KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
Telefon +358 9 6869 8513‬
E–Mail kbv@deutschegemeinde.fi

Mitglieder der Gremien und KBV

Gremien

Kirchenbevollmächtigtenversammlung (KBV)
Kirchenrat (KR)
Finanzausschuss (FA)
Wahlausschuss
Kindergartendirektion
Kirchenmusikalischer Ausschuss
Bauausschuss
Diakonievorstand
DSWH–Geschäftsleitung
DSWH–Fondsvorstand
Kapellenrat Turku (Åbo)

Dokumente

< aktuelle Links, Dokumente, Tagesordnungen, Sitzungsprotokolle, Terminübersicht, PDFs und ähnliches… >

Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
Weitere Informationen finden Sie hier


Predigt zu Hebräerbrief 11,1.8–10 am Sonntag, dem 13. März 2017 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Hebräerbrief 11,1.8–10 am Sonntag, dem 13. März 2017 
in der Deutschen Kirche in Helsinki

Liebe Schwestern und Brüder,

unser Predigtabschnitt an diesem Sonntag steht im Hebräerbrief:

  • der Hebräerbrief wendet sich an eine müde gewordene Gemeinde
  • er ist eine Lesepredigt
  • ihr Inhalt ist Ermutigung zum Glauben
  • das wird am Beispiel Abrahams deutlich:

„Glaube besteht darin, dass das gegenwärtige Leben durch die Hoffnung auf Künftiges bestimmt ist, dass es sich dem unsichtbaren Wirken Gottes aussetzt und sich von ihm prägen lässt. 

In diesem Glauben empfing Abraham den Ruf Gottes, er solle in ein Land auswandern, das sein eigen würde, und er gehorchte ihm. Er zog aus und wusste nicht, wohin er kommen werde. Weil ihm der Glaube genug war, siedelte er sich in dem versprochenen Land an, als ob er ein durchreisender Fremdling wäre. In Zelten wohnte er mit Isaak und Jakob, denen gleich ihm das Versprechen Gottes galt. Er wartete auf die feste, gegründete Stadt, deren Bild und Bau Gott selbst entworfen hatte.“

Ich stelle mir die ersten Hörer dieser Lesepredigt vor: Sie sind zum Gottesdienst gekommen, weil sie so eine vage Sehnsucht spüren — den Wunsch, an diesem Morgen etwas wirklich aufbauendes zu hören. So richtig in Worte fassen können sie das nicht, was sie vom Gottesdienst erwarten und wäre ihnen vor der Tür zu dem Haus, in dem sich die Gemeinde versammelt, ein Reporter begegnet mit der Frage:

„ … ’tschuldigen Sie mal einen Moment — wir machen hier g’rade ‘ne Umfrage: Warum gehen Sie heute morgen in den Gottesdienst?“ — sie hätten ihm keine eindeutige Antwort geben können und vielleicht nur so eben dahingesagt: „Weil mir die Ruhe dort gut tut.“

Es ist nicht mehr die Begeisterung des Anfangs in diesen Kirchgängern. Die Zeit, als ihr Glaube noch ganz frisch und ursprünglich und vital gewesen ist, liegt lange zurück. Jetzt haben sie mit einem Alltag zu kämpfen, in dem für den Glauben nicht viel Platz ist.

Und so sitzen sie in den Bankreihen, in denen auch heute morgen wieder viele Plätze leer geblieben sind. Sie bemühen sich, nicht auf diese leeren Plätze zu achten, aber dennoch — diese Lücken sprechen eine eigene Sprache: Sie predigen von denen, die nicht mehr kommen. Warum kommen sie nicht mehr? Nimmt der Alltag sie so sehr in Beschlag, dass sie am Sonntag nichts mehr wollen als Ausschlafen und Zeit haben? Oder fürchten sie, dass im Gottesdienst Werte vertreten werden, die sie im Alltag nicht werden durchhalten können? Wie auch immer: die leeren Plätze predigen mit und es ist keine aufbauende, sondern eine deprimierende Predigt, die sie halten. Der Lektor ist schon vorne ans Lesepult getreten. Einen Brief liest er vor. Und beim Nachdenken über die leeren Plätze haben die Gemeindeglieder nun gar nicht mitbekommen, von wem dieser Brief ist — na ja, auf den Inhalt kommt es an… – und der hat’s in sich! Vom Glauben ist da die Rede — aber nicht wie sonst. In diesem Brief redet einer, der ganz anders vom Glauben spricht, als die Prediger das sonst tun. Da spricht einer — schade dass wir den Namen nun nicht mitbekommen haben! — der kennt offensichtlich diese Müdigkeit im Glauben. Der weiß offensichtlich, wie der Glaube sich im Alltag verschleißen kann. Klar, wenn die Gemeindeglieder unter sich sind, dann ist der Glaube leicht und froh. Dann kann man miteinander singen und miteinander feiern und beim gemeinsamen Essen fällt dann auch das Tischgebet nicht so schwer wie im Alltag, wenn jeder für sich ist.

O — schon wieder schweifen die Gedanken ab von der Lesepredigt, die da vorne vorgetragen wird! Beispiele werden da geschildert. Menschen, die ihren Glauben vorbildlich gelebt haben. Diese Beispiele haben ja sonst immer so etwas Unangenehmes — man weiß im Grunde sofort, dass man da nicht wird mithalten können. So vorbildlich, wie die in den Beispielgeschichten immer glauben — da kommt man ja nie ran!

Und schon wieder sind die Gedanken abgeschweift. Nun reiß dich mal zusammen und konzentrier dich auf diese Lesepredigt. Von Noahs Glauben war da eben die Rede und jetzt kommt Abraham an die Reihe. Abraham, der aus seinem Land wegzieht, weil Gott ihm sagt: Zieh in das Land, das ich Dir geben werde. Aber dass er wegzieht, das stellt diese Predigt gar nicht so in den Vordergrund. Nein, sondern dass er als Fremdling im verheißenen Land wohnt. Wie ein Asylsuchender lebt er da in dem fremden Land. Keine feste Bleibe. In Zelten wohnt er mit seinen Söhnen — das betont diese Predigt. Tatsächlich merkwürdig: Der ist ja nie richtig zuhause gewesen in dem gelobten Land. Er ist ja bis an sein Lebensende immer unterwegs gewesen. Der ist da ja nie heimisch gewesen!

Das ist ja wirklich merkwürdig: die Bibel erzählt doch tatsächlich, wie Abraham als Heimatloser durch das Land zieht, das Gott ihm schenken will und als Sara, seine Frau stirbt, muss er mit den Leuten dort verhandeln, dass sie ihm ein Stück Land mit einer Höhle verkaufen, damit er einen Ort hat, an dem er seine Frau beisetzen kann. Mehr Land erhält er nicht! Tatsächlich: sein ganzes Leben lang hat Abraham nichts als das Versprechen Gottes. Nichts Handgreifliches. Nichts Nachweisliches. Der ist wirklich auf seinen Glauben angewiesen!

Wie hieß das doch eben in der Lesepredigt:

„Glaube besteht darin, dass das gegenwärtige Leben durch die Hoffnung auf Künftiges bestimmt ist, dass es sich dem unsichtbaren Wirken Gottes aussetzt und sich von ihm prägen lässt.“

Ja, darin ist Abraham ihnen wohl verwandt: Zwischen dem, was er glaubt und dem, was er im Alltag erlebt, klafft eine große Lücke. Aber Abraham wird nicht müde. Erstaunlich eigentlich — wenn man so bedenkt, wie lange der als Fremder in diesem Land gelebt hat — diesem verheißenen Land, das Gott ihm versprochen hat — ein Einwanderungsland übrigens; das Land, von dem Gott da spricht, ist ein Einwanderungsland und Abraham lebt dort wie ein Asylsuchender. Was mag ihn das an Kraft gekostet haben, so zu leben! So lange so zu leben — ohne müde zu werden. Doch, dieser Abraham ist schon interessant — wie der das wohl geschafft hat, so lange dort als Fremder zu leben, ohne im Alltag aufzugehen, ohne sich an das Land und seine Bewohner anzupassen. Immer wieder so zu leben, wie Gott das von ihm gewollt hat.

Na, mit Abraham hat Gott auf öfter geredet. Da wird ja auch immer wieder von erzählt: wie er da im Hain Mamre oder auch an anderen Orten mit Gott spricht. Na eben. Das ist es! Gott redet mit Abraham und Abraham redet mit Gott. Daher hat er die Kraft gehabt. Deshalb ist er seinem Glauben treu geblieben. Deshalb verschleißt sich sein Glaube nicht im Alltag. Das ist das Geheimnis dieses Glaubens. Deshalb konnte Abraham immer auf diese Zukunftsvision hin leben: diese Stadt Gottes, die endlich Heimat sein wird.

Schade, dass da vor dem Haus, in dem die Gemeinde zusammenkommt, kein Reporter steht. Nach diesem Gottesdienst hätten ihm die Leute wohl was erzählt — warum sie zum Gottesdienst gegangen sind: „wie bei Abraham der Glaube im Gespräch mit Gott immer wieder frisch und vital wird — so ist das auch im Gottesdienst! Was die Eichen im Hain Mamre für Abraham gewesen sind, das ist für uns hier der Gottesdienst. Na wissen sie — sonst würde sich der Glaube doch ganz schnell im Alltag verbrauchen. Wenn wir das hier nicht hätten — am Sonntag den Gottesdienst — dann könnten wir mit unserem Glauben doch bald einpacken. Das würden wir doch dann nicht lange durchhalten.

Wissen Sie, das ist nämlich so:

“Glaube besteht darin, dass das gegenwärtige Leben durch die Hoffnung auf Künftiges bestimmt ist, dass es sich dem unsichtbaren Wirken Gottes aussetzt und sich von ihm prägen lässt.”

Ja, wirklich schade, dass an diesem Sonntag kein Reporter vor dem Gemeindehaus steht und die Leute danach fragt, was ihnen der Gottesdienst bedeutet. Aber vielleicht treffen die Leute ja den einen oder anderen, der nicht im Gottesdienst war und dessen leerer Platz so deprimierend davon sprach, wie der Glaube sich im Alltag verschleißt. Dem können sie dann ja erzählen, was ihnen der Gottesdienst für ihren Glauben bedeutet. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinnen in Christus Jesus.

Amen.

 


— Predigt zu Hebräerbrief 11,1.8–10 von Pastor Hans–Christian Beutel am Sonntag, dem 13. März 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Reisepastor der Gemeinde