KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
Telefon +358 9 6869 8513‬
E–Mail kbv@deutschegemeinde.fi

Mitglieder der Gremien und KBV

Gremien

Kirchenbevollmächtigtenversammlung (KBV)
Kirchenrat (KR)
Finanzausschuss (FA)
Wahlausschuss
Kindergartendirektion
Kirchenmusikalischer Ausschuss
Bauausschuss
Diakonievorstand
DSWH–Geschäftsleitung
DSWH–Fondsvorstand
Kapellenrat Turku (Åbo)

Die Tageslosung

Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue.

4. Mose 23,19

Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.

Hebräer 1,3

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
Weitere Informationen finden Sie hier


Predigt zu Jesaja 30,8–17 zum Altjahresabend, 31. Dezember 2016 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Jesaja 30,8–17 zum Altjahresabend, 31. Dezember 2016 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

wie die Anfangsszene eines Filmes ist, was unser Predigtabschnitt aus dem Jesajabuch uns vor Augen stellt: Eine unwirtliche Hügellandschaft. Wind streicht darüber. Die Kamera fokussiert auf eine Hügelkuppe. Ein geborstener Fahnenmast. Ein Stück Stoff daran: Rest eines Feldzeichens, Fetzen einer Fahne. Im Wind schlägt die Fahnenleine gegen das Holz – das leichte Schlagen lässt die gespenstische Stille über der Landschaft hörbar werden. Kamerafahrt den Hügel hinab. Ein Schlachtfeld: Söldner, von Pferden überrannt, zerbrochenes Gerät, von den Flüchtenden zurückgelassen. Und mittendrin sitzt einer, der überlebte. Sitzt auf einem umgestürzten Wagen und schreibt auf, was nicht vergessen werden darf:

Ich lese aus dem Jesajabuch im 30. Kapitel:

So geh nun hin und schreib es vor ihnen nieder auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe als Zeuge für immer und ewig. Denn sie sind ein ungehorsames Volk und verlogene Kinder, die nicht hören wollen die Weisung des HERRN, sondern sagen zu den Sehern: »Ihr sollt nicht sehen!«, und zu den Schauern: »Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen! Redet zu uns, was angenehm ist; schaut, was täuscht! Weicht ab vom Wege, geht aus der rechten Bahn! Lasst uns doch in Ruhe mit dem Heiligen Israels!«

Darum, so spricht der Heilige Israels: Weil ihr dies Wort verwerft und vertraut auf Frevel und Mutwillen und verlasst euch darauf, so soll euch diese Schuld sein wie ein Riss, der aufbricht und klafft an einer hohen Mauer, die plötzlich, unversehens einstürzt, wie wenn ein Topf zerschmettert wird, den man zerstößt ohne Erbarmen, sodass man von seinen Stücken nicht eine Scherbe findet, darin man Feuer hole vom Herd oder Wasser schöpfe aus dem Brunnen.

Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein. Aber ihr habt nicht gewollt und spracht: »Nein, sondern auf Rossen wollen wir dahinfliegen«, — darum werdet ihr dahinfliehen, »und auf Rennern wollen wir reiten«, – darum werden euch eure Verfolger überrennen. Denn tausend werden fliehen vor eines Einzigen Drohen, ihr alle vor dem Drohen von fünfen, bis ihr übrig bleibt wie ein Mast oben auf einem Berge und wie ein Banner auf einem Hügel.

Gott segne uns durch sein Wort.

Liebe Schwestern und Brüder, wer setzt diesen Film heute in’s Programm? Wer sucht diese DVD aus für den Silvesterabend?

So ganz unpassend ist das nicht am letzten Tag des gewaltgesättigten Jahres 2016. Wir würden uns diesen Film vielleicht nicht selber aussuchen, aber da er nun schon mal läuft, lohnt es sich dem Mann auf dem umgestürzten Karren über die Schulter zu schauen. Zu lesen was er da schreibt — was zum Zeugnis für die Nachgeborenen aufgeschrieben worden ist. Denn diese Worte beschreiben die Alternative zu den Spuren der Gewalt ringsum. Der Mann beschreibt, was auch möglich gewesen wäre. Der Mann schreibt das auf, weil es auch weiterhin möglich ist:

„Wenn ihr umkehrt und stille bleibt, so wird euch geholfen.
Durch Stillesein und Vertrauen werdet ihr stark sein.“

Der Mann, der das schreibt, ist kein Träumer. Der ist ein Realist. Ein weitsichtiger Analytiker der gewarnt hat vor einer fatalen Bündnispolitik mit unzuverlässigen Partnern: „Das ist ein brüchiger Stab, auf den ihr euch stützt — er wird brechen so dass ihr fallt und euch im Fallen die Hand verletzt.“ Das Schlachtfeld zeigt, wie sehr Jesaja Recht gehabt hat. Aber nicht aus Rechthaberei schreibt er auf, was zu diesem Fall geführt hat. Er will die Alternative offen halten:

„Wenn ihr umkehrt und stille bleibt, so wird euch geholfen.
Durch Stillesein und Vertrauen werdet ihr stark sein.“

Innehalten und sich nicht treiben lassen von zwanghaft tagesaktuellem Reagieren. Innehalten und zurücktreten von der Aufgeregtheit des Nachrichtengeschäfts. Stille werden und sich bewußt werden: Wo stehe ich? In welche Richtung gehe ich? Warum gehe ich gerade in diese Richtung? Habe ich mich für diese Richtung entschieden? Oder lasse ich mich in diese Richtung treiben? Wäre Umkehren nicht die lebenswertere Entscheidung als weiter rennen und irgendwann überrannt werden?

„Durch Stillesein und Vertrauen werdet ihr stark sein.“ Vertrauen worauf?

Jesaja sagt: Vertraue darauf, dass Gott in der Geschichte handelt. Es ist keine gottlose Geschichte, in der Du lebst. Darauf kannst Du Vertrauen: Gott hat der Welt anderes und besseres zugedacht als dieses Schlachtfeld. Halt inne und orientiere Dich neu. Orientiere Dich an dem Leben, das Gott uns zugedacht hat. Und das wir aus den Augen verlieren, wenn wir uns treiben lassen vom Twittertakt. 140 Zeichen reichen aus, um Hoffnung zu zerstören. Aber um Hoffnung zu begründen, braucht es mehr: Werde still, damit Hoffnung wieder Grund fasst. Halte inne, damit Vertrauen wieder stark wird. Du brauchst nicht zu resignieren — die Zeichen Deiner Hoffnung einzuholen, wie so ein Fähnchen, dass da auf dem Hügel im leeren Wind weht, am Ende der Fahnenstange.

Halte inne. Werde still. Resigniere nicht sondern prosigniere: Setz die Zeichen Deiner Hoffnung so weit voraus, wie Du es eben verantworten kannst. Du lebst in einer Geschichte, die nicht Gott–los ist.

Ja, Gott, danke, dass dieser Film am Silvesterabend 2016 spielt.

Amen.

 


— Predigt zu Jesaja 30,8–17 zum Altjahresabend, 31. Dezember 2016 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.


Reisepastor der Gemeinde