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Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu Matthäus 1,18–25 am Zweiten Christtag, 26. Dezember 2016 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Predigt zu Matthäus 1,18–25 am Zweiten Christtag, 26. Dezember 2016 in der Deutschen Kirche in Helsinki

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

ein dunkler Stall — im schmalen Lichtkreis einer Stalllaterne das liebe Gesicht Marias, die Krippe, das Kind. Und mehr noch als von der Stalllaterne geht von diesem Kind ein Lichtschein aus — ein Lichtschein, der auf die Hirten fällt — die stehen dort oder knien und beten und voll andächtiger Freude.

So stellen uns die Gemälde alter Meister das Weihnachtsgeschehen vor Augen. Und auf diesen alten Gemälden lädt keine Figur uns so wie Joseph ein, in sie hineinzuschlüpfen, mit ihren Augen das Weihnachtsgeschehen zu sehen. Joseph, der die Stalllaterne hält und hinter ihrem Schein zurücktritt — still, zurückhaltend. Die knieenden Hirten mit ihren ausdrucksstarken Gebetsgesten sind uns da fremder, ferner, als dieser Joseph, der da still steht, verhalten, betrachtend.

Dieser Joseph ist uns nahe — menschlich, was von ihm erzählt wird: die Ratlosigkeit, als er von Marias Schwangerschaft erfährt; das Grübeln, wie dieses Problem wohl ohne große Beschämung für Maria zu lösen sei. Joseph, der dem Engel glaubt — ohne große Worte zu machen, ohne erst noch Fragen zu stellen. Joseph, der dem Engel ganz schlicht und vorbehaltlos glaubt, und Maria zu sich nimmt. Fürsorglich hält er die Stalllaterne. Sein Blick, hinter dem Lichtschein eher zu erahnen: staunen und doch grübelnd, einverstanden und doch nach Verständnis suchend. Das kann er noch nicht fassen, was das mit diesem Kind wohl ist.

Sein Sohn — ein kleiner, hilfloser Mensch. Und doch auch Gottes Sohn — ein Retter und Helfer. Das kann Joseph noch nicht fassen, das zeigt sein Blick — und darin ist er uns nahe. Denn wir stehen wie Joseph vor dem Geheimnis:

„dass dieses schwache Knäbelein
soll unser Trost und Freude sein,
dazu den Satan zwingen
und letztlich Frieden bringen.“

Das geht über unser Begreifen. Das lässt sich nicht feststellen, nicht gültig beschreiben, nicht ein für allemal in Worte fassen. Über dieses Geheimnis reden wir mit vorsichtig tastenden Worten, das malen die alten Meister mit ganz feinem Pinsel in ihre Gemälde hinein, verschlüsseln dieses Geheimnis, um es nicht zu verletzten. Das ziehen sie nicht plakativ ins Licht, sondern malen davon in den Blumen, die vor dem Stall wachsen: die virga jesse, die da neben einem alten Balken sprosst.

Die alten Meister malen davon in dem Mandelzweig, der durchs Stallfenster herein lugt und an dem in unverletzter Schale ein köstlicher Kern wächst. Die alten Meister malen davon auch im Gewand Marias, in dem, was unter dem blauen Himmelsmantel und dem purpurnen Gewand der Himmelskönigin sichtbar wird: das weiße Kleid der jungfräulichen Magd. Dass wir doch voller Ehrfurcht vor diesen Gemälden stehen könnten! Bei allem staunenden Unverständnis doch mit viel Sympathie für diese geheimnisvolle Sprache. Dass wir dem Matthäusevangelium doch dieses vorsichtig tastende Sprechen wieder ablauschen mögen, mit dem er da von der Herkunft des Emmanuel spricht:

„Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau anzunehmen; denn das in ihr Gezeugte ist aus heiligem Geist.“

Diese vorsichtige Sprache ist doch Welten entfernt von dem Plauderton, mit dem das „natus ex virgine“ — die Geburt aus einer Jungfrau — heute abgetan wird als eine naturwissenschaftliche Absurdität.

Dass wir doch wieder annehmen könnten, dass in dieser zauberhaften Geschichte sehr viel mehr Einsicht gefasst ist, als wir ihr bestenfalls entgegenbringen. Denn darin ist ein Schlüssel verborgen. Darin ist der Schlüssel verborgen zu der Tür vor dem Geheimnis der Weihnacht. Und diese Tür lässt sich nicht einrennen; die lässt sich nicht durch Hintertüren umgehen. Diese Tür öffnet sich dem, der diesen Schlüssel nicht achtlos beiseite wirft:

Es ist der Schlüssel zu dem Wort „Emmanuel“ — „Gott ist mit uns“. In „diesem schwachen Knäbelein“ ist „Gott mit uns“. Jesus — dieser Name über allen Namen — heißt: „Gott rettet“ — „er wird sein Volk retten aus all ihren Sünden“, wird sie herausführen aus den Teufelskreisen, in denen unsere Welt immer neues Leid gebiert.

„Wahr Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.“

Das singen wir im Weihnachtslied und nirgendwo ist das so schön miteinander verwoben, wie in dieser Geschichte, ganz am Anfang des Matthäusevangeliums. Dieses „Schwache Knäbelein“ ist wirklich ganz und gar Mensch — ist wirklich ganz und gar einer von uns. Aber er ist auch ganz und gar Gott — ist wirklich ganz und gar einer für uns. Er ist der Emmanuel, der, in dem Gott ganz und gar mit uns ist.

In keiner Geschichte ist das so schön miteinander verwoben, wie hier, ganz am Anfang des Matthäusevangeliums. Und ganz am Ende des Matthäusevangeliums, im allerletzten Satz, da gibt uns dieser Emmanuel eine große Gewissheit mir: Da sagt dieser Emmanuel:

„Siehe, ich bin bei euch — ich bin mit euch — alle Tage bis an der Welt Ende.“

Amen.

 


— Predigt zu Matthäus 1,18–25 am Zweiten Christtag, 26. Dezember 2016 von Pastor Hans–Christian Beutel in der Deutschen Kirche in Helsinki.

 


Reisepastor der Gemeinde