KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.

Psalm 116,1

Wenn du betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Matthäus 6,6

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Predigt zu Matthäus 21,14–17 am Sonntag Kantate, 
dem 14. Mai 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Matthäus 21,14–17 am Sonntag Kantate, 
dem 14. Mai 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Vor einigen Wochen war Margot Käßmann in unserer Gemeinde zu Gast. Sie besuchte unser Gemeindezentrum in Turku in der Kaskenkatu zum Frühstück. Margot Käßmann kann man mit Fug und Recht als die bekannteste Vertreterin der Evangelischen Kirche in Deutschland bezeichnen. Einige Zeit war sie die Ratsvorsitzende der EKD, sozusagen die erste Repräsentantin der Evangelischen Kirche. In Turku hatten wir die Möglichkeit, zwei Stunden ganz intensiv über vielerlei Fragen des Glaubens mit ihr zu diskutieren. Eine Flut von Fragen und Themen stürzte da auf sie ein. Und zu allem hatte Margot Käßmann Klares zu sagen. Zum Ende des Gespräches kam es zur Frage, wie sich die Kirche in der Zukunft aufstellen muss, um in der gegenwärtigen Zeit das Licht Gottes strahlen zu lassen. Und da sagte Margot Käßmann etwas für mich sehr Eindrückliches: „Ich habe in den letzten Jahren viele Gemeinden gesehen“, erzählte sie „ich habe viele Gemeinden gesehen, die sich auf einen guten Weg gemacht haben. Die alte Wege wieder neu entdeckt haben und die neue Möglichkeiten gefunden haben, Menschen für das Evangelium von Jesus Christus zu begeistern. Und bei fast allen diesen Gemeinden, in denen der Aufbruch gelungen war, stand im Zentrum die Frage: Wie wollen wir Gottesdienst feiern?“ Wie wollen wir Gottesdienst feiern? Diese Frage sollte zentral sein in der Arbeit der Gemeinde. Wie wollen wir Gottesdienst feiern?

Eine Spur zur Beantwortung dieser Frage legt der heutige Predigttext. Er steht beim Evangelisten Matthäus im 21. Kapitel. Ich lese die Verse 14 bis 17.

14 Und es kamen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie.
15 Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich
16 und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): »Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet«?
17 Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt hinaus nach Betanien und blieb dort über Nacht.

Die Szene die hier beschrieben ist, spielt unmittelbar nach der sogenannten Tempelreinigung. Jesus kommt in den Tempel in Jerusalem, sieht lauter Händler dort stehen und ihre Geschäfte machen. Jesus schmeißt die Tische der Händler um, schimpft und tobt und endet schließlich mit dem eindringlichen Satz: „Dieses Haus soll ein Bethaus heißen, ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus.“ Und nun schließt sich unser Predigttext an. Unmittelbar nachdem Jesus die Händler aus dem Tempel vertrieben hat, so beschreibt es der Evangelist, kommen die Blinden und die Lahmen in den Tempel und Jesus heilt sie. Und dann fangen die Kinder an zu jubeln: „Hosianna, gelobt sei Gott.“ König der Kranken und der singenden Kinder. Das geht den Hohepriestern zu weit. So nicht! Nicht mit uns. Das hat es ja noch nie gegeben. Frechheit! Was bildet der sich ein!“ Und Jesus? Er wirft den Klugschwätzern ein Bibelzitat vor die Füße: „Die Unmündigen und Säuglinge werden erkennen, worum es geht!“ Und bevor die Hohepriester antworten können, dreht Jesus sich um und zieht von dannen. Ende der Szene.Ich will die Szene noch einmal durchspielen. Und will mal ernst machen mit dem, was da steht. Ich will uns diese Geschichte vor die Füße werfen. Wie sähe es bei uns heute aus, an diesem Morgen, wenn jetzt die Tür aufginge und die Kranken und Lahmen unserer Tage hier hinein kommen. Nicht um sich in die hinterste Bank zu quetschen und still zuzusehen. Sondern wie wäre es, sie kämen hier nach vorne vor den Altar, sichtbar für alle aus einem einzigen Grund: Weil sie die Hoffnung haben, hier Hilfe zu bekommen. Heilung von ihren Leiden. Wie wäre das? Wie wäre das, wenn dann die Kirche hier voller Kinder wäre, die sich das anschauen und rufen würden: „Klasse! So haben wir uns Gott vorgestellt! Weiter so!“ Und sie fangen an zu singen.

Wie wäre das? Nun, was heute anders wäre, glaube ich, heute würde sich kaum noch jemand darüber aufregen. Ganz im Gegenteil, ich glaube, wir würden staunen und uns freuen und mit einstimmen in das Lob Gottes, wenn unser Gottesdienst so aussehen würden. Wenn er wirklich zu einem Ereignis wird, zu dem die Bettler und die Ausgestoßenen und die Kranken kommen Keiner hätte etwas dagegen, wenn die Kirche voller Kinder wäre, die jubeln und sich an dem freuen, was sie hier erleben. Ich glaube, die strengen Christen, die darauf beharren, dass alles nur still und leise und ernst sein darf, die gibt es nicht mehr in großer Zahl. Das ist heute anders als zur Zeit Jesu. Als noch die strengen Hohepriester das Sagen über den Ablauf des Gottesdienstes hatten.

Ich glaube, heute stehen wir vor einem anderen, vielleicht viel ernsteren Problem: Vor der Frage, was wir eigentlich noch von dem Gottesdienst erwarten. Was erwartest du, wenn du dich am Sonntagmorgen dazu entscheidest, hierher zu kommen in die Kirche? Schöne Lieder, eine stille Zeit der Einkehr, eine gute Predigt hoffentlich auch. Und ich hoffe, deine Erwartungen werden nicht enttäuscht. Aber erwartest Du, dass hier Menschen geheilt werden. Erwartest du vielleicht sogar, dass dein eigenes Leben hier heil wird? Das du hier etwas bekommst, was du zum Überleben brauchst? Segen Gottes, Heil des Lebens. Und erwartest du, dass die Hütte hier voller singender lachender Kinder ist, deren Augen leuchten, weil hier in diesem Raum Gott erscheint? Erwarte ich das eigentlich, wenn ich um halb elf herübergehe? Erwarte ich eigentlich, dass die Hütte hier voll ist mit Armen und Kranken du Kindern bis in die letzte Bank? Warum eigentlich nicht.

Hinter der Frage, wie wir Gottesdienst feiern wollen, versteckt sich eine andere Frage: Was dürfen wir von einem Gottesdienst eigentlich erwarten? Was dürfen wir erwarten, wenn wir uns morgens um halb 11 auf den Weg machen in die Deutsche Kirche? Jesus wirft uns die Antwort vor die Füße. Ganz klar und deutlich und unmissverständlich: Alles. Ihr dürft alles erwarten. Ihr dürft erwarten, dass sich hier eurer Lebe entscheidet. Ihr dürft erwarten, dass eure Kinder hier etwas entdecken, was sie ihr Leben lang stärken und begleiten wird. Ihr dürft erwarten, dass das, was euch im tiefsten drückt und schmerzt und vom Leben abhält, hier gelöst wird. Ihr dürft Wunder erwarten. Ja, nichts geringer als das. Ihr dürft Wunder erwarten. Ihr dürft das alles erwarten. Und unser Job als Pastor und Lektorin und Kantorin und Küster ist es, den Gottesdienst so vorzubereiten und so zu gestalten, dass dem Wunder Gottes nichts im Wege steht.

Der Schlüssel dazu sind die Kinder. Das macht der Text hier deutlich. Wir saßen letzte Woche mit dem Finanzausschuss unserer Gemeinde zu einem unheimlich trockenen Termin zusammen: Die Revisorin war im Haus. Ihr Job war es, unseren Haushaltsabschluss des vergangenen Jahres zu überprüfen und uns klarzumachen, an welchen Stellen wir nachbessern müssen. Einer der Termine, auf die man sich nicht wirklich freut. Und so war es dann auch: trocken und anstrengend. Aber an einer Stelle wurde ich ganz wach. Da fragte unsere Revisorin, ob wir denn in unserer Gemeinde die Bestimmungen zur Lapsivaikutusten arviointi einhalten würden. Die Bestimmungen der Abschätzungen des Kindeswohles. Wir schauten uns nur an, denn davon hatten wir noch nie gehört. Und dann klärte sie uns auf, dass seit kurzem in der gesamten finnischen Kirche eine Bestimmung gilt, dass alles, was in einer Gemeinde entschieden wird, darauf hin befragt werden muss, welche Folgen das auf die Kinder der Gemeinde hat. Als die Revisorin ging, konnten wir nicht andres: wir fassten uns an den Kopf und dachten: Wieder so eine typische Idee der Kirchenleitung. Bürokratischer Unfug. Wie sollen wir denn bitteschön alles, was wir tun, immer an der Frage ausrichten, was das wohl für die Kinder bedeuten würde? Als ich dann nochmal über den heutigen Predigttext schaute dachte ich: Moment, wie wäre das eigentlich, wenn wir damit wirklich einmal ernst machen. Wenn wir auf unseren Gottesdienst schauen, auf unsere Art, wie wir den Sonntag feiern und wir würden uns vor allem die Frage stellen: Wie ist das, was wir hier tun, eigentlich für unsere Kinder? Erleben sie hier Gott. Das mag erst mal eine nebensächliche Frage sein. Aber die Worte aus dem Matthäusevangelium legen den Finger in die Wunde: Feiern wir hier in der Gemeinde so unseren Sonntag, dass die Kinder Gott erleben können. Nicht nur in der Kinderkirche. Sondern sonst auch, jeden Sonntag? Dürfen die Kinder, die um 9 Uhr am Sonntagmorgen mit ihren Eltern beim Frühstück sitzen voller Erwartung ihre Eltern drängen: „Lass uns heute in die Deutsche Kirche fahren, denn dort fühle ich mich glücklich.“

Was hier steht, ist eine Verheißung: Wenn ihr euch auf die Suche macht nach Gott, wenn ihr euch diese Frage stellt: Wie wollen wir eigentlich Gottesdienst feiern? Wenn ihr noch damit rechnet, dass Gott euch am Sonntagfrüh in der Kirche begegnen kann, dann werden euch Wunder begegnen. Hier steht keine Drohung, sondern eine Verheißung: Eure Kinder werden kommen, nicht nur in kleiner Schar zur Kinderkirche, sondern hier, mit euch, unter euch werde sie sitzen und jubeln und singen und erleben, was Gott heißt. Wir dürfen das erwarten, und wir dürfen daran arbeiten. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 


— Predigt zu Matthäus 21,14–17 am Sonntag Kantate, dem 14. Mai 2017 von Pastor 
Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki; Predigtlied ‚Ich singe dir mit Herz und Mund‘ Evangelisches Gesangbuch (EG) Nummer 324, 1-4, 7+8.

 


Hauptpastor der Gemeinde