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Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu Markus 14,3–9 am Sonntag Palmarum, dem 9. April 2017 in der Domkrypta in Tampere

Predigt zu Markus 14,3–9 am Sonntag Palmarum, dem 9. April 2017 in der Domkrypta in Tampere

Die Salbung in Betanien

Als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und zu Tisch saß, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Liebe Schwestern und Brüder,

in Bethanien lebt Simon. „Simon der Aussätzige“ — so wird er im Dorf gerufen. Nicht bösartig oder gehässig — es ist ein Spitzname, der diesen Simon unterscheidet von all den anderen Simons im Dorf und der Umgebung; ein Spitzname, der ihm länger anhaftet als ihm die Krankheit angehaftet hat.

Zum Glück! Simon ist gesund geworden. Wenige hatten solchs Glück wie Simon und der Spitzname erinnert ihn auch an die wiedergeschenkte Gesundheit — dankbare Erinnerung. Es ist ihm noch nicht wieder selbstverständlich geworden, dass er hier im Dorf leben und sein eigenes Haus wieder bewohnen dar — Gäste darin bewirten kann:

Jesus ist mit einen Freunden von Jerusalem herübergekommen. Simon ist froh, ihn bei sich zu haben, denn das Pflaster ist heiß geworden in Jerusalem. Da gibt  es einige, die Jesus den Tod wünschen und lieber jetzt als später ihre Söldner ausschicken würden um diesen aufrührerischen Reden ein Ende zu setzen. Aber noch ist Jerusalem voller Festpilger. Noch ist das Risiko zu groß, einen Aufstand auszulösen.

Simon denkt an den Empfang, den man Jesus in Jerusalem bereitet hatte: Begeistert waren die Leute: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“ — Da war es zum Greifen nahe gewesen: das Reich der Gerechtigkeit, auf das sie alle warteten. Begeistert hatten die Leute Jesus in die Stadt begleitet — ja geradezu hineingeführt. Ob seit den Tagen des alten Königs David wohl ein König mit solcher Begeisterung nach Jerusalem hineingeführt worden war? Doch Simon hatte auch das gesehen, wofür die meisten in diesem Moment keine Augen hatten: Simon hatte sie gesehen, im Schatten und im Hintergrund hatten sie gestanden, die Wachen des Hohen Rates und die Söldner des römischen Stadthalters. Und ihre Blicke verhießen nichts Gutes. Am ehesten noch Verachtung für diesen Armeleutemessias auf seinem Esel — wenn’s denn überhaupt sein Esel war. Doch, Verachtung lag in den Blicken: Mit dem werden wir wohl auch noch fertig! Aber in diesen Blicken lag noch etwas anderes: hinter dieser Verachtung blitzte Haß auf — Haß auf einen, der die mühsam aufrecht erhaltene Ordnung gefährdet; Haß auf einen, wegen dem man plötzlich wieder wachsam sein musste; Haß auf einen, von dem eine schwer einzuschätzende Umsturzgefahr ausging.

„Simon! Was ist los mit Dir? Du bist so in Dich gekehrt!“

„Ach, nichts…“ Simon scheucht die Gedanken weg und sieht zu Jesus hinüber — der reicht ihm aufmunternd eine Stück Brot herüber. In diesem Moment öffnet sich die Tür. Eine Frau tritt ein. Suchend blickt sie durch den Raum. Als sie Jesus entdeckt, ist sie mit ein paar Schritten bei ihm. Eine kleine Kristallkaraffe hält sie in der Hand. Sie bricht den Hals der Karaffe ab und lässt den gesamten Inhalt über Jesu Haar laufen. Der Duft kostbaren Nardenöls füllt den Raum. Ein unbeschreiblicher Duft! Keiner hier hat jemals soetwas gerochen. So, genau so muss es geduftet haben, als Samuel den jungen David zum König salbte. Das konnte man sich nun vorstellen — diesen kostbaren Duft, mit nichts zu beschreiben; diesen Duft, der genau wie damals im Elternhaus Davids aus einem Bauernhaus die Halle eines Königspalastes machte!

„Das hat doch ein Vermögen gekostet!“ — Ärgerliche Stimmen holen Simon zurück in die Wirklichkeit. „Die ganze Flasche! Die muss doch spinnen!“ — „Sowas verschwenden sie am Hof des Herodes während das Volk hungert!“ — „Dreihundert Denare hätte man da sicher für gekriegt — weißt du, wie viele Familien Du damit satt gekriegt hättest!“ — „Das ist ja mehr, als wenn Du einen ganze Saison gut verdient hättest!“

Die Frau steht noch immer da, die zerbrochene Karaffe in der Hand. Verstört sieht sie die aufgebrachten Männer an. Hilflos lässt sie die Hand sinken. Simon würde sich gerne hinter sie stellen — doch er bleibt sitzen. Da hört er Jesus sagen:

„Warum macht ihr der Frau das Herz schwer? Was sie getan hat, ist schön. Arme wird es zu jeder Zeit geben und ihr könnt — wenn ihr wollt — ihnen helfen. Mich aber habt ihr nur noch ganz kurze Zeit bei euch. Diese Frau hat mich im voraus gesalbt für mein Begräbnis. Ich meine das wirklich so, wie ich es sagte: „Wo und wann immer in aller Welt das Evangelium gepredigt wird, da wird man auch das sagen, was sie jetzt getan hat — zu ihrem Gedächtnis.“

Simon wird lange brauchen, bis er diese Worte verstehen wird. Diese Frau bleibt ihm im Gedächtnis und er wird sich immer wieder an diesen Moment erinnern: Er hätte sich hinter die Frau stellen mögen, aber dass das viele Geld doch den Armen viel mehr genützt hätte, das war zu einleuchtend, dieser Vorwurf schien zu berechtigt. Später wird er in Gedanken immer wieder durchspielen, welche Reaktion er von Jesus erwartet hätte: Vielleicht, dass Jesus sagte: „Lass das! Was soll diese Verschwendung? Geh hin und verkaufe das Salböl für die 300 Denare die es wert ist. Das gib den Armen und dann komm und folge mir nach. Was du einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan hast, das hast du mir getan. Denn ich bin nicht gekommen, um mich wie ein Herrscher salben zu lassen, sondern um zu dienen und mein Leben für Viele dahinzugeben.“ Vielleicht hätten dann seine Jünger eingewandt: „Warum ist er so hart gegen die Frau die ihn liebt und ihn ehren woll?“ Und er hätte entgegenet: „Wißt ihr nicht, was das heißt: Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“

So etwa hätte das Gespräch verlaufen können, denkt Simon sich. Das hätte zu Jesus gepasst. Das hätte zu dem Bild gepasst, das Simon von Jesus hatte und das passt in das Bild, das die Kirche über zwei Jahrtausdende hin überliefern wird. So ist uns Jesus vertraut. Aber Jesus hat damals anders geantwortet: „Was macht ihr der Frau das Herz schwer? Was sie getan hat, ist schön. Arme wird es zu jeder Zeit geben und ihr könnt — wenn ihr denn wollt — ihnen helfen. Mich aber habt ihr nur noch ganz kurze Zeit bei euch. Diese Frau hat mich im voraus gesalbt für mein Begräbnis und ich meine das wirklich so, wie ich es sage: Wo und wann immer in aller Welt das Evangelium gepredigt wird, da wird man auch das sagen, was sie jetzt getan hat — zu ihrem Gedächtnis.“

Simon wird lange brauchen, bis er diese Worte verstehen wird und in den zwei Jahrtausenden, in denen das Evangelium gepredigt worden ist, hat es wenige gegeben, die diese Worte verstanden haben. Dichter haben sie verstanden und Mystiker:

„Die rechte Weise Gott zu lieben ist: Ohne alles Maß ihn leben.“ — so wird es ein Mystiker des Mittelalters sagen. Liebe ist verschwenderisch. Liebe gibt ohne Berechnung. Liebe steht nicht im Dienst der Zwecke und Liebe braucht keine Begründung. Liebe kommt ohne ein „Warum“ aus und das macht sie schön.

Liebe kommt ohne ein „Warum“ aus. Ohne die Frage, ob es sinnvoll sei, jemanden mit derartig teurem Öl zu salben — oder ob es nicht sinnvoller sei, das Geld für wohltätige Zwecke zu verwenden. Und alle Überlegungen, warum diese Frau Jesus wohl salben wollte…

  • Hat sie seinen nahen Tod tatsächlich geahnt?
  • Wollte sie ihn als Messias erheben, als „Gesalbten“?

Alle diese Überlegungen unterstellen ihrem Handeln einen Zweck, eine Absicht. Lasst es uns als ein Handeln der Liebe nehmen — ein Handeln ohne ein „Warum“ und „Wozu“. In unserer zweckorientierten Welt ist es nicht leicht, sich von allem „Warum“ frei zu machen. Wir sind es gewohnt, Aufwand und Erfolgsaussicht gegeneinander abzuwägen, Wahrscheinlichkeit und Nutzen zu kalkulieren; zu fagen, wie es wirken und sich auswirken wird; was es kostet und was es bringt; ob es „Sinn macht“ oder Chancen hat. Und mit diesen Fragen machen wir unser Leben trivial.

In uns aber ist die Sehnsucht, ohne „Warum“ zu leben — glücklich und selbstvergessen wie ein Kind das tanzt weil es tanzt. Wie arm ist dagegen ein Kind, das zu Tanzstunden geht um irgendwann an Tanzmeisterschaften teilnehmen zu können!

In uns ist die Sehnsucht, aus der Lieber heraus zu leben. Aus der Liebe die keine Begründungen mehr braucht, sich ohne Maß an Gott verschenkt und sich von Gott alles schenken lässt.

Amen.

 


— Predigt zu Markus 14,3–9 am Sonntag Palmarum, dem 9. April 2017 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Domkrypta in Tampere.

 


Reisepastor der Gemeinde