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Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue.

4. Mose 23,19

Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.

Hebräer 1,3

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Predigt zu Matthäus 21,1–9 am Ersten Adventssamstag, 26. November 2016 in der Mukkula kirkko in Lahti

Predigt zu Matthäus 21,1–9 am Ersten Adventssamstag, 26. November 2016 in der Mukkula kirkko in Lahti

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Schöpfer, von Jesus Christus, unserem Erlöser, und vom Heiligen Geist, unserem Tröster. Amen.

Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.« Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf. Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist der? Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.
Gott segne uns durch sein Wort!

Alle Jahre wieder reiste der römische kaiserliche Statthalter Pontius Pilatus nach Jerusalem. Immer zur Zeit des Passahfestes. Er liebte diese Reise nicht — es war angenehmer in Caesarea, der neuen Residenzstadt unten am Meer. Aber zum Passahfest musste auch er hinauf nach Jerusalem.

Und zwar nicht als Festpilger — Pilatus hasste diesen Passah–Rummel, der Juden aus dem ganzen Land nach Jerusalem zog. Passah — das Fest der Befreiung der Juden aus ägyptischer Sklaverei. Da brodelte es bedrohlich in den engen Gassen Jerusalems und so manch einer dieser Festpilger zog wohl insgeheim seine Parallele: „Damals Ägypter — heute Römer, damals Pharao Ramses — heute Caesar Tiberius: Gott wird sein Volk aus der Knechtschaft führen. Er wird kommen, der neue Mose! Und dann hat das rote Meer grüne Welle.“

Pilatus reist missmutig nach Jerusalem. Aber seinen Missmut zeigt er nicht. Seine Mimik folgt dem genauen Reglement dieses Tages: Truppenparade! Pferde, Helme, Fahnen, Posaunen. Pilatus auf einem schweren, gepanzerten Pferd — die Hand am Schwertgriff. Hier wird demonstriert, was römische Heeresmacht bedeutet. Pilatus ist nicht da, um Gefühle zu zeigen — sein Gesicht hat auszudrücken, wie gnadenlos er mit jedem Aufrührer verfahren wird! Und das tut es. Pilatus hat seine Rolle gut gelernt und er wird sie perfekt spielen. Er spielt sie vor dem Volk, das ihm am Stadttor zujubelt. Der Jubel gehört zum Stück, das hier gespielt wird — in Szene gesetzt von einer Vorauseinheit mit locker sitzenden Kurzschwertern. Und die Menschen jubeln verbissen, geballte Fäuste werden gut in den Gewandfalten versteckt. „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Caesar Tiberius — zur Hölle möge er fahren!“

Am Westtor von Jerusalem wird dieses Schauspiel aufgeführt: Pilatus zieht in Jerusalem ein und mit ihm ein Großaufgebot römischen Militärs. Durchs Westtor kommt man nach Jerusalem, wenn man von Caesarea nach Jerusalem reist.

Reist man allerdingt von Betfage aus nach Jerusalem, dann kommt man durchs Osttor in die Stadt. Und dieses Osttor ist zur Stunde kaum bewacht. Alle verfügbaren Kräfte werden ja am anderen Ende der Stadt gebraucht, um dort den gehörigen Jubel zu inszenieren. Und so gibt es kaum eine nennenswerte Wache, die sich dem echten Jubel hier entgegenstellen könnte. Hier braucht es keine Vorauseinheit, um für Jubel zu sorgen — hier jubeln die Menschen, weil sie Grund dazu haben. Hier braucht es keine Inszenierung für den Jubel — hier improvisiert der Jubel selbst. Er reißt Palmzweige ab und wirft sie über den Straßenstaub. Gewänder werden zu Teppichen und die Worte ergeben sich von selbst: „Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn — Hosianna dem Sohn Davids!“ Der reitet durchs Osttor — auf einem Esel!

Ist das eine Parodie auf Pilatus und den starken, gepanzerten Hengst, den er reitet? Ist dieser ganze Aufzug hier eine Persiflage auf den Pomp, der sich da zeitgleich durchs Westtor schiebt?

Nein, das ist mehr als Parodie und Persiflage — das ist Prophetie!

Da nimmt einer die Heilige Schrift beim Wort und inszeniert einen Einzug, wie er im Buche Sacharja steht: „Siehe, Jerusalem, Dein König kommt zu Dir, sanftmütig und reitet auf einem Esel.“ Denn Dein König ist kein Angstmacher, wie dieser Statthalter am Westtor. Dein König ist ein Ermutiger. Einer der dich singen lässt, was das Herz Dir eingibt: „Hosianna in der Höhe!“ Und Du stimmst ein und singst, bis die Angst Dich verlassen hat. Bis die Angst Dich verlassen hat, weil sie weiß: An einem Menschen, der von Freiheit singt, ist sie machtlos.

Gewiss — Pilatus hat nur fünf Tage gebraucht, um fertig zu werden mit diesem Provokateur. Nach fünf Tagen war diese Hoffnung zertreten und tot. Pilatus hat seine Rolle perfekt gespielt: Die Herrschaft der Angst wackelte nur fünf Tage und vier Nächte lang. Dann war wieder Ruhe! Friedhofsruhe! Drei Tage lang! Und zwei Nächte! Bis zu dem einen Tag, der alles verkehrte: Aus Tod zum Leben rief, aus Lähmung zur Freude. Der Angst in Mut verwandelte und Trauer in Hoffnung.

Liebe Schwestern und Brüder,

der 1. Adventssonntag stellt uns an das Osttor von Jerusalem. Das Evangelium dieses ersten Sonntags im neuen Kirchenjahr zieht uns weg vom Westtor, an dem die Angst regiert und führt uns hinüber zum Osttor, wo der Jubel herrscht. Dazwischen liegt ein Weg, ein Weg den wir gehen müssen — bewusst gehen müssen. Lass hinter Dir, was Dich ängstet und stell Dich dem zur Seite, der Dich frei macht. Entscheide Dich, sagt Dir der 1. Advent. Entscheide Dich gegen die Angst und für die Freude.

Denn es ist ja durchaus nicht so, als sei die Angst geringer geworden in den zwei Jahrtausenden, seit diese beiden so ungleichen Reiter in Jerusalem eingezogen sind. Am eindrücklichsten hat die Gleichzeitigkeit von Angst und Freude wahrscheinlich Jochen Klepper in seinem Adventslied formuliert:

Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und –schuld.
Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr,
von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.

Und Jochen Klepper nehme ich ab, das diese Zeilen nicht poetisch gedacht sondern existenziell erfahren sind. Bleib nicht im Schatten der Angst stehen, wende Dich dahin, wo Dir das Licht entgegenkommt: nach Osten. Denn

Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Amen.

 


— Predigt zu Matthäus 21,1-9 am Ersten Adventssamstag, 26. November 2016 im Gottesdienst in der Mukkula kirkko in Lahti.


Reisepastor der Gemeinde