KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
Telefon +358 9 6869 8513‬
E–Mail kbv@deutschegemeinde.fi

Mitglieder der Gremien und KBV

Gremien

Kirchenbevollmächtigtenversammlung (KBV)
Kirchenrat (KR)
Finanzausschuss (FA)
Wahlausschuss
Kindergartendirektion
Kirchenmusikalischer Ausschuss
Bauausschuss
Diakonievorstand
DSWH–Geschäftsleitung
DSWH–Fondsvorstand
Kapellenrat Turku (Åbo)

Dokumente

< aktuelle Links, Dokumente, Tagesordnungen, Sitzungsprotokolle, Terminübersicht, PDFs und ähnliches… >

Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
Weitere Informationen finden Sie hier


Predigt zu Matthäus 4,12–17 am 1. Sonntag nach Epiphanias, 8. Januar 2017 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Matthäusevangelium im 4. Kapitel. Begonnen hat das Evangelium mit der Beschreibung von der Geburt Jesu und vom Auftreten Johannes des Täufers. Er hatte den Menschen erzählt, dass da bald einer kommen wird, der die Welt auf den Kopf stellen wird. Im Abschluss an unseren Predigttext steht die Bergpredigt. Der Text, in dem Jesus in wunderbaren Worten erzählt, warum durch sein Kommen alles neunwerden wird. Und wie ein Leben an Gottes Seite zu führen ist. Zwischen der Ankunft Jesu in der Welt und seinem ersten großen Aufritt also heute die Erzählung von Beginn seines Wirkens. Ich lese aus dem Matthäusevangelium im 4. Kapitel die Verse 12 bis 17.

[ Lesung Predigttext Matthäus 4,12-17 ]

Ich war in meinem Leben noch nie so oft am Flughafen, um jemanden abzuholen, w ein den letzten Wochen und Monaten. Ich liebe es, Menschen am Flughafen abzuholen. Nicht nur, weil es so schön, einen lieben Menschen wieder in die Arme nehmen zu können. Ich mag es auch, vor dem Ankunfts-Gate zu stehen und den anderen Wartenden zuzuschauen. Ein besonderer Moment. Da ist viel Vorfreude zu sehen und Spannung. Bei dem einen oder anderen auch ein bisschen Sorge: Wie wird es ein, das Wiedersehen? Ich stelle mir auch vor: Auf wen warten die wohl? Auf die Freundin oder den Geschäftspartner? Auf die eigene Kinder, die lange Zeit im Ausland gewesene sind oder die Mutter, die endlich einmal zu Besuch kommt. Und dann öffnet sich die Schiebtür, ein Mensch mit schwerem Gepäck kommt heraus und es kommt die Begrüßung. Manchmal zaghaft und vorsichtig, manchmal stürmisch und voller Tränen. Ich liebe diese Situationen, vielleicht auch, weil sie etwas vom Lebe erzählen. Sie sind wie eine Metapher, ein Bild für das, was Leben ist. Dastehen und erraten dass etwas kommt. Wissen, dass das Gute, das Kommende ganz nah dran ist Eigentlich schon da, fast zum Greifen. Die Zeit des Wartens ist ja keine leere Zeit, da spielt sich so einiges ab. Manchmal sortiere ich da auch meine Gedanken: Was steht an in der nächsten Zeit. Was packen wir an, wenn der Mensch, der da kommt, endlich da ist.

Siehe, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Mit diesem Satz endet der heutige Predigttext. Er ist nicht nur an dieser Stelle in der Bibel zu finden, immer wieder findet sich dieser oder ein ganz ähnlicher Satz in den Evangelien: Das Himmelreich ist nahe. Gott ist ganz nahe. Ich will heute über die Nähe sprechen. Ich will diesen theologisch so bedeutsamen Satz: Das Himmelreich ist nahe, herunterbrechen. Will schauen, was Nähe eigentlich bedeutet in unserem Leben. Vielleicht hat es ja eine Bedeutung, dass Gott nahe ist.

Nähe. Erst einmal ist es interessant, an welchem Ort Jesus nach dem Matthäusevangelium zum ersten Mal auftritt. Galiläa. Das heidnische Galiläa, wie Matthäus es nennt. Das ist nicht das Zentrum. Das ist nicht der Ort, an dem sich die Propheten und weisen Frauen und Männer sammeln. Nicht der Ort, zu dem die Menschen pilgern um Gott anzubeten. Das wäre Jerusalem, oder Bethel, oder zumindest irgendein Ort mit einem Heiligtum. Aber Jesus tritt in Galiläa auf. Am Rande. Bei den Heiden. Das ist, wenn man es sich auf er Karte anschaut, gar nicht weit weg vom Zentrum. Es ist ganz in der Nähe und doch weit weg. Es ist s etwas, wie der blinde Fleck des damaligen Israels. Der Ort, an dem man nicht so gern denkt. Dort, wo die Heiden leben, die mit Gott nicht viel am Hut haben. Und hier tritt Jesus zum ersten Mal auf. Das Signal, das Matthäus hier sendet, war den Menschen damals gleich klar: Hier macht es einer anders, hier rückt jemand die Menschen in die Nähe, die uns erst einmal fremd sind. Und die doch vor unserer Haustür wohnen. Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen. Das Himmelreich ist nahe. Gott ist ganz nahe. Wenn wir daran glauben, dass uns Gott im Menschen Jesus von Nazareth begegnet, dann heißt Gottes Nähe: Nähe zum Menschen. Wenn wir Gott suchen in den geschlossenen Kirchen und in innigem einsamem Gebet und vergessen, dass dort draußen Menschen sind, die unsere Brüder und Schwestern sind, dann haben wir etwas an unserem Glauben nicht verstanden.

Was ist eigentlich Nähe? Wenn wir das deutsche Wort Nähe verwenden, dann können grundsätzlich zwei Dinge gemeint sein. Es gibt die räumliche Nähe, dass etwas in nicht allzu weiter Entfernung zu finden ist. Und es gibt die zeitliche Nähe. Nur noch wenige Augenblicke, dann wird diese oder das geschehen. Beide Seiten von Nähe zeigen an: Da ist etwas noch nicht da. Und doch schon fast zu Greifen. Was nah ist, bestimmt schon unser Leben. Wenn ich sagen: Das Wochenende eist schon ganz nah, dann bin ich vielleicht schon ganz voller Vorfreude auf die kommende freie Zeit. Wenn man den Kindern sage: Mama hat angerufen, sie ist schon ganz nah, sie kommt gleich. Dann werden sie sich mit allem auf das Ankommen der Mutter einstellen, werden vielleicht schon mal Richtung Haustür begeben, warten, dass der Schlüssel sich im Schloss dreht. Was nah ist, ist also noch nicht da, wir haben keinen Zugriff darauf, und doch bestimmt das Nahende schon unsere Dasein, unsere Gefühle, unsere Handlungen.

Nun ist es a merkwürdig, dass in den Evangelien so oft davon gesprochen wird, dass das Himmelreich nah ist. Glauben wir denn nicht, dass mi der Geburt Jesus Gott ein für alle Mal angekommen ist. Ja, glauben wir denn nicht, dass mit der Schöpfung Gott sich mit uns Geschöpfen verbunden hat? Wie kann er da noch nah sein, wenn er doch schon vollkommen da ist? Ich glaube, die Nähe Gottes hat mit Freiheit zu tun. Mit der genialen Umschreibung: Gott ist schon nahe, gibt die Bibel dem Menschen die Möglichkeit, auf den nahen Gott zu reagieren. Wer mir nahe ist, der hat mich noch nicht umklammert. Wenn mir jemand nahe ist, dann sehe ich ihn vielleicht schon. Vielleiht stehen wir uns schon von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Aber ich kann mich immer noch entscheiden, ob ich mich dem nahen Menschen in die Arme werfe, oder ob ich mich umdrehe und fortgehen. Die Nähe Gottes klingt so harmlos. Aber wenn wir es mit anderen Gottesbildern vergleichen, dann mag deutlich werden, wie radikal neu dieses Bild ist. In einer antiken Welt, in der die ganze Welt durchdrungen war von den verschiedenen Göttern gab es kein Entrinnen vor ihnen. Jedes Naturereignis, jeder Augenblick war angefüllt mit göttlichen Kräften. Alles, was die Welt um einen herum ausmachte, war Ergebnis göttlicher Energien. Wenn aber das Himmelreich, das Riech Gottes nahe ist, dann gibt es plötzlich auch eine Welt, die nicht dieses Himmelreich ist. Ja, auch wenn die Bibel es so noch nicht gesagt hatte, aber hier wird eine Tür aufgestoßen in eine moderne Welt. In eine Welt ohne Gott. Du kannst dich entscheiden, ob du mit Gott oder ohne ihn leben willst. Du musst dann auch mit den Konsequenzen leben, auch davon spricht die Bibel. Und vor allem sagt sie: Die Nähe Gottes bleibt. Du magst dich umwenden, fortwenden von deinem Gott, aber er bleibt dir nahe, er dreht sich nicht weg.

Es sind die ersten Worte, die Jesus predigt, die ersten Worte, die er an die Allgemeinheit spricht: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ Die Nähe Gottes verbindet er mit der Buße. Vor einigen Wochen habe ich schon über meine Liebe zu diesem Wort“ Buße“ gepredigt. Denn es heißt eigentlich, wenn man es genau übersetzt aus dem griechischen: Umkehr. Kehre um, denn Gott ist nahe. Jesus stellt hier die Frage: Wo schaust du hin in deinem Leben? Du lebst ein Leben mit Gott im Rücken. Du verlässt dich auf ihn. Stehst jeden Morgen auf, als wenn es selbstverständlich wäre, dass du lebst. Geht’s durch deinen Alltag, als ob es selbstverständlich wäre, dass Menschen da sind, die dich lieben, Luft, die du atmen kannst. Du gehst abends ins Bett und meinst, alles, was dir begegnet ist am Tage, das hast du dir selbst zu verdanken. Du lebst mit Gott im Rücken. Dreh dich um und schau, wie nahe er dir ist.

Gott ist kein übernatürliches Wesen. Gott ist auch kein Funken in uns, den es zu entdecken gilt, wenn wir nur tief genug in uns hineinschauen. Gott ist nahe. Und er begegnet uns im Menschen. Dreh dich um, sagt Jesus. Dreh dich um und siehe, wie nahe er ist. Viel näher, als du manchmal glaubst. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 


— Predigt zu Matthäus 4,12–17 am 1. Sonntag nach Epiphanias, 8. Januar 2017 von Pastor Matti Fischer in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Hauptpastor der Gemeinde