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Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue.

4. Mose 23,19

Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.

Hebräer 1,3

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Predigt zu Lukas 10,38–42 am Sonntag Estomihi, 26.2.2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Lukas 10,38–42 am Sonntag Estomihi, 26.2.2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem (Wochenspruch).

Dieser Weg hat das Kreuz als Vorzeichen (Evangelium).

Auf diesem Weg kommt er in ein Dorf und wird eingeladen: Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Martha, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not: Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. (Lk 10,36-42)

Mit wem geht die Sympathie: Maria oder Martha.

Was macht die eine bzw. die andere sympathisch?

Kann man sich für eine — d. h. gegen die andere entscheiden?

  • Jesus spielt nicht Maria gegen Martha aus;
  • Jesus weist es ab, Marias Haltung zu kritisieren.
  • Nicht: das eine oder das andere — Handeln oder Tun, sondern: beides ist wichtig und richtig, hat je seine eigene Berechtigung.

Jesus lässt sich zunächst beides gefallen.

Er weist Maria nicht ab, als sie sich zu ihm setzt — obwohl die Lehrer und Wanderprediger seiner Zeit sonst keine Frau bei solchen Gesprächen duldeten. Was Maria da tut, verletzt die Normen ihrer Zeit; Maria dringt in eine Männerdomäne ein und Jesus lässt sich das gefallen. Jesus sagt nicht: „Dein Platz ist am Herd“.  Aber Jesus lässt andererseits sich auch Marthas Tun gefallen. Er sagt ihr nicht: „Nun lass endlich deine Töpfe stehen, setz dich her und hör zu.“

Was Martha da tut ist ehrenvoll; Martha weiß den Gast — gerade diesen Gast — in ihrem Haus zu schätzen und zu ehren. Jesus lässt sich auch Marthas Tun gefallen.

Zum Problem wird das erst in dem Moment, in dem Martha sagt: „Jesus, kriegst du nicht mit, dass ich hier allein mit allem dastehe? Wenn meine Schwester schon nicht so weit denken kann, dann sag Du ihr doch wenigstens, dass es eine Frechheit ist, sich da hinzusetzen und mich alleine wirtschaften zu lassen!.“ Es liegt eine Schärfe in Marthas Worten — eine Schärfe, die schon fast an Gehässigkeit grenzt.

„Es hätte alles so schön sein können! Jesus zu Gast! Welche Ehre für unser Haus! Und die Tischgemeinschaft mit Jesus — das ist doch was ganz besonderes. Wo Jesus ist, da wird doch aus dem kärglichsten Abendbrot ein Abendmahl! Da ist doch erst mal wichtig, dass alles für’s Essen gerichtet wird! Das könnte doch alles schon fertig sein, wenn Maria nur mit zupacken wollte. Dann könnte das Essen doch bald aufgetragen werden und dann kann Jesus doch erzählen — dann ist doch die Zeit dafür, dann ist doch die richtige Atmosphäre da, um Jesus zuhören zu können. Aber statt dessen setzen die sich hin und reden und Maria merkt nicht mal, dass jetzt was anderes dran ist. Die hat doch nur noch Augen für Jesus — dass ich hier wirble, das kriegt die doch gar nicht mit.“

Man kann sich das gut vorstellen, wie Martha da in der Küche hantiert und sich allmählich in ihre Bitterkeit hineinsteigert. Und wir können den Geschmack dieser Bitterkeit nachempfinden: „Es sind doch immer wieder die selben, die sich um alles kümmern müssen. Können die andern nicht auch mal mit zufassen!“ „Martha, Martha — du machst dir viel Sorgen und gibst dir viel Mühe, alles so schön wie möglich herzurichten.“ Was Jesus da sagt, ist Anerkennung für Marthas Tun. Das wird nicht abgewertet. Aber Jesu Worte sind wie eine Hand, die sich begütigend auf Marthas ausgestreckten Arm legt: „Nun zeig mal nicht auf Maria — was Maria tut, ist nicht weniger wert als das, was du tust.“

Jesus weist es von sich, Maria zurechtzuweisen. Jesus weist es von sich, zu entscheiden, was besser ist: Marthas Tun oder Marias Hören, praktisches Christentum oder stilles Bibellesen, Diakonie oder Gottesdienst.

Jesus entscheidet nicht zwischen den beiden Schwestern — er korrigiert nur, worin Martha sich verrennt: „Martha, Martha, du möchtest mich als Gast ehren und mir Gutes tun. Aber denkst du wirklich, dass es hier um mich geht? Ach Martha, der Menschensohn ist doch nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen. Es geht doch nicht um mich, sondern um das Reich Gottes. Maria hat das verstanden: Sie hört mir zu, weil ich vom Reich Gottes rede. Und wenn du uns den Tisch deckst, damit wir zusammen das Reich Gottes feiern können, dann ist das gut. Aber warum macht es dich dann so bitter? Kann dich das, was du für Gottes Reich tust, denn bitter machen? Martha, Martha, wenn diese Bitterkeit in dir aufsteigt, dann ist es wirklich besser, du lässt die Töpfe erst mal stehen und setzt dich her. Dann lass mich erst einmal etwas für dich tun, ehe du mir dienst.“

Marthas Tun wird nicht abgewertet. Aber Jesus fragt, warum Martha das tut. Denn Jesus will nicht, dass wir mit Bitterkeit im Herzen tun, was zu tun nötig ist.

Es ist gut und richtig, dass es in unserer Gemeinde Leute gibt, die aktiv sind, um unser Gemeindeschiff in Fahrt zu halten, die sich darum sorgen, dass es in Kreisen und Gruppen Menschen einander begegnen, die sich kümmern, dass das Gemeindeschiff finanziell beweglich bleibt. Aber das alles soll nicht aus gezwungener Verpflichtung kommen, sondern aus einem freien offenen Herzen. Das alles soll nicht getan werden, weil das Schiff eben erhalten werden muss, sondern weil man damit auf Gottes Reich zu segeln kann. Es ist ein großer Unterschied, ob Menschen ein Schiff bauen, weil sie sich dazu verpflichtet fühlen, oder ob diese Menschen dieses Schiff bauen, weil sie Sehnsucht nach dem Meer haben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsere Liebe.

Amen.

 


— Predigt zu Lukas 10,38–42 am Sonntag Estomihi, 26.2.2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Reisepastor der Gemeinde