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Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu Philipper–Brief 2,1–11 am Sonntag Palmarum, dem 9. April 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Philipper–Brief 2,1–11 am Sonntag Palmarum, dem 9. April 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Liebe Schwestern und Brüder,

ein Brief liegt im Briefkasten. Auf dem Umschlag liest Du Deinen Namen. Die Handschrift kommt Dir ganz vertraut entgegen. Um sicher zu gehen drehst Du den Briefumschlag um und schaust auf den Absender — richtig: der Brief kommt von einem guten Freund.

Du verdankst diesen Briefen so manchen guten Gedanken und manchen einfühlsamen Ratschlag; und bist auch dieses Mal gespannt darauf, den Brief zu öffnen — freust Dich darauf, den Brief zu lesen. Ich möchte Euch einladen, das jetzt zu tun — in den Gesangbüchern habt ihr vielleicht schon den Briefumschlag entdeckt, in ihm steckt der Predigtabschnitt für diesen Sonntag:

Liebe Gemeindeglieder, ich danke Gott so oft ich an Euch denke — und ich denke oft an Euch! Ich danke Gott für die Gemeinschaft bei Euch, und ich bin sicher, dass es bei Euch noch so ist, wie ich es damals bei Euch erlebt habe: dass Ihr untereinander Rat und Zuspruch sucht in Christus; dass Ihr einander liebevoll Trost und Ermutigung zusprecht; dass Euch die Gemeinschaft abzuspüren ist, die der Heilige Geist schafft; dass Euch eine herzliche und mitfühlende Liebe verbindet.

Daran freue ich mich — und wenn Ihr meine Freude vollkommen machen wollt, dann will ich Euch um folgendes bitten: Bleibt untereinander eines Sinnes, bleibt in gleicher Liebe miteinander verbunden und haltet zusammen, damit kein Parteigeist und keine Eitelkeit und kein Ehrgeiz Eure Gemeinschaft zerstört. Behaltet vielmehr diesen guten Geist gegenseitiger Achtung bei, indem Ihr einander beisteht und Euch umeinander sorgt.

Seid untereinander so gesinnt, wie es Eurer Gemeinschaft mit Jesus Christus entspricht:

Er, der aus Gott her kam, hielt sein Vorrecht nicht fest, Gott gleich zu sein.

Er legte es ab und entäußerte sich, nahm an das Schicksal eines Knechtes und wurde ein Mensch unter Menschen. Das Lebensgeschick des Menschen ertrug er in aller Konsequenz — gehorsam bis in den Tod, ja sogar in den Tod am Kreuz. Darum wendete Gott sein Geschick, gab ihm den Namen, der Leben verheißt und gesetzt ist über Menschen und Mächte.

Wo sein Name genannt wird, da werden Ehrfurcht erweisen alle im Himmel, auf Erden und unter der Erde und jeder Mund wird bekennen: „Jesus Christus ist Herr!“ und damit den Vater, Gott, rühmen und preisen.

[ Philipperbrief 1,3-6a.2,1-11 ]

Gott segne uns durch sein Wort.

Liebe Gemeindeglieder, ein Brief voller Wertschätzung — wie gut tut das! Ein Brief, der anspricht, was die Gemeinde in Philippi ausmacht — würdigend und bestärkend. Was würde Paulus an die Deutsche Gemeinde in Finnland schreiben?

Vielleicht würde er die freundliche Offenheit ansprechen, die denjenigen empfängt, der zum ersten Mal hier zum Gottesdienst kommt. Vielleicht würde er an das diakonische Engagement anknüpfen, an die Beteiligung dieser Gemeinde an der Aktion ‘Gemeinsame Verantwortung’, an Veranstaltungen wie das Gemeindemittagessen zu Gunsten dieser Aktion heute. Vielleicht käme das Seniorenwohnheim in den Blick mit seiner gerade 90jährigen Geschichte — das Engagement der Gemeinde damals um Flüchtlingen aus Sankt Petersburg eine menschenwürdige Unterbringung zu gewährleisten — eine bleibene Verpflichtung bis heute. Oder es würden die Gemeindegruppen im Land angesprochen: dass es keine Frage ist, ob da 15, 10 oder nur 5 Menschen zusammenkommen — wenn diese Menschen Gottesdienst feiern wollen, dann ist das nie eine Frage der Reisekosten, dass sie Gottesdienst feiern können. Oder die vielen Menschen, die sich in den verschiedenen Verantwortungsbereichen der Gemeinde engagieren und dabei viel Elan und Phantasie einbringen, um ein lebendiges Gemeindeleben zu gestalten — das ist bei der Gremientagung am vergangenen Wochenende gerade wieder ganz eindrucksvoll erlebbar gewesen.

Liebe Schwestern und Brüder, ihr werdet diese Aufzählung noch weiterführen können — es gibt sicher noch mehr, was ihr als prägend für eure Gemeinde empfindet.
Und es gibt sicher noch manches, was Paulus positiv ansprechen würde und wovon ihr überrascht wären — einfach weil ihr das für selbstverständlich genommen habt, so dass es euch gar nicht mehr eingefallen wäre — euch nicht mehr aufgefallen ist.

Und vielleicht würdet ihr bei so viel Wertschätzung dann ein wenig verlegen zurückfragen: „Ja, Paulus, es ist schon so: unsere Gemeinde tut sehr viel und engagiert sich in verschiedenen Bereichen. Aber fehlt da nicht noch etwas? Ist damit denn schon alles getan? Irgendwo muss sich dieses vielfältige Engagement doch bündeln! Irgendwo muss es doch eine gemeinsame Richtung finden — muss doch erkennbar werden, dass wir das alles als Christen tun, uns darin als christliche Gemeinde engagieren. Irgendwo muss doch unsere Identität als Gemeinde erkennbar werden.“

Paulus erinnert uns an ein altes Lied. Ihr könnt das in den Briefen mitlesen — und vielleicht wird euch dieses Lied der allerersten Christen ja so wichtig, dass ihr den Brief mit nach Hause nehmt und euch von diesen Zeilen durch die Karwoche begleiten lasst… seid untereinander so gesinnt, wie es Eurer Gemeinschaft mit Jesus Christus entspricht:

Er, der aus Gott her kam, hielt sein Vorrecht nicht fest, Gott gleich zu sein.

Das heißt: Seid so untereinander gesinnt, wie ihr es am Lebensgeschick Jesu vor Augen habt: Für ihn ist nicht entscheidend gewesen, seine Identität zu wahren. Seine Identität lag in Gott — und er hat das nicht als sein Privileg in Anspruch genommen, Gott gleich zu sein. Jesus Christus verzichtet darauf, seine göttliche Identität zu wahren — so erzählt es die zweite Strophe.

Er legte sie ab und entäußerte sich, nahm an das Schicksal eines Knechtes und wurde ein Mensch unter Menschen.

Er teilte das Los der Menschen, die so fern von Gott leben — so fremd von Gott. Jesus teilt das Los der Menschen — ohne sich Hintertüren offen zu lassen. Nicht wie der König im Märchen, der sich Knechtskleider anzieht und über den Markt geht um zu hören, was seine Untertanen so reden. Dieser König kehrt danach zurück in sein Schloss, zieht die königlichen Kleider wieder an und speist zufrieden an der königlichen Tafel. Dieser König gibt seine Identität ja nicht auf — er versteckt sie nur unter der Maske des Knechtes. Jesus Christus aber teilt das Los der Menschen ganz und gar und ohne jeden Vorbehalt. So sagt es die dritte Strophe:

Das Lebensgeschick des Menschen ertrug er in aller Konsequenz — gehorsam bis in den Tod, ja sogar in den Tod am Kreuz.

Jesus Christus nimmt all das auf sich, was Menschenschicksal schwer und hart macht — die ganze Entfremdung des Menschen von Gott nimmt Jesus auf sich. Weil das die einzige Möglichkeit ist, diese Entfremdung zu überwinden. Aus freien Stücken wählt Jesus dieses Schicksal. Bewusst und absichtsvoll setzt er sich den Zwängen aus, denen unser Menschsein unterliegt. Bewusst und absichtvoll setzt sich Jesus Christus den Bedingungen aus, an denen unser Menschsein krankt.

Und er geht diesen Weg in Treue — bis in die letzte Konsequenz hinein: dem Leid an der qualvollsten Todesstrafe seiner Zeit. Jesus geht diesen Weg bis zur völligen Preisgabe seiner Identität. Und darum — so fährt die vierte Strophe fort:

Darum wendete Gott sein Geschick, gab ihm den Namen, der Leben verheißt und gesetzt ist über Menschen und Mächte.

Den Tiefpunkt seines Schicksals macht Gott zum Wendepunkt. Den Tod am Kreuz wandelt Gott zu einem Durchgang ins Leben. Den völligen Verlust von Identität kehrt Gott um in eine völlig neue Identität und gibt ihm den Namen, der Leben bedeutet — Leben, das nicht mehr entfremdet ist von Gott. Wo sein Name genannt wird, da werden Ehrfurcht erweisen alle im Himmel, auf Erden und unter der Erde.

Diesen Namen auszusprechen tut gut — weil dieser Name Hoffnung vergegenwärtigt. Weil dieser Name uns die Hoffnung verbürgt, dass in seinem Durchgang zum Leben auch unser Tod mitgestorben und in ein neues Leben gewandelt ist. Und jeder Mund wird bekennen: „Jesus Christus ist Herr!“ und damit den Vater, Gott, rühmen und preisen. Es tut uns gut, diesen Namen zu loben, ihn heilig zu halten und ihn aus tiefstem Herzensgrund auszusprechen als den guten Namen dessen, der uns Gott als unseren Vater nahegebracht hat.

Liebe Schwestern und Brüder, wie dieser Brief in unserer Gemeindesituation konkret wird, das ist immer wieder überraschend und unvermutet. Drei Dinge sind mir für unsere Gemeinde aufgefallen: Zunächst. Dieses schöne, alte Christuslied spricht von der Hingabe Jesu — von der Preisgabe seiner Identität. Wenn Paulus einer Gemeinde das als Orientierung schreibt, dann sagt er damit: Eure Identität als Gemeinde hängt nicht so sehr davon ab, was ihr unternehmt um euch ein bestimmtes Gemeindeprofil zu geben. Eure Identität als Gemeinde hängt vielmehr daran, dass ihr aufmerksam die Aufgaben wahrnehmt, die Gott euch anvertraut.

Das zweite, was mir aufgefallen ist: Paulus schreibt mit ausgesprochener Wertschätzung an die Gemeinde in Philippi — er bestärkt sie in ihren vielfältigem Engagement. Und sagt dann: achtet darauf, dass die vielfältigen Aktivitäten in eurer Gemeinde aufeinander bezogen bleiben: Behaltet diesen guten Geist gegenseitiger Achtung bei, indem Ihr einander beisteht und Euch umeinander sorgt. Ich denke, wichtiger als die Vielzahl von Gruppen, Gremien und Kreisen in einer Gemeinde ist es, dass diese vielfältigen Aktivitäten aufeinander bezogen bleiben — dass es dieser Gemeinde gelingt, eine Kultur gegenseitiger Achtung zu pflegen, ein fürsorgliches Miteinander der Gruppen, Einrichtungen und Kreise. Diese Kultur des achtsamen Miteinanders ist es, was die Ausstrahlung einer Gemeinde am stärksten prägt.

Und schließlich das dritte: Dieses schöne, alte Christuslied spricht von der Hingabe Jesu — und setzt dieses Wort ‘Hingabe’ genau an die Stelle, an der andere Passionstexte vom Opfer Jesu sprechen. Und anders als das Wort ‘Opfer’ ist ‘Hingabe’ ein Wort, dem man nachleben kann —hingebungsvoll leben und das tun, was Gott uns zu tun anvertraut: Das ist ein Ziel!

Was ‘Hingabe’ bedeutet, dafür haben wir Bilder:

  • die liebevollen Eltern, voller Hingabe an das Wohl ihrer Kinder;
  • der begnadete Künstler, der sich voller Hingabe seiner Kunst widmet;
  • die leidenschaftliche Pädagogin, die hingebungsvoll Anteil nimmt an der Entwicklung der ihr anvertrauten Kinder.

Das sind gute Bilder dafür, was ‘Hingabe’ bedeuten kann. Gute Bilder dafür, was es heißen kann, sich hingebungsvoll einzubringen in das Leben der Deutschen Gemeinde in Finnland.

Seid untereinander so gesinnt, wie es Eurer Gemeinschaft mit Jesus Christus entspricht!

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsren Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe.

Amen.

 


— Predigt zu Philipper–Brief 2,1–11 am Sonntag Palmarum, dem 9. April 2017 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Reisepastor der Gemeinde