KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue.

4. Mose 23,19

Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.

Hebräer 1,3

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Predigt zu Lukas 8,4–8 am Sonntag nach Sexagesimae, 19.2.2017 in der St. Andreas–Kirche in Oulu

Predigt zu Lukas 8,4–8 am Sonntag nach Sexagesimae, 19.2.2017 in der St. Andreas–Kirche in Oulu

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater, von Christus, unserem Bruder und vom Heiligen Geist, unserem Tröster. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Womit würdet Ihr Euer Leben vergleichen? Mit einem Baum — der wurde gepflanzt, wächst, treibt Zweige, blüht und trägt Früchte. Lebensringe wachsen mit den Jahren – doch irgendwann verliert er die Blätter, geht ihm der Saft aus;

Oder mit einer Kerze — die wird angezündet und brennt, gibt Licht und Wärme, schafft Atmosphäre und verzehrt sich solange das Wachs reicht, dann verlöscht sie.

Oder mit einer Sanduhr — Sekunde um Sekunde rieseln die Sandkörner bis die obere Hälfte leer ist.

Gemeinsam ist diesen Bildern: es läuft auf’s Ende zu, unumkehrbar. Jesus vergleicht unser Leben mit einem Acker:

Vom Sämann

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! ( … in der Lutherübersetzung heißt es: „Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen.“ — die Bewegungen des Sämanns werden in den Worten sichtbar).

Seit Urzeiten ist dieser Sämann unterwegs, geht er mich sicheren, festen Schritten über den Acker, streut er seinen Samen aus. Und der Acker ist jedes Mal anders:
 Mal kommt er an Stellen, an denen der Erdboden festgetreten ist von den vielen Leuten, die hier ihren Weg über den Acker genommen haben; — aber der Sämann sät unverdrossen seinen Samen. Mal kommt er an eine Stelle, da schaute der blanke Fels aus dem Erdreich heraus, hart und trocken; — aber der Sämann wirft die volle Hand voll Samen.

Mal kommt er an eine Stelle, da wachsen Dornen und Disteln; — aber der Sämann sät auch hier seinen Samen. Mal kommt er an Stellen, da sackt sein schwerer Schritt im tiefen, lockeren Ackerboden ein; — und der Sämann geht hinüber und sät seinen Samen.

Jahrein, jahraus geht der Sämann und streut guten Samen auf das Land. Er knausert nicht — er geht nicht sparsam um mit dem kostbaren Saatgut. Wohin er kommt, da streut er eine gute Hand voll Samen aus. Sei es auf den Weg, auf die Felsen, unter die Dornen oder in den fruchtbaren Acker.

Wie wird der Sämann uns heute finden, wenn er kommt und seinen Samen sät? Als festgetretenes Erdreich, von vielen geschäftigen Füßen abgelaufen — getreten und dadurch hart geworden? Wird er uns als felsigen Grund finden? Als Leute, deren Überzeugungen felsenfest und unverrückbar sind; die Gründe haben, hart wie Stein zu sein? Wird er uns finden als Unkrautecke, wo die Sorgen wie Dornen wuchern und Listen wie Disteln aushecken? Wird er uns finden als einen lockeren, aufnahmebereiten Boden, gut vorbereitet zur Aussaat — ein Feld, auf dem der Sämann etwas wachsen lassen kann? Wer könnte wohl von sich sagen, dass er oder sie solch ein guter Ackerboden sei? Jederzeit.

Wer könnte für sich wohl ausschließen, dass er nicht auch mal der betonharten Piste gleicht, auf der man schnell und direkt von A nach B reisen kann, ohne sich um die Felder an der Autobahn oder die dürren Gräser am Straßenrand zu kümmern. Wie nahe legt es unser von Zwecken bestimmtes und auf hohe Geschwindigkeiten eingerichtetes Leben, sich glatt und hart zu machen, damit der Verkehr reibungslos funktioniert! Wer könnte für sich wohl ausschließen, dass er oder sie nicht auch mal dem felsigen Grund gleicht, — hart geworden unter hohem Druck — und nun unfruchtbar und kalt?

Wer kann es sich denn leisten, weich und empfänglich zu bleiben, ohne raue Schale zu leben und aufzunehmen, was der Tag an Erfahrungen bereithält? Wer könnte für sich wohl ausschließen, dass er oder sie nicht auch mal dem Unkrautwinkel gleicht, in dem die Sorgen jedem zarten Hoffnungspflänzchen Licht und Luft nehmen; wo zwischen all der Mühsal und Tristesse kein Glück zu wurzeln vermag?

Ach, könnten wir doch so ein tiefer, empfänglicher Acker sein! Gartenland; frisch umgegraben und dann fällt Regen darauf — was ist das für ein Geruch! Hast Du diesen Duft noch in der Nase? Was ist dagegen der Geruch einer staubigen Asphaltstraße! Welche Frische würde in unser Leben einziehen, wenn wir die trockene Zweckrationalität hinter uns lassen könnten, die in unserem Leben so viel Raum einnimmt — so viel Fläche versiegelt.

Mutterboden; hast Du dieses Gefühl noch in den Fingerspitzen, wenn Du eine Hand voll Erde aufnimmst und sie langsam zwischen den Fingern zerkrümelst, so wie es ein Bauer tut um abzuwägen, was in dieser Erde wohl gedeihen kann? Was ist dagegen das taube Gestein von einer Abraumhalde! Und was bedeutete das für einen Menschen, der hart geworden ist, sich ausgenutzt und weggeworfen fühlt, wieder weich und empfänglich werden zu dürfen und zu erleben, dass in seinem / in ihrem Leben etwas wächst — etwas nähren zu dürfen und Frucht wachsen zu sehen.

Hast Du das Erstaunen noch in Erinnerung, wenn Du in einer Unkrautecke, in die Du sonst nie guckst, eine Pflanze entdeckst, die der Wind oder sonst ein Zufall dort ausgesät hat. Und Du schaffst diesem schönen, unbekannten Pflänzchen Licht und Luft — vorsichtig, um nicht mit den Disteln auch das Pflänzchen auszureißen. Um diese eine Pflanze zu pflegen, fängst Du an, Dich um diese Unkrautecke zu kümmern. Was bedeutet es für einen Menschen, dem die Sorgen jedes kleine Glücksgefühl ersticken, dass er diese eine Pflanze entdeckt und zu hegen beginnt. Was bedeutet es für ihn zu spüren, dass sein Leben nicht zwangsläufig Disteln und Dornen tragen muss. Was bedeutet es für einen Menschen, wenn er oder sie den Sämann sagen hört: „Kommt her, die ihr mühselig und beladen seid — ich will euch entlasten und aufrichten!“

Wie gut, dass dieser Sämann seinen Samen so großzügig streut. Wie gut, dass er nicht darauf schaut, wo der Acker gut gepflügt und wo die Steine alle beiseite geschafft worden sind. Dass er nicht ängstlich darauf achtet, dass ja nichts auf den Weg fällt oder auf das felsige Land oder unter die Dornen.

Dieser Sämann traut es wohl den ausgetretenen Trampelpfaden zu, dass sie wieder lockeres Erdreich werden können.
Dieser Sämann streut als Samen ein heilendes und tröstendes und froh machendes Wort aus und er traut diesem Wort wohl zu, dass es Steine erweichen kann. Dieser Sämann wirft Hoffnungssamen zwischen die Dornen und die Disteln und weiß wohl, dass ein Mensch seinen Sorgen nicht unentrinnbar ausgeliefert ist, die Luft und Sonne abhalten und den Boden austrocknen. Dieser Sämann weiß, dass die Hoffnung größer werden kann als die Sorge.

Dieser Sämann weiß: Unser Leben gleicht nicht einfach der Sanduhr, in der die Zeit still und unaufhaltsam verrinnt bis sie abgelaufen ist. Unser Leben gleicht auch nicht der Kerze, die sich verzehrt – Licht und Wärme spendet, aber unaufhaltsam niederbrennt. Unser Leben gleicht nicht einmal dem Baum, der Jahr um Jahr seine Zweige ausbreitet und im Herbst seine Früchte trägt — bis er alt und müde wird und sich langsam darauf vorbereitet, wieder zu Erde zu werden.

Unser Leben gleicht dem Acker, der Frucht tragen kann und soll. Und es ist kein zwangsläufiges Schicksal, ob jemandes Leben wie der Acker, der Weg, der Fels oder gar die Dornenhecke ist. Der Same, den der Sämann ausstreut, weckt die Sehnsucht, zum weichen und empfänglichen Boden zu werden.

Was hilft, den Boden zu bereiten? Was hilft, wieder weich, empfänglich und aufnahmefähig zu werden?

  • Das Gebet,
  • das Gespräch mit Menschen, die in der gleichen Sehnsucht leben,
  • das Innehalten und vielleicht auch die alten und die neuen Wege der Meditation,
  • das Fasten,
  • das Einüben eines dankbaren Blickes auf das eigene Leben und
  • das Einüben eines fürsorglichen Blickes für das Leben meines Nächsten,
  • die Freude,
  • das Lob Gottes,
  • die Seelsorge,
  • die Gemeinschaft in einer guten Gemeinde,
  • -das Teilen von Brot und Wein im Abendmahl.

All das hilft, den Boden zu bereiten — zum weichen und empfänglichen Boden zu werden — und der Samen der auf solchen Boden fällt, trägt Frucht — hundertfältig!

Amen.

 


— Predigt zu Lukas 8,4–8 am Sonntag nach Sexagesimae, 19.2.2017 in der St. Andreas–Kirche in Oulu (Uleåborg).


Reisepastor der Gemeinde