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Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue.

4. Mose 23,19

Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.

Hebräer 1,3

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Predigt zu Johannes 15,1–8 am Sonntag Jubilate, 
dem 7. Mai 2017 in der Mukkulakirche in Lahti

Predigt zu Johannes 15,1–8 am Sonntag Jubilate, 
dem 7. Mai 2017 in der Mukkulakirche in Lahti

Der wahre Weinstock

Jesus Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger. (Johannes 15,1–8)

Liebe Schwestern und Brüder!

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ So beschreibt Christus das Verhältnis zwischen sich und uns. Eine Pflanze – einen lebendigen Organismus wählt er als Vergleich. Und welch edler Vergleich ist das! Ein Weinstock — keine beliebige Nutzpflanze. Welch eine edle Pflanze ist der Weinstock und welch eine Wertschätzung liegt in dem Satz: „Ihr seid die Reben!“ Denn die Reben sind ja nicht einfach die Anhängsel am Weinstock — eben der Teil, der die Frucht trägt. Die Reben gehören unmittelbar zum Weinstock — der Weinstock lebt in seinen Reben.

Welch ein selten schöner Vergleich für Christus und seine Jünger. Welch ein schöner Vergleich für unsere Beziehung zu Christus und für die Beziehung Christi zu uns. Weinstock und Reben — das gehört unmittelbar zusammen — untrennbar. Ein Weinstock ohne Reben ist eben kein Weinstock mehr. Ein Weinstock ohne Reben ist totes Holz. Und eine Rebe ohne Weinstock ist ebenso dürres Kram, totes, vertrocknetes Laub.

So eng beschreibt Christus seine Beziehung zu uns. Ein Weinstock mit seinen Reben: das ist ein lebendiger Organismus, der nur als Ganzer zur Erfüllung kommt.

Welch eine Würde gibt uns Christus in diesem Vergleich. Und welche Sehnsucht in uns spricht er damit an. Du bist eine Rebe in diesem Weinstock — nicht „am“ Weinstock, so als ein entbehrliches Anhängsel, sondern eine Rebe „im“ Weinstock. Du bist wichtig, unaustauschbar, von Gott gemeint und gewollt.

Christus sagt nicht: Ich bin das Meer, ihr seid die Tropfen. Ein Tropfen verliert sich im Meer, auf einen Tropfen mehr oder weniger kommt es nicht an.

Die einzelne Rebe aber — und zwar jede einzelne Rebe — ist für den Weinstock unentbehrlich: Der Weinstock wird verletzt, wenn Reben von ihm abgetrennt werden. Ein lebendiger Saft- und Lebensstrom verbindet Weinstock und Reben zu einer tiefen Einheit — zu einem lebendigen Organismus.

Welch ein Schaden ist es für den Weinstock, wenn neben den frischen, saftigen Rebzweien auch verdorrte Reben und tauber Wildwuchs in ihm sind. „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner“, der das Winzermesser nimmt und die trockenen und tauben Reben aus dem Weinstock herausschneidet. Sicher eine notwendige Arbeit für den Weingärtner, aber keine schöne Arbeit. Denn mit jedem Schnitt wird der Weinstock verletzt. Welche Freude hat der Weingärtner andererseits an den frischen und kraftvollen Reben!

Versuch, Dir beides nebeneinander vorzustellen: diesen trockenen, vertrockneten Rebzweig und daneben die saftvolle Rebe, die ihre satten, grünen Blätter der Sonne entgegenstreckt. Diese Bilder sprechen in unsere menschliche Sehnsucht hinein. Diese Bilder sprechen in unsere tiefe Sehnsucht nach erfülltem Leben hinein.

Was in Dir gleicht dieser vertrockneten Rebe? Was ist in Dir abgestorben, verdorrt? Welche Ziele hast Du resigniert aufgeben? Welche Träume hast Du Dir als Illusionen abgeschminkt? Was steht diesem Leben in seiner ganzen Fülle entgegen, zu dem uns das Johannesevangelium ruft? Was behindert diesen lebendigen Fluss und kräftigen Strom des Lebens. Wo bleiben von der tiefen von der tiefen, menschlichen Lebenssehnsucht nur noch die letzten fünf Buchstaben übrig: „Sucht“ — Im Bild gesprochen: die tauben Schösslinge, der fruchtlose Wildwuchs?

Andererseits die saftvolle Rebe: Aus welcher Tiefe bezieht sie ihre Kraft. Selbst aus einem kargen Boden zieht der Weinstock noch genügend Feuchtigkeit und Nahrung — ein gut eingewurzelter Weinstock übersteht manche Dürrezeit. Seine Reben sind auch dann noch frisch und grün, wenn Blumen in der sengenden Sonne die Köpfe hängen lassen und Bäume vorzeitig ihr Laub abwerfen.

Und die lebensvolle Rebe nimmt auch dann noch Licht und Nahrung auf, wenn sich ringsum Herbststimmung ausbreitet und gerade dann, wenn alle anderen Pflanzen schon von Welken und Vergehen gezeichnet sind, gewinnen die Trauben des Weinstocks ihre letzte Süße. Was für ein Bild ist das für unser Leben, für ein gelingendes Leben auch dann, wenn wir den Zenit unserer Lebenszeit überschritten haben!

Mit diesem Bild lässt Christus eine Sehnsucht in uns wieder aufleben: Sehnsucht nach der tiefen Verbundenheit mit Christus — Sehnsucht nach einem Leben, das in der Wirklichkeit Gottes tiefe Wurzeln schlägt und von Gott gereinigt und veredelt wird. Darin liegt Leben — Leben in seiner ganzen Fülle.

„Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.“ Wie ein Winzermesser den Weinstock von totem Gezweig und tauben Wildwuchs reinigt, so werden wir gereinigt durch das Wort, das Christus zu uns spricht. Und auch darin klingt für uns etwas Sehnsuchtsvolles an: Die Sehnsucht danach, „Rein zu sein.“ Und dabei meint „rein“ nicht so sehr das Gegenteil von „schmutzig“ oder „unsauber“. Der Sehnsucht danach, „rein zu sein“, geht es vielmehr darum, „stimmig“ zu sein: So, wie es in der Malerei „reine Farben“ und in der Musik „reine Töne“ gibt.
„Reine Töne“ stimmen zusammen und ergeben eine Harmonie — jenseits aller um Aufmerksamkeit bettelnder Dissonanzen.

„Reine Farben“ schaffen Klarheit und Tiefe — jenseits aller schreienden und schrillen Kontraste. „Rein sein“ — das ist die Sehnsucht danach, im Einklang mit sich zu sein — im Einklang mit seinem ganz konkreten Lebensschicksal zu leben und „Rein sein“ ist die Voraussetzung für ein Zusammenleben, das von Klarheit und einem tiefen Einvernehmen geprägt ist.

An welche Sehnsucht rühren schließlich diese Worte: „Wie die Rebe aus sich selbst keine Frucht tragen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, Ihr seid die Reben. Wer in mit bleibt und ich in ihm, der wird viel Frucht tragen.“

Die Sehnsucht danach, fruchtbar zu sein — vielleicht ist das die Ursehnsucht überhaupt in uns. Und vielleicht ist es unser tiefstes Leiden, Frucht nicht selber hervorbringen zu können, Frucht eben nicht „machen“ zu können, wo doch sonst alles für uns „machbar erscheint. Echte Frucht will wachsen. Echte Frucht braucht Zeit zum Reifen.

Wo Menschen auf die schnellen Ergebnisse orientiert sind geht diese Dimension des Lebens verloren: Echte Frucht muss reifen, denn nur was reif ist, ist genießbar. Mit unserer Machermentalität können wir Reifungsprozesse nie voranbringen — nur stören. Die reife Frucht ist nicht machbar — sie ist ein Geschenk. Und was für ein Geschenk ist schließlich eine reife Frucht!

Welch ein Geschenk schließlich auch für den Weingärtner. Denn Christus spricht: „Das ist es, was meinen Vater verherrlicht: Wenn ihr viel Frucht tragt und werdet meine Jünger.“

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche uns, dass diese Sehnsucht nach erfülltem Leben in uns wach bleibt,
dass wir uns nicht zufrieden geben mit vertrocknetem Gezweig und taubem Wildwuchs. Ich wünsche uns immer wieder das Erlebnis: durchpulst zu sein von diesem Lebensstrom
— dass uns ein Wort der heiligen Schrift unter die Haut geht und uns ausfüllt mit Glück,
— dass uns im Reden mit Gott eine Frage erreicht oder eine Antwort in uns aufleuchtet,
— dass wir in unserem Zusammenleben als Gemeinde die Klarheit und Harmonie reiner Farben und Töne erfahren
— und dass wir ab uns zu einen Blick auf die Früchte werfen können und staunend sagen können: „Danke Gott für das, was Du hast wachsen und reifen lassen!“

Amen.

 


— Predigt zu Johannes 15,1–8 am Sonntag Jubilate, dem 7. Mai 2017 von Pastor 
Hans–Christian Beutel in der Mukkulakirche in Lahti.

 


Reisepastor der Gemeinde