KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.

Psalm 116,1

Wenn du betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Matthäus 6,6

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Predigt zum Zweiten Buch Moses 33,17b–23 am 2. Sonntag nach dem Epiphaniasfest, 15. Januar 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zum Zweiten Buch Moses 33,17b–23 am 2. Sonntag nach dem Epiphaniasfest, 15. Januar 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Schöpfer, von Jesus Christus, unserem Erlöser, und vom Heiligen Geist, Gottes guter Kraft in unserem Leben. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

ratlos steht Mose vor Gott. Gerade noch hat er mit dem Ewigen reden dürfen. Gerade noch hat er die Tafeln der Gebote aus Gottes Hand empfangen. Gerade noch hat er diese gute Lebensorientierung seinem Volk bringen wollen. Dann aber hat er sehen müssen wie dieses Volk sich anders orientiert hat, sich einen anderen, selbst gemachten Gott wählt — ein goldenes Kalb auch noch! Vor Wut und Enttäuschung hat er die Tafeln der Gebote gegen den Felsen geschmettert. Nun liegen die Scherben vor seinen Füßen und Mose steht ratlos vor dem ewigen Gott. Und der wendet sich ihm zu:

Der Ewige sprach zu Mose: „Du hast nun einmal Gnade gefunden und bei Deinem Namen habe ich Dich ausgewählt.“ Da bat Mose ihn: „Lass mich doch Deine Herrlichkeit schauen!“ Er aber gab ihm zur Antwort: „Ich will all meine Güte vor Dir vorüberziehen lassen und mit dem Namen des Ewigen vor Dir ausrufen: Ich gewähre Gnade wem ich will und schenke Erbarmen wem ich will.“ Und weiter sprach der Ewige: „Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.“ Dann aber sprach der Ewige: „Hier, diese Stelle da! Stell Dich an diesen Felsen! Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich Dich in eine Felsspalte und halte meine Hand über Dich, bis ich vorüber bin. Dann ziehe ich meine Hand zurück und Du wirst hinter meiner Erscheinung her schauen. Mein Angesicht aber kann niemand sehen.“ Ex 33,17b–23

Gott segne uns durch sein Wort!

Liebe Schwestern und Brüder, es ist nicht vermessen, was Mose verlangt. Es dient nicht der Befriedigung einer Neugierde, wenn er bittet: „Lass mich doch Deine Herrlichkeit sehen!“ Mose stellt damit die Frage: „Kann ich Dir vertrauen, Gott? (Das Volk sucht sich andere Orientierungen!)“ Das ist die Frage eines Menschen, der schwer an seiner Verantwortung trägt. Eines Menschen, dessen Gottesbild gerade in die Brüche gegangen ist. „Kann ich Dir auch weiterhin vertrauen, Gott?“ Das Goldene Kalb war Misstrauensvotum gegen Gott. Der wird reagieren — auf irgendeine Weise. „Was wirst Du tun Gott? Du hast dieses Volk meiner Verantwortung anvertraut. Kann ich Dir nach diesem Vertrauensbruch weiterhin vertrauen?“

„Ja, Mose, Du kannst!“ — Gott nimmt das Anliegen des Mose fürsorglich auf. Und wahrt dennoch das Geheimnis.

Wir kennen diesen Wunsch, ein sichtbares Zeichen zu sehen, zu spüren, zu erleben, wenn uns die Beziehung zu Gott fraglich wird. Längst bevor unsere Lebensorientierung in die Brüche geht und wir vor den Scherben unserer Vorstellungen von Gott stehen, wünschen wir uns, dass Gott uns doch begreiflich sein möge. Dass wir in den Widerständen unseres Lebens einen Halt hätten, der uns hilft, gegen diese Widerstände anzuleben.

Gott nimmt das Anliegen des Mose fürsorglich auf und wahrt dennoch das Geheimnis. Gott wird nicht zum Nothelfer, zum Notnagel. Das nicht! Aber Gott hält die Beziehung: bei Deinem Namen habe ich Dich ausgewählt. Und Gott hält sein Versprechen: ich will den Namen des Ewigen vor Dir ausrufen. Diesen Namen hatte Mose am brennenden Dornbusch gehört: „Ich werde für Euch dasein — ich erweise mich Euch als der, der für Euch da ist — das ist mein Name!“ Das ist der Name und das Versprechen, an das Gott Mose erinnert. Das ist der Name und das Versprechen, an das wir uns erinnern dürfen: Gott ist für uns da, unbedingt! Gott hält die Beziehung.

Gott wahrt sein Geheimnis und dennoch nimmt er das Anliegen des Mose fürsorglich auf: „Hier, diese Stelle da! Stell Dich an diesen Felsen!“

Liebe Schwestern und Brüder, das klingt so beliebig: „Hier, diese Stelle da!“ Aber das ist ganz und gar nicht beliebig. Im hebräischen Text steht ein Wort, für das wir keine deutsche Entsprechung haben:

מקומ Makom

Das ist keine beliebige Stelle — in dem Substantiv „Makom“ steckt das Verb קומ „kum“ — aufrecht stehen, sich aufrichten. Und dieses Verb ist so wichtig, dass es im Neuen Testament einmal zitiert wird: Als Jesus zu einem kranken Mädchen kommt, das von allen schon aufgegeben war, über dem schon die Totenklage angestimmt worden war, sagt Jesus: „Talita kum!“ („Mädchen, steh auf!“ Mk 5,41). Makom — das ist der Ort, an dem Dich Gott aufrichtet. Makom — das ist der Ort, an dem Du vor Gott aufrecht stehen darfst. Als Jakob die Himmelsleiter sieht, ruft er aus: „Wie heilig ist diese Stelle — dieser Makom — ich wußte das vorher nicht!“ (Gen 28,16)

An einen solchen Ort stellt Gott Mose. Dort kann Mose seine Herrlichkeit schauen — jedenfalls soviel davon, wie für ihn fassbar ist. Und das Geheimnis Gottes bleibt gewahrt. Du wirst hinter meiner Erscheinung her schauen. Wir werden Gottes Herrlichkeit im Grunde nur in der Rückschau gewahr. Der Dichter Jochen Klepper hat das in seinem Tagebuch aus der Zeit des Nationalsozialismus so formuliert:

„Manchmal denkt man, Gott müsste einem in all den Widerständen des Lebens ein sichtbares Zeichen geben, das einem hilft. Aber dies ist eben sein Zeichen: dass er einen durchhalten und es wagen und dulden lässt.“

Gott ist niemals der Notnagel, an dem Du Dich halten und durch die Widerstände des Lebens ziehen könntest. Du wirst aber in der Rückschau der Kraft gewahr, die Dich durch diese Widerstände geleitet hat, die Dich aufgerichtet hat.

Vertrau dieser Kraft und Du wirst die nächsten Schritte gehen können.

Amen.

 


— Predigt zum Zweiten Buch Moses 33,17b–23 am 2. Sonntag nach dem Epiphaniasfest, 15. Januar 2017 von Pastor Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Reisepastor der Gemeinde