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Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue.

4. Mose 23,19

Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.

Hebräer 1,3

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Predigt über Epheserbrief 2,11–22 am 2. Sonntag nach Trinitatis, 8. Juni 2016 im Sommergottesdienst in Rantasalmi

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater, von Jesus Christus, unserem Bruder und vom Heiligen Geist, unserem Tröster. Amen.

Liebe Gemeinde,

eine Schulklasse besucht die Kirche von Mieste — einem Dorf in der Altmark. Der Pfarrer führt die Kinder durch das Kirchenschiff und erklärt, was zu Altar, Taufstein und Kanzel zu erklären ist. Und an dieser Kanzel bleibt ein Mädchen stehen. Der Kanzelbehang fesselt sie. Das Mädchen versucht, zu entziffern, was dort mit altdeutscher Schrift gestickt steht: „Lasset Euch verwöhnen mit Gott!“

Beim Apostel Paulus heißt das noch „Lasset Euch versöhnen mit Gott!“ — aber dieser Lesefehler ist eigentlich die schönste Übertragung für unseren Predigttext an diesem Sonntag: „Lasset Euch verwöhnen mit Gott!“

Ich lese uns Worte aus dem Epheserbrief im 2. Kapitel:

Denkt daran, dass ihr, die ihr von Geburt Heiden gewesen seid, zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst Ferne wart, Nahe geworden durch das Blut Christi.
Denn Christus ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war. Durch das Opfer seines Leibes hat er abgetan das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen, damit er Frieden mache und die Fernen wie die Nahen versöhne mit Gott. Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Gott segne uns durch sein Wort!

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

ein großes Staunen kommt uns aus diesem Predigtabschnitt entgegen. Ein großes Staunen darüber, dazuzugehören. Dieser Epheserbrief ist an Menschen gerichtet, die immer wieder erfahren haben: Wir gehören nicht dazu — zu Gottes Volk gehören wir nicht, weil wir Heiden sind — Ausgeschlossene, Ferne.

Und wir, die Fernen, sind deutlich unterschieden von denen, die Gott nahe sind. Die zu Gottes Volk dazugehören. Ganz selbstverständlich dazugehören. Am deutlichsten wird die Trennung zwischen denen, die nahe sind und denen, die fern stehen, wohl im Jerusalemer Tempel. Dort gab es eine Mauer, die den Vorhof der Heiden vom eigentlichen Tempelhof trennte. Wer zu Gottes Volk gehörte, der ging durch die Pforte in der Tempelmauer. Wer nicht dazugehörte, blieb draußen vor der Tür. Ohne Zutrittsrecht, Zugang zu Gott. Das prägt sich ein.

Über Jahrhunderte hatte sich das eingeprägt: Du gehörst nicht dazu — Du bist ein Heide! Du bist Gott fern.

Und plötzlich dieses Staunen: Die Mauer ist verschwunden! Du hast Zutritt! Zugang zum Vater! Du bist Gott nicht fern — Gott kommt Dir nahe. Lass Dich verwöhnen mit Gott! Gott tut Dir gut!

Was war da geschehen? Wer hat diese Mauer eingerissen?

Die Mauer im Tempel war schon länger verschwunden — in einem Krieg ist der Tempel zerstört worden und mit ihm die Mauer am Vorhof der Heiden. Was aber nicht viel heißt. Wir haben ja Erfahrungen damit, wie lange die Mauer in den Köpfen noch trennt, auch wenn die realen Mauern längst verschwunden sind.

Was war geschehen, dass die Mauer in den Köpfen ihre trennende Macht verloren hat?

Unser Predigtabschnitt bringt es auf einen kurzen Satz: „Christus ist unser Friede“. Christus hat diese Mauer überflüssig gemacht.

Christus hat die Mauer überflüssig gemacht, die damals zwischen Juden und ehemaligen Heiden verlief. Zwischen denen, die Gott nahe waren und denen, die fern bleiben mussten.

Ich finde es wohltuend, dass im Epheserbrief keine Vorwürfe laut werden — es ist keine Rede davon, dass die einen die anderen ausgrenzen, nichts mit ihren zu tun haben wollten, sich hinter Mauern abgrenzten. Die Mauer war da — weil sie über Jahrhunderte gewachsen war. So wie heute Mauern da sind — Mauern, die Menschen im Zentrum einer Gemeinde von den Randsiedlern trennen. Unsichtbar aber wirksam. Mauern, die Menschen voneinander trennen, die im Glauben an Jesus Christus aufgewachsen sind und Menschen, die inzwischen schon in der dritten oder vierten Generation ohne Gott aufgewachsen sind. Menschen, mit denen wir so schwer in ein Gespräch über unseren Glauben kommen und von denen wir doch ahnen, dass ihnen die Begegnung mit diesem Glauben gut tun könnte. Menschen, denen wir doch das wünschen, was uns selbst gut tut. Menschen, denen wir das gerne sagen möchten: „Lasset euch verwöhnen mit Gott!“

Wir erfahren dabei, wir wirksam diese über Generationen gewachsene Fremdheit ist. Wir erfahren dabei, wie schwer es ist, Nähe zu den Kirchenfernen zu gewinnen.

Wir erfahren dabei, wie mühevoll es ist, Menschen über ihre Schwellenängste hinweg zu helfen.

Christus ist das gelungen — so sagt es unser Predigtabschnitt. Christus ist es gelungen, die Nahen und die Fernen miteinander zu verbinden — sie zu Hausgenossen und Mitbewohnern im Haus Gottes zu machen. Und das beeindruckt mich!

Es gelingt Christus, eine neue Kultur in diesem Haus Gottes zu gestalten. Die Kultur des Evangeliums. An dieser Kultur des Evangeliums können wir uns orientieren: Für dieses Haus Gottes gab es eine Hausordnung. Und jeder der in einem Mietshaus wohnt, weiß, wie prägend eine Hausordnung für das Miteinander der Mietparteien sein kann — im Guten und im Schlechten. Wie prägend ist es für eine Hausgemeinschaft, wenn man sich untereinander immer wieder auf die Hausordnung hinweist.

Mit dieser Hausordnung geht Jesus sehr frei um. „Er hat abgetan das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen.“ — So steht es im Epheserbrief. Jesus gelingt es an die Stelle einer zwar sinnvollen aber dennoch engen Hausordnung den Geist des Miteinanders in den Hausbewohnern zu wecken. Wie verschieden waren die Menschen im Jüngerkreis Jesu: Ein akademisch gebildeter Grieche und ein jüdischer Tagelöhner miteinander an einem Tisch — ein ehemaliger römischer Beamter und zwei Angehörige jüdischer Befreiungsorganisationen. Das sind Spannungen, die jede Hausgemeinschaft sprengen können. Jesus verbindet diese Menschen miteinander, indem er seine Hoffnung mit ihnen teilt. Das ist die Kultur des Evangeliums.

Das Haus Gottes hatte feste Türen — es war eindeutig, wer Zutritt hatte und wer Zaungast blieb. Jesus öffnet diese Türen weit und einladend. Jesus öffnete diese Türen gerade für die, die sonst außen vor blieben. Wir haben das in der Evangeliumslesung gehört: „Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, das mein Haus voll werde.“ — „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Das gehört zur Kultur des Evangeliums: die weit geöffnete Tür und die offene, einladende Atmosphäre.

Und auch das gehört zur Kultur des Evangeliums: die gemeinsame Feier, die Gastlichkeit, das gemeinsame Essen an einem Tisch. Wie oft wird das von Jesus erzählt, dass er Brot und Wein teilt und einlädt, miteinander zu essen. Das ist so wichtig gewesen, dass im Evangelium sogar mit dem Unterton von Enttäuschung berichtet wird: Einmal kamen so viele Mühselige und Beladene zu Jesus, dass nicht einmal Zeit blieb, miteinander zu essen. Diese Kultur der Gastlichkeit und des gemeinsamen Feierns in unseren Gemeinden zu pflegen — vielleicht ist das das wichtigste überhaupt, was wir heute tun können, um die Nahen und die Fernen einander wieder näher zu bringen.

Und noch etwas gehört zu dieser Kultur, die für Jesus so typisch ist: Wertschätzung. Jesus sieht in jedem Menschen einen Sohn oder eine Tochter Gottes. Vielleicht einen verlorenen Sohn, vielleicht eine belastete und unfreie Tochter — dennoch aber immer Gottes Kind. Und so fern kann niemand sein, dass das Tischtuch zerschnitten wäre, dass für einen Menschen die Rückkehr in das Haus des Vaters nicht mehr offen stünde. Wie prägt diese Wertschätzung das Zusammenleben in Gottes Haus! Du bist Gottes Kind und der Mensch neben Dir ist ebenso Gottes Kind — beide von Gott geliebt und deshalb Bruder, Schwester.

Wertschätzung gehört also zur Kultur des Evangeliums und damit hängt noch etwas zusammen: Zutrauen. Jesus traut jedem Menschen zu, dass er oder sie etwas beitragen kann zum Leben in diesem Haus. Und seien es nur fünf Brote oder zwei Fische. Jeder und jede von uns hat etwas einzubringen in das Leben im Haus Gottes. Paulus hat diesen Gedanken noch weitergeführt — Paulus sagt: Jeder und jede von uns hat mindestens eine Gabe von Gott geschenkt bekommen, die wichtig ist für unser Zusammenleben in unseren Gemeinden. In der Taufe hast Du eine Gabe geschenkt bekommen, die wichtig ist für das Wachsen Deiner Gemeinde. Mach Dir bewusst, welche Gabe Gott Dir anvertraut hat und bring sie ein — Du tust Dir selbst und anderen damit gut.

Liebe Schwestern und Brüder — so vieles gehört noch zu der Kultur des Evangeliums dazu — mehr als sich in einer Predigt sagen lässt. Es ist eine ausgesprochen kinderfreundliche Kultur — und es ist eine ermutigend angstfreie Kultur. Wo Menschen Jesus begegnen, werden sie aufgerichtet und können Belastungen ihrer Vergangenheit hinter sich lassen. Und sie schöpfen Hoffnung. Sie finden Orientierung für ihr Leben und das Ziel, dem sie entgegenleben. Sie lassen sich verwöhnen mit Gott.

Was ist das für ein Leben im Haus Gottes, das von dieser Kultur des Miteinanders geprägt wird! Das glaube ich: Gemeinden wachsen an dieser Kultur des Evangeliums. Gemeinden wachsen zunächst einmal innerlich — der Epheserbrief spricht das so aus: „Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.“ An diesem offenen und liebevollen Umgang miteinander wachsen Gemeinden innerlich — und wo es gelingt, die Nahen und die Fernen, die Kerngemeinde und die Randsiedler zusammenzubringen, da wächst in einer Gemeinde dann auch das zusammen, was zusammengehört.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsren Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe.

Amen.

 


Predigtlied EG 288,1-6: „Nun jauchzt dem Herren alle Welt“

— Predigt über Epheserbrief 2,11-22 am 2. Sonntag nach Trinitatis, 8. Juni 2016 im Sommergottesdienst in Rantasalmi.


Reisepastor der Gemeinde