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Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Matthäus 6,26

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Predigt zu Lukas 1,39–45 zum Vierten Advent, 14. Dezember 2016 in der Kirche von Salo

Predigt zu Lukas 1,39–45 zum Vierten Advent, 14. Dezember 2016 in der Kirche von Salo

Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Der Evangelist Lukas ist ein genialer Erzähler — sein Evangelium kann man wie einen Roman lesen. Wir spüren das nur meistens nicht wenn wir immer nur ganz kurze Ausschnitte aus seinem großen Doppelroman von Evangelium und Apostelgeschichte lesen.

Auch unser Evangeliumstext für den 4. Advent steht in einem großen Zusammenhang, den ich kurz nacherzählen möchte:

1. Ein Engel kündigt dem greisen Priester Zacharias die Geburt eines Sohnes an. Zacharias und seine Frau Elisabeth hatte lange Zeit um ein Kind gebetet. Aber nun, da beide alt geworden sind, kann Zacharias dem Engel nicht mehr glauben und wird stumm. Ganz folgerichtig: ein Priester der nicht mehr daran glaubt, dass Gott hört und handelt, der hat nichts mehr zu sagen — Zacharias wird stumm.

2. Der Engel kündigt der Maria die Geburt ihres Sohnes Jesus an.

Nun hören wir 3. wie sich Elisabeth und Maria begegnen — wie sich die Lebenswege ihrer Söhne von allem Anfang an miteinander verbinden: Jesus, Sohn der Maria und Johannes der Täufer, Sohn von Elisabeth und Zacharias.

Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes! Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.

Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.
 Er übt Gewalt mit seinem Arm
 und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit. Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.

Maria geht, ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen. Der Engel, der ihr die Geburt ihres Sohnes ankündigt, hat ihr das als Zeichen gesagt: „Siehe, Elisabeth ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter — sie, von der man gesagt hat, dass sie unfruchtbar sei.“ Maria tut gut daran, diesem Hinweis des Engels zu folgen. Und so geht sie in das Dorf und in das Haus des Zacharias und seiner Frau Elisabeth.

Maria macht sich auf den Weg, so wie sich in der Heiligen Nacht die Hirten auf den Weg machen, um nach dem Zeichen zu suchen, das der Engel ihnen gesagt hat. Und sie werden es finden — wie der Engel es ihnen gesagt hat.

In diesem Losgehen, sich auf den Weg machen und nachsehen, äußert sich der Glaube. Lukas erzählt, wie der Glaube Menschen auf den Weg bringt. Um eine Neugier zu befriedigen oder einen Zweifel auszuräumen, hätten sich die Hirten nicht auf den Weg gemacht. Dazu war die Gefahr zu groß, bei der Rückkehr keine Schafe mehr vorzufinden. Und nicht Neugier oder Zweifel bringen Maria dazu, einen Weg von drei bis vier Tagesreisen anzutreten. Dazu waren die Mühsal der Reise, das zu befürchtende Unverständnis ihrer Eltern, die drohenden Verwicklungen mit ihrem Verlobten Joseph zu groß. Glaube aber lässt all diese Besorgnisse in den Hintergrund treten: Da zählen nicht mehr die Schafe in den Hürden, da zählt nur noch: Euch ist heute der Heiland geboren. Da zählen keine familiären Verpflichtungen mehr, da zählt nur noch: Siehe, Elisabeth ist schwanger — die vermeintlich unfruchtbare, siehe — geh hin und sieh. Aus diesem Glauben heraus werden später Petrus und seine Gefährten ihren Fischereibetrieb zurücklassen und sich auf den Weg der Nachfolge machen. Aus diesem Glauben wird Levi seinen Zollstand zurücklassen und sich Jesus anschließen.

Glaube — das macht uns das Lukasevangelium klar — Glaube drängt darauf, loszugehen und Erfahrungen zu machen. Ein Wagnis ist das allemal. Aber wer nichts wagt, der nichts gewinnt — davon ist Lukas überzeugt. Geh los, probiere das aus, was Jesus dir sagt. Lass dich nicht aufhalten von Vorsicht oder Zweifel, von frommem Anstand oder berechnender Absicherung. Es sind entschlossene, verwegene und wagemutige Leute, die wir in Jesu Gesellschaft finden werden.

Maria geht los — geht in das Haus des Zacharias. Von dem hören wir nichts weiter. Stumm, wie er ist, hat er zu dieser Geschichte nichts beizutragen. Hier reden die Frauen — und die haben was zu sagen: Vom heiligen Geist erfüllt sagt Elisabeth (und sie sagt laut heraus): „Gesegnet bist du unter den Frauen — und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Das Kind in meinem Leib hüpft vor Freude: Die Mutter des Messias kommt zu uns!“

Liebe Schwestern und Brüder, zunächst hat die Geschichte fast etwas Niedliches: im Mutterleib schon erkennt Johannes der Täufer Jesus, den Herrn und Heiland. Und wir sind geneigt, mit einem feinen Lächeln zu sagen: „Na, Lukas, hast du da nicht ein bisschen zu dick aufgetragen?“

Ernster wird es, wenn man zu suchen beginnt — wo kommt denn das vorher schon einmal in der Bibel vor, dass von der Bewegung eines Kindes im Mutterleib berichtet wird?

Im ersten Buch der Bibel gibt es das schon einmal: Jakob und Esau beginnen ihren Streit schon im Leib ihrer Mutter Rebekka: „Rebekka ward schwanger“, so lesen wir da, „und die Kinder stießen sich miteinander in ihrem Leib. Da sprach sie: Wenn mir’s so gehen soll, warum bin ich schwanger geworden? Und sie ging hin, den HERRN zu befragen. Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Leibe und ein Volk wird dem anderen überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen. Als nun die Zeit kam, dass sie gebären sollte, siehe, da waren Zwillinge in ihrem Leib.“
Vom Beginn erbitterter Feindschaft wird hier erzählt, einer Erbfeindschaft, in die Menschen hineingeboren werden — buchstäblich von Kindesbeinen an.

Lukas entwirft ein Gegenbild. Lukas konnte davon ausgehen, dass seine Leser solche Anklänge mit wacher Erinnerung wahrnehmen und ihre Schlüsse daraus ziehen. Lukas erzählt ja seine Geschichte zu einer Zeit, in der die Gefahr besteht, dass sich da zwei Konfessionen gegeneinander bilden — die Jesusjünger und die Johannesjünger. Lukas entwirft ein Gegenbild zu den zerstrittenen Brüdern Jakob und Esau und ihrer schlimmen Feindschaft. Und Lukas lässt darin etwas von Gottes langem Atem deutlich werden: Was seit grauer Vorzeit die Geschichte prägt, Hass und Bruderzwist, das wird in Jesus überwunden. Von langer Hand ist das vorbereitet und kommt nun in Jesus zu seiner Erfüllung: Versöhnung unter den Menschen! Deshalb stellt Lukas ja überhaupt seinem Evangelium diese ganze Vorgeschichte voran. Er macht deutlich: Was in Jesus geschieht, dass ist bei Gott von langer Hand vorbereitet. Und wer Gottes Handeln in der Welt verstehen will, muss es lernen, in langen Zeiträumen zu denken. Wie kurz greift unsere Frage: „Wie kann Gott das zulassen?“ Eine Frage, die voraussetzt, dass Gott willkürlich und prompt in die Geschichte eingreift, wenn etwas offensichtlich schief läuft.

Wer Gottes Handeln in der Welt verstehen will, muss es lernen, in langen Zeiträumen zu denken. Wer sich aber Gottes Handeln in der Welt stellen will, daran Anteil nehmen will, muss es lernen, das zu tun, was heute getan werden muss. Muss es wagen, heute loszugehen und die nötigen Schritte zu gehen — wie Maria losgegangen ist und wie nach ihr die Hirten losgegangen sind und sich Petrus und seine Gefährten auf den Weg gemacht haben und wie Levi von seinem Zollstand aufgestanden und losgegangen ist. Sich nicht mutlos hinsetzen, weil die sichtbaren Erfolge auf sich warten lassen. Mit Gott Schritt halten, auch wenn der Weg sich als lang und beschwerlich erweist.

Elisabeth bringt es auf den Punkt. Sie sagt zu Maria: „Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.“
„Es wird vollendet werden.“ — Das verheißt keine kurzfristige Erfüllung der Verheißung.
„Es wird vollendet werden.“ — Darin deuten sich lange Zeiträume an.
„Es wird vollendet werden.“ — Darin spricht sich aber auch die Gewissheit aus, dass die Verheißungen sich erfüllen werden. Und selig, wer glaubt und sich von diesem Glauben bewegen lässt, loszugehen wagt und heute Erfahrungen mit diesem Glauben macht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus — er ist unser Herr.

Amen.

 


— Predigt zu Lukas 1,39–45 zum Vierten Advent, 14. Dezember 2016 im Gottesdienst in der Salon kirkko.


Reisepastor der Gemeinde