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Matthäus 6,26

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Predigt zu Hesekiel 36,26 am 3. Sonntag nach Epiphanias, 22. Januar 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Man muss an die Quelle zurück, um die Klarheit des Wassers zu schmecken. Es hilft nichts, sich an die Mündung des Flusses zu stellen, dort, wo das Wasser nach vielen Kilometern durch belebte Landschaften endlich das Meer erreicht. Dort, wo sich Meerwasser und Flusswasser vermischen, Brackwasser nennt man das, das hilft es nichts, seinen Becher in die Wellen zu halten und auf frisches Wasser zu hoffen. Trüb wird es sein und verbraucht. Wer wirklich frisches, klares Wasser trinken möchte, der muss sich auf die Suche nach der Quelle machen.

Heute steht die neue Lutherbibel im Mittelpunkt des Gottesdienstes und unseres Neujahrsempfanges, den wir gleich im Gemeindehaus feiern. Die Lutherbibel, die im letzten Oktober, passend zum Beginn des Reformationsjubiläums herausgegeben wurde, wagt einen Neuanfang, in dem sie zurückgeht zu den Quellen. Die Herausgeber haben in jahrelanger Arbeit versucht, die ursprüngliche Übersetzung der Bibel durch Martin Luther vor 500 Jahren mit den Erkenntnissen über den ursprünglichen hebräischen beziehungsweise griechischen Text in einen guten Einklang zu bringen. Ziel war diesmal nicht (und darin unterscheidet sich diese Lutherbibel von ihren Vorgängerinnen), die Sprache Martin Luthers an unsere moderne Umgangssprache anzupassen. Es gibt so viele gute moderne Übersetzungen der Bibel. Hier, mit dieser Ausgabe, ging man, zurück an die Quelle. An die Worte, wie sie Martin Luther in der deutschen Sprache gefunden und oft sogar erfunden hat. Wenn man so will, steckt hier jetzt mehr Luther drin als in vielen der Ausgaben zuvor.

Aus den unzähligen Sätzen der Bibel will ich heute für die Predigt einen herausgreifen. Eine Vers, der in diesem Gottesdienst noch am Anfang des Jahres dem Jahr seine Überschrift geben kann. Die Jahreslosung. Sie steht im Buch des Propheten Hesekiel im 36. Kapitel. „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben.“ So schreibt der Prophet die Worte Gottes auf. Worte, die erst einmal an das Volk Israel gerichtet sind. Das Volk, dass gegen die Gebote Gottes verstoßen hatte und nun sagt Gott ihm zu: „Ihr habt zwar Mist gebaut, aber ich will nicht von euch ablassen. Ich schenke euch einen Neuanfang. Und nicht nur an der Oberfläche. Nicht nur, dass ich eure Lebenssituation zum besseren wende. Sondern ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Also: Bis ins Innerste will ich euch verwandeln.“ Dabei ist es wichtig zu wissen, dass das Herz im hebräischen Denken eine andere Bedeutung hatte als bei uns heute. Das Herz symbolisierte nicht Gefühl und Liebe, sondern eher Verstand und Entschlusskraft. Wer ein gutes, reines Herz hatte, der war in der Lage, sein Leben klar und vernünftig im Griff zu behalten. Im Alten Testament ist der Ruf zum Neuanfang auch eine Erinnerung an den Anfang Gottes mit seinem Volk. Ich mache euer Herz neu, und ihr könnt es daran erkennen, dass ich von Anfang an immer wieder mit euch neu angefangen haben: Nach der Sintflut, beim Auszog aus Ägypten. Und auch jetzt. Ich bin ein Gott, der mitgeht, der mitlebt von Anfang an. Das Alte Testament spannt immer wieder diesen großen Bogen aus: Weil ich der Anfang und das Ende bin, so sagt es Gott immer wieder, bin ich auch in jedem neuen Anfang. Ich bin damit auch immer bei euch, die ihr euer Herz an mich hängt.

Glauben heißt, sich in die Spannung von Anfang und Neuanfang zu stellen. Glauben heißt, sein Leben an diesem Gott auszurichten. An diesen Gott, der die Ewigkeit ist, der die Zeit gesetzt hat in die Zeitlosigkeit, der Anfang und Ende in der Hand hält. Und Glauben heißt, sein Leben in die Hände dieses Gottes zu legen, der den Zeitlauf durchbrochen hat in dem einen Menschen Jesus Christus. In Jesus fängt etwas radikal neu an. Und wir sind mit unserer Taufe mitten hineingestellt in diesen Neuanfang. In diesem Jesus ist uns ein neues Herz geschenkt und wenn wir unser Herz von dieser Gewissheit tragen lassen, dann dürfen wir immer wieder neu anfangen. Das ist ein anderer Neuanfang als die Neuanfänge, die wir uns selber setzen können. Wir sind ja umgeben von Versprechungen von selbst erzeugten Neuanfängen: „Kaufe dieses Produkt und fange dein Leben neu an. Treibe endlich mal mehr Sport, dann wird dein Leben neu beginnen. Verliebe dich endlich in den richtigen Menschen, dann erst wird dein Leben neu und frisch.“ Der Neuanfang, den wir in Jesus geschenkt bekommen, ist ein anderer. Denn er führt uns zurück zum Anfang der Zeit. Es ist ein Neuanfang, der den Kreislauf von Anfang und Ende durchbricht. Wir wissen ja: Alles, was wir aus unsere Kraft in diesem Leben anpacken, alles, was den Reiz des Neuen in sich trägt, sei es eine neues Kleid, ein neuer Lebensabschnitt oder auch eine neue Liebe, die werden immer auch, und sei es am Ende unserer Zeit, zu Ende gehen. Aber könnet es nicht sein, dass da ein Neuanfang möglich ist, der die Kraft und die Frische und die Lebensfreude einer neuen Liebe hat, aber bei der wir uns sicher sein können, dass diese Kraft bleibt? Für immer. Könnte das das Geheimnis von diesem Jesus sein?

Man muss an die Quelle zurück, um die Klarheit des Wassers zu schmecken. Die Reformatoren haben das getan. Nicht nur Martin Luther, auch die anderen in der Zeit damals vor 500 Jahren. Es gab damals den Ruf der Humanisten, die eng mit den Reformatoren verbunden waren. „Ad fontes“, war ihr Schlachtruf: Zu den Quellen! Sie wollten einen Neuanfang der Theologie, der Philosophie, ja, des ganzes Lebens durch den Blick auf die Anfänge des Denkens, die Philosophie Griechenlands, die Texte der Bibel. Sie wollten sich nicht mehr abspeisen lassen mit irgendwelchen Interpretationen und philosophischen Überbauten. Sie wollten nicht mehr nur am Ende des langen Flusses stehen, ihren Becher hineinhalten und das fade Wasser schmecken, das durch viele Jahrhunderte des Denkens hindurchgeflossen ist. Sie wollten das Denken schmecken, das Leben klar und rein. Und sie wussten: Das klare reine Denken, das klare reine Leben finden wir nur im Anfang. Für die Theologen hieß das: Den lebendigen Gott finden wir nur in den Worten der Bibel, im Anfang unseres Glaubens. Und für Luther war klar: Wenn dieser Jesus Christus für uns, hier und heute eine Bedeutung habe soll, dann müssen wir seine Worte aus der Quelle schmecken. Aus den Worten der Bibel und nicht vorgekaut und vorgedacht in den Köpfen der Theologen. „Zu den Quellen“. Dort schenkt uns Gott ein neues Herz und einen neuen Geist. So alt und weit weg uns diese Worte manchmal auch vorkommen.

Man muss an die Quelle zurück, um die Klarheit des Wassers zu schmecken. In Hessen, wo ich viele Jahre meines Lebens gelebt habe, da gibt es zahlreiche Mittelgebirge. Keine großen steilen Berge, sondern sanfte, meist bewaldete Hügel, nicht mehr als tausend Meter hoch. Und in diesen waldigen Hügeln liegen zahlreiche Quellen. Fulda und Werra, Nidda und Lahn entspringen in den Mittelgebirgen. Eine Zeitlang haben wir uns auf die Suche nach den Quellen dieser Flüsse gemacht. So waren wir, meine Familie und Freunde, zum Beispiel an einem grauen Herbsttag in den Wäldern um den Vogelsberg westliche von Fulda unterwegs, um die Quelle der Nidda zu finden. Tiefe Wälder, feuchte Böden. Schlammige Wege. Wir mussten einige Stunden suchen, kamen immer tiefer in den Wald hinein, bis wir es schließlich ganz in der Nähe im Unterholz gurgeln hörten. Da stand dann, wie es sich für Deutschland gehört, mitten im Wald ein gut lesbares Schild: Niddaquelle. Nicht mehr als eine kleine Ansammlung von Felsen, aus denen es heraussprudelte. Wir nahmen unsere Hände und hielten sie unter das Wasser, wuschen uns die Gesichter. Dann nahmen wir unsere Flachen, leerten das restliche Leitungswasser aus und füllten sie mit dem Wasser der Quelle. Und nahmen alle einen tiefen Schluck. Ein Freund unseres Sohnes, acht Jahre alt, strahlte über das ganze Gesicht: „Das schmeckt ja wie Freiheit in Flaschen“, sagte er. Und er hatte recht: Es gibt kein besseres, kein frischeres Wasser, ja vielleicht gibt es kein klareres und reineres Getränk als Wasser direkt aus einer Quelle eines Berges. Und dann schaut man auf das Wasser, das aus dem Berg läuft, auf das kleine Rinnsal, das sich auf den Weg hinab macht und weiß: Dieses Wasser wird weiter fließen, es wird mehr und mehr werden, der kleine Fluss Nidda fließt in den Main, der Main in den Rhein, der Rhein ins Meer und das Meer umspült die ganze Welt. Und es nimmt hier seinen Anfang. Schwer zu finden, scheinbar ganz unbedeutend.

AIch stehe auch gerne am Meer. Keine Frage. Dort beeindruckt mich die Weite, die Unendlichkeit. Auch dort fühle ich mich Gott nahe. Seiner Unendlichkeit, seiner Unermesslichkeit. Aber an der Quelle, da liegt die Klarheit. So ist es wohl auch mit unserem Glauben. Wie ein Fluss ist er aufgespannt zwischen Quelle und Meer. Unser Glaube braucht beides: Die Weite des Meeres, das Ziel in der Ewigkeit Gottes, die Gewissheit: Ich kleiner unbedeutender Mensch bin aufgehoben in etwas so viel Größerem und Unfassbarerem. Unser Glauben braucht dann aber auch die Quelle. Den Mühsamen Aufstieg, das Suchen nach dem Ursprung, das Glück des Findens, die Reinheit des Anfangs. Und den tiefen Schluck aus dieser reinen Quelle. Die uns neu beginnen lässt. „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben.“ Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft bewahre unsere Herzen und Sine in Christus Jesus.

Amen.

 


— Predigt zu Hesekiel 36,26 am 3. Sonntag nach Epiphanias, 22. Januar 2017 von Pastor Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Hauptpastor der Gemeinde