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Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.

Psalm 116,1

Wenn du betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Matthäus 6,6

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Predigt zu Exodus 3,1–14 am Letzten Sonntag nach Epiphanias, 5. Februar 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Buch Exodus, dem zweiten Buch Mose im 3. Kapitel.

[ Lesung Predigttext Exodus 3,1-14 ]

Wie kommt Gott in die Welt? Diese Frage steht über diesem Sonntag. Wie wird Gott sichtbar? Denn eines ist ja klar: Gott hat noch niemand gesehen. Er ist als solcher nicht zusehe. Kein Mann mit weißen Bart, der hoch oben auf der Wolke sitzt. Und wenn wir nur hoch hinauf fliegen, dann könnten wir ihm guten Tag sagen. Wie kommt Gott zur Welt? Mose stellt diese Frage auf eine besondere Weise. Er fragt diesen Gott, dessen Stimme er aus dem brennenden Dornbusch hört: Wie ist dein Name? Wie soll ich dich nennen, wenn die Israeliten, die ich aus dem Land Ägypten führen soll, nach dir fragen? Und Gott gibt eine faszinierende Antwort: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Der ganze lange Texte von der Erscheinung Gottes am Berg Horeb läuft auf diese Antwort zu: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Interessanterweise umschreibt Gott mit diesen Worten nicht, wie er so ist. Er erzählt nicht davon, was ihm wichtig ist. Sondern er antwortet mit diesen Worten auf die Frage: Wie ist dein Name? Sein Name ist also „Ich werde sein der ich sein werde.“ Das klingt so ein bisschen wie diese Indianernamen bei Karl May: Der mit dem Wolf tanzt. Häuptling-aufgehende-Sonne. Oder so ähnlich. Der Name ist mehr als nur eine Bezeichnung, als irgendein zufällig gewähltes Wort. Der Name ist, so ist ja die alte Vorstellung in vielen Kulturen, der Ausdruck des Wesens selbst. Was ist also das tiefe Wesen Gottes. Weil dieser Name so wichtig ist, will ich mir kurz die Zeit nehmen, mal genauer hinzuschauen. Denn dieser Name klingt ja wie ein großes Rätsel: ich werde sein, der ich sein werde. Nun muss man wissen, dass es in der hebräischen Sprache, in der das Alte Testament geschrieben steht, keine Zeitstufen gibt. Ein Verb, ein Tu-Wort, kann man nicht in Vergangenheit Gegenwart Zukunft ausdrücken. Man kann die hebräische Worte eheje ascher eheje also gar nicht genau übersetzen. Im hebräischen gibt es im Wesentlichen nur zwei Verbstufen: Entweder ein Verb bezeichnet eine abgeschlossene Handlung oder ei unabgeschlossene. Hier steht das Wort „Sein“ „Ich bin“ als unabgeschlossenen Handlung. Deshalb übersetzt Luther den Satz mit „Ich werde sein“. Also auf die Zukunft hin. Auf jeden Fall steht der Satz für eine lebendige Beziehung Gottes zu den Menschen.

Es tut mir Leid, ihr Lieben, das ich euch am Sonntagvormittag mit der Grammatik des Althebräischen langweile, aber für mich gehören diese drei hebräischen Worte zu den faszinierendsten der ganzen Bibel. Hier gibt Gott seinen Namen preis. Ich bin der ich bin. Ich bin, der ich sein werde. In Verbindung mit der Zusage, dass er das Volk aus der Sklaverei aus Ägypten führen wird, heiß das: ich bin der, der mit euch sein wird. Ich bin ein mitgehender, ein mitfühlender, ein lebendiger Gott. Wir können glaube ich heute gar nicht ermessen, was diese Worte in der damaligen Zeit vor hunderten, ja tausenden Jahren für eine Bedeutung haben. Aber wenn ich mir vorstelle, dass die Menschen damals eine ganz feste statische Vorstellung von Gott hatten, sie haben ihre Götter in den Bergen, in der Sonne, in den festgefügten Erscheinungen der Natur angebetet, dann ist diese Vorstellung Gottes revolutionär: Ich bin ein Gott, der mitgeht, der die Not sieht.

Wir eröffnen ja heute die Aktion „Gemeinsame Verantwortung“ der finnischen Kirche hier bei uns in der Gemeinde. Wir sammeln unsere Kollekten und Senden in den nächsten Wochen immer wieder für die Menschen in Finnland und in der Welt, die es am Nötigsten brauchen. Die, die im Trubel dieser Welt am Rande stehen und auf Hilfe angewiesen sind. Was das genau bedeutet, da wird uns unser Diakon Timo nachher noch etwas zu erzählen. Was mir aber im Blick auf unseren heutigen Predigttext deutlich wird: Wen wir uns für den Nächsten, für den Schwachen und Bedürftigen einsetzen, dann ist das nicht eine zusätzliche Tätigkeit, die wir halt auch noch machen als Christen. Weil es sich vielleicht so gehört. Wenn wir diesen Gott, unseren Gott, ernst nehmen, dann können wir gar nicht anders als uns für den Nächsten einsetzen so als ob er unser Bruder, als ob sie unsere Schwester wäre. Buchstäblich. Denn wir haben einen Gott der mitgeht, und das heißt, dass dieser Gott nur gegenwärtig wird, nur eine Rolle spielt in unserem Leben, wenn wir ihn in diesem Nächsten erkennen. Das erzählt uns hier schon das Alte Testament. Im Neuen Testament wird es dann noch auf die Spitze getrieben, weil Gott im Schwachen selbst auf die Welt kommt. In Jesus Kind in der Krippe, Mann am Kreuz. Aber, und auch das ist mi immer so wichtig, es ist keine Ablösung von den Gedanken und vom Bild Gottes, das schon im Alten Testament vorgezeichnet ist: Gott ist ein Gott, dem wir in der Not des Anderen begegnen. Im Alltag dieser Welt. Draußen im Leben. Es ist ein Gedanke, der für Martin Luther so wichtig gewesen ist und von ihm ausgehend für die ganze evangelische Kirche: Gott begegnest du nicht alleine im Gottesdienst am Sonntagvormittag am Altar unterm Kreuz. Gott begegnest du genauso gut da draußen in all dem was du tust. In dem Amt, das der aufgetragen ist in dieser Welt. Diese Gewissheit steckt in diesen drei kleinen hebräischen Worten.

Aber sie stehen ja ganz am Ende des Textes, sozusagen als Pointe. Die Geschichte geht ja erst einmal los mit einem Gott, der ganz und gar fremd ist. Aus dem brennenden Dornbusch spricht er. Und er befiehlt Mise: Zieh deine Schuhe aus, du betrittst heiliges Land. Wir hier in Finnland kennen uns ja aus mit dem Schuheausziehen. Gute Sitte ist es ja, dass man seine Schuhe auszieht, wenn man eine fremde Wohnung betritt. Natürlich erst einmal auch aus hygienischen Gründen, aber es ist auch ein Zeichen des Respektes. Wir finden ihn noch heute bei den Muslimen, die ihre Straßenschuhe auszeihen, bevor sie ihre Moscheen treten. Wir haben das in unseren Kirchen verlernt, auch hier in Finnland. Wenn wir in eine fremde Wohnung gehen, dann ist das keine Frage: Schuhe aus. Wenn wir aber gleich vor den Alter treten, um gemeinsam Abendmahl zu feiern, dann lassen wir unsere Straßentreter an. Eigentlich merkwürdig. Aber vielleicht ist auch das ein Zeichen. Da ist etwas passiert in der Evangelischen Kirche: Wir haben aus gutem Grund den Alltag zum Ort des Gottesdienstes gemacht. So sollte es jedenfalls sein. Daran sollten wir jedenfalls immer weiter arbeiten, dass wir jeden Tag, jede Stunde, jeden Atemzug als Gottesdienst begreifen. Aber vielleicht haben wir den Sonntag auch dadurch zu sehr zum Alltag gemacht. Wir wollen die Alltagswelt umgestalten, weil jede Ecke dieser Welt gut genug ist, um von Gottes Liebe durchdrungen zu werden. Aber wir haben dadurch den besonderen Ort, den heiligen Ort zu einem ganz gewöhnlichen gemacht.

Wir feiern gleich zusammen Abendmahl. Eine besondere Zeit an einem besonderen Ort. Heute noch einmal besonders, weil nicht nur ich als Pastor das Abendmahl austeilen werde, sondern Gudrun und Timo mir helfen. Vielleicht gelingt es uns ja, wenn wir feiern, die Heiligkeit des Moments zwischen uns zu spüren. Nicht, weil diese Steine hier vorne besonders heilig sind. Nicht, weil ich als Pastor dann irgendwelche magischen Zauberformeln sprechen. Die Heiligkeit des Abendmahls kann einsehen, wenn wir daran glauben, dass Gott, unser Gott in Jesus Christus mitten unter uns ist. Wenn wir mal alles Alltägliche, Profane, Nebensächliche hinter uns lassen und uns von ihm füllen lassen. Das fände ich wunderbar. Ich wünschte mir so sehr, dass wir wieder die heiligen Zeiten lernen. Vielleich wünsche ich das erst einmal für mich: Das ich immer wieder in diesen Lebensrhythmus finde, in dem es noch Heiliges gibt Nicht nur fei Zeit, um Kraft zu sammeln für den Arbeitsalltag, damit man wieder funktionieren kann. Sondern Zeit, n der man Gott Raum gibt. So richtig leere Zeit, die man Gott vor die Füße legt und sagt: Gott du bist Anfang und Ende, du bist die Zeit, meine Zeit lege ich in deine Hände Und ich wünsche mir, dass ich immer wieder heilige Orte finde. Keine Magischen Zauberworte, bitte nicht verwechseln. Heilige Orte, die mir zeigen: Gott ist mitten drin in dieser Welt. Er ist hier unter uns. Und wenn er hier ist, im Gottesdienst, im Abendmahl, an diesem Ort in unserer Kirche, wenn ich ihn hier spüre, dann weiß ich auch, dass er da draußen mit mir und mit uns unterwegs ist. Dann kann ich auch ganz darauf vertrauen, dass er dort ist, wo die Menschen leiden, wo sie Hilfe brauchen, auch unsere Hilfe.

Ich bin ein Gott, der mitgeht, sagt Gott. Oder noch schöner und schlichter: „Ich bin, der ich bin.“ Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus,

Amen.

 


— Predigt zu Exodus 3,1–14 am Letzten Sonntag nach Epiphanias, 5.2.2017 von Pastor Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Hauptpastor der Gemeinde