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Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu Johannes 19,16–30 am Karfreitag, dem 14. April 2017 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Johannes 19,16–30 am Karfreitag, dem 14. April 2017 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

[ Johannes 19,16–30 ]

Da überantwortete der Hohepriester Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): “Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.” Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

[ Meditation zu Johannes 19,16–30 ]

„Es ist vollbracht!“

Letzte Worte eines Sterbenden. Ein Leben vollendet sich in großer Würde.

Unter dem Kreuz spielt sich der würdelose Schacher um die Kleider des Sterbenden ab — „Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und über mein Gewand haben sie das Los geworfen“ — so steht es in den Psalmen und nun ist es vollbracht.Eine Mutter hinterlässt der Sterbende und sein bester Freund steht neben ihr: „Mutter — das ist jetzt dein Sohn“ — „Freund — nimm sie zu dir als deine Mutter.“ — „Es ist vollbracht!“ — in großer Würde.

Ein kleinlicher Streit um Worte wird ausgetragen: „Du sollst nicht schreiben: Er ist der König der Juden, sondern das er gesagt hat, er wäre der König der Juden.“ — „Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben!“ entgegnet Pilatus gereizt. Er merkt nicht, dass er in der Vollmacht seiner Beschränktheit eine große Wahrheit geschrieben hat: „Dieser ist der König der Juden.“ — Nun ist es vollbracht.

Jesu Leben steht vor seinem Abschluss. Es bleibt nichts mehr zu sagen als diese letzten Worte: „Es ist vollbracht!“Er sagt nicht: „Das ist das Ende!“ Und er sagt nicht: „Damit ist alles aus und vorbei!“ Sondern: „Das ist die Vollendung.“ Und: „Nun ist alles erfüllt.“

In der Gewissheit, dass von ihm her nichts mehr zu tun und zu sagen ist, gibt Jesus seinen Geist auf; nimmt er seinen Tod an als den Abschluss seinen Lebens. Dieser gewaltsame Tod ist der Abschluss seines gewaltfreien Lebens: An ihm wird die demütigendste Art der Hinrichtung vollzogen — und doch behält Jesus seine Würde, unangreifbar. Er wird erniedrigt zum schimpflichsten Sterben — und sein Biograph Johannes kann nicht anders, als von seiner Erhöhung am Kreuz zu sprechen. Ihm wird Gewalt angetan — und doch erleidet er nicht den Tod, er selbst stellt sich dem Tod. Kann man vom Sterben eines Menschen aktiver sprechen als mit den Worten: „Er neigte sein Haupt und verschied.“?

„Es ist vollbracht!“

Johannes, wie kannst Du so vom Sterben Jesu sprechen? Du erzählst die traurigste Geschichte der Welt; aber Deine Worte geben der Trauer keinen Raum. Deine Worte sind so spröde, dass wir nicht mitfühlen können mit dem Sohn Gottes, der da für uns stirbt. Deine Worte gleiten an uns vorüber und wir können sie nicht fassen.

  • Meinst du, du könntest das fassen, was hier geschieht?
  • Meinst du, du könntest mitfühlen mit dem Sohn Gottes, der für dich stirbt?
  • Meinst du wirklich, Trauer wäre da angemessen, wo Gott selbst stirbt, damit du leben kannst?

Es ist war: mein Evangelium erzählt die traurigste Geschichte der Welt. Gott selbst kommt in sein Eigentum und die Seinen nehmen ihn nicht auf. Das ist die traurigste und überhaupt die tragischste Geschichte der Welt!

Gott geht auf die gottlose Welt ein.

Gott setzt sich der gottlosen Welt aus.

Gott bringt sich in die gottlose Welt ein.

Gott erträgt nicht mehr das Leiden der Menschen an ihrer Gottesferne und geht hinein in diese Welt — seine Welt, die sich so unendlich von Gott entfernt hat.

Gott erträgt das Leiden der Menschen an ihrer Gottesferne nicht mehr und so nimmt er auf sich, was sie ihm an Leiden zufügen.

Wie anders wäre der Kreislauf zu unterbrechen, in dem diese Welt immer neues Leid hervorbringt, als sich eben diesem Leiden zu stellen?! Wie anders wäre die Kluft zu überbrücken, die zwischen den Menschen und Gott aufgebrochen ist, als dass Gott selbst den Brückenschlag vollzieht? Gott wagt den Brückenschlag und wird Mensch.

Gott wird Mensch und kommt in die Welt — in sein Eigentum.

Gott kommt in sein Eigentum und die Menschen nehmen ihn nicht an.

Die Menschen nehmen Gott nicht an und Gott liefert sich ihnen aus.

Gott liefert sich den Menschen aus und nimmt das Leiden der gottlosen Welt auf sich.

Aber er erliegt diesem Leiden nicht. Mitten in dem tiefsten Leiden wird Gottes Hoheit sichtbar. Der Tod, den Menschen Gott zufügen, bringt Gott nicht an das Ende seiner Möglichkeiten. Am Kreuz wird deutlich, dass Gottes Möglichkeiten nicht an der gottlosen Welt verloren sind.

Es ist schon wahr, was Johannes am Beginn seines großen Evangeliums schreibt: „Gott war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ — Die tragischste Geschichte der Welt. Johannes aber schreibt weiter: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben…“

Das nimm in dein Leben hinein: Am Kreuz wird offenbar, dass unsere Welt — so fern sie auch von Gott sein mag — nicht gottlos ist. Gott schafft den Brückenschlag zwischen sich und der Welt. Gott unterbricht die Kreisläufe, in denen Menschen einander Leid zufügen, indem er sich dem Leiden stellt.

Das ist vollbracht.

Amen.

 


— Predigt zu Johannes 19,16–30 am Karfreitag, dem 14. April 2017 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Reisepastor der Gemeinde