unendlich viel mühsamer: oft ist es ja so, dass man in der Bibel liest, Gottes Wort sucht, und hinterher weiß man schon gar nicht mehr, was man da eigentlich gelesen hat. Das bleibt so fremd, so weit weg. Das sprudelt nicht wie eine Quelle lebendigen Wassers. Das ist, als ob man aus einem unglaublich tiefen Brunnen Wasser heraufziehen müsste und dann hat der Schöpfeimer auch noch ein Loch!

Im Alten Testament steht beim Propheten Amos, dass Gott einen Durst ins Land schicken wird — nicht einen gewöhnlichen Durst nach Wasser, sondern den Durst nach Gottes Wort. Die Menschen werden Sehnsucht danach haben, Gottes Wort zu hören, lebendig zu erleben. So lebendig wie es für die ersten Christen gewesen ist, so unmittelbar, so frisch und erfüllend.

„Wer Durst hat, der komme zu mir“ — So ruft Jesus. Er redet keinem Menschen ein, dass er Durst hat. Er stellt sich einfach an den Tempel und lädt ein: ‘Wenn Du Durst hast, wenn Du diese Sehnsucht spürst, dann komm zu mir.’ Und er sagt weiter: „Es trinke, wer an mich glaubt.“ Man muss dieser Quelle glauben. Man muss ihr schon zutrauen, dass sie den Durst löschen kann.

Denkt noch einmal an die Quelle im Wald. Auch wenn Du noch so großen Durst hast, solange Du nicht davon überzeugt bist, dass das Wasser sauber ist, wirst Du nicht aus dieser Quelle trinken.

Und wenn es jemand gar nicht mehr aushalten kann, wenn der Durst zu groß geworden ist, dann kümmert er sich vielleicht nicht mehr darum, aus welcher Quelle er trinkt. Dann geht es ihm wie im Märchen vom Brüderchen und Schwesterchen — das Brüderchen hat solchen Durst, dass es nicht mehr merkt, wie trügerisch manche Quellen sind, dass es aus einer trügerischen Quelle trinkt und verzaubert wird.

Er gibt viele dieser trügerischen Quellen, viele dieser Heilsversprecher, die rufen: „Komm zu uns! Komm, wir stillen Deinen Durst, wir kennen Deine Sehnsucht und erfüllen sie!“ Und wer aus diesen Quellen trinkt, der kennt sich hinterher selbst nicht mehr, der ist verwandelt wie das Brüderchen im Märchen.

Es kommt darauf an, dass man der Quelle vertraut, dass man glaubt, dass sie reines und lebendiges Wasser führt.

Liebe Schwestern und Brüder, ich glaube, dass Christus eine vertrauenswürdige Quelle ist, eine Quelle, die unseren spirituellen Durst zu füllen vermag. Ich kann nur nicht dazu sagen: jetzt und sofort, immer und überall. Das wäre ein Heilsversprechen dem ich mißtraue: „Entscheide Dich einmal für Christus und für Deinen Durst ist allezeit gesorgt.“ Christus ist eine vertrauenswürdige Quelle, ganz gewiss — aber die ist nicht verfügbar — die sprudelt wo und wann sie will.

Ich meine, dass es in unserem Alltag immer auch Zeiten gibt und geben wird, in denen wir auf Brunnenwasser angewiesen sind. Und dass unser Bibellesen, unser Beten, spirituelles Suchen zu Zeiten so ist, als wollten wir einen Brunnen graben. Wie Leute, die glauben, dass da unten in der Erde eine Wasserader liegt, und die sich nun daran machen, einen Brunnen zu graben, viele Meter tief.

Auch Brunnenwasser kann frisch, klar und kühl sein — aber was ist das gegen die Ströme lebendigen Wassers, von denen Jesus spricht! So glatt geht das Bild also doch nicht auf? — Wir müssen noch einmal zurückschauen in unseren Predigtabschnitt. Da heißt es zu diesen Strömen lebendigen Wassers: „Damit meinte er aber den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben.“

Dieser Geist ist wie eine Quelle lebendigen Wassers — er weckt neue Kraft und frischen Mut, er hält über Durststrecken hinweg aufrecht und er verwandelt Menschen. Doch nicht wie das Brüderchen im Märchen — nicht so, dass man sich nachher selber nicht mehr kennt, sondern so, dass man zu sich selber findet und zu Gott.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

 

 


Predigtlied EG 140,1–5: “Brunn alles Heils, dich ehren wir”

— Predigt zu Johannes 7,37–39 am Sonntag Exaudi, dem 28. Mai 2017 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Reisepastor der Gemeinde