KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
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Die Tageslosung

Weil dein Herz weich geworden ist und du dich gedemütigt hast vor Gott, so habe ich dich auch erhört, spricht der HERR.

2. Chronik 34,27

Paulus schreibt: Ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.

1. Korinther 15,9-10

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Mobilität mit menschlichem Maß

Ein kurzes Gedicht von Bertolt Brecht begleitet mich — seit vielen Jahren schon, und in den letzten Wochen noch einmal neu…

Ich sitze am Straßenhang.
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
mit Ungeduld?

Bertolt Brecht, Der Radwechsel

„Ich bin nicht gern, wo ich herkomme. Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.“ Buchstäblich genommen stimmen diese beiden Sätze wahrscheinlich für wenige von uns. Aber sie sind Brechts eindringliches Bild für die Unbehaustheit des Menschen in der Moderne. Und die Postmoderne hat dem Menschen kaum Räume eröffnet, in denen sie und er sich hätten beheimaten können. Das prägt die Mobilität unseres Lebens — das prägt ihr beinahe einen zwanghaften Charakter auf, eine Unrast, die uns schwer zur Ruhe kommen lässt.

Das Merkwürdige dabei ist, dass sich diese Unrast über die Jahrhunderte und Jahrtausende zurückverfolgen lässt bis in unsere Bibel hinein. Die Geschichten von Abraham, Isaak und Jakob machen das deutlich: unser Glaube wurzelt in einer Nomadenkultur und das Unterwegssein ist das Normale in ihr. Dem sesshaften Leben dagegen begegnen diese alten Geschichten reserviert und mit Mißtrauen. „Die sesshafte Lebensweise“, so sagen sie, „lässt dich leicht den Gott vergessen, der Dir sagt: Brich auf und geh aus Deinem Vaterhaus und zieh in das Land, das ich Dir zeigen werde!“

Das ist der Grundimpuls unseres Glaubens, und er verstärkt sich in all den Geschichten von Vertreibung, Flucht und Heimatlosigkeit, die das Alte Testament erzählt. Und das Neue Testament setzt diese Tradition fort: von Jesus, der (anders als die Füchse in ihren Gruben) keinen Ort hat, an dem er ausruhen könnte, bis zu Paulus, der ruhelos reist, um Gemeinden überall in der damals bekannten Welt zu gründen.

Mit diesen Geschichten sind die christlichen Missionare unterwegs. Diese Geschichten haben die Mönchsorden des Mittelalters geprägt, die mit immer neuen Klostergründungen ihre Zivilisation über Europa gebreitet haben. Mit diesen Geschichten im Herzen wandern die Pilgerväter nach Amerika aus, um dort das gelobte Land zu suchen. Und gerade sie haben die westliche Lebensweise in einem Ausmaß geformt, ohne das die Entwicklung der Moderne und der Postmoderne nicht zu verstehen ist.

Nun kommt diese westliche Lebensweise an ihre Grenze. Die letzten Jahrzehnte haben eine unglaubliche Beschleunigung unserer Mobilität erlebt — weit über jedes menschliche Maß hinaus. Wir hyperventilieren!
Und wir machen die Erfahrung, dass die Wochen der eingeschränkten Mobilität uns auch gut getan haben. Jedenfalls ist das mein Eindruck aus vielen Gesprächen der letzten Zeit. Am Anfang war das befremdlich und dann… „die Zeit, die ich sonst unterwegs zur Arbeit bin, die geht jetzt einfach in den Schlaf.“ So hat es jemand formuliert — für mich ganz eindrucksvoll. Vom „endlich zur Ruhe kommen“ war oft die Rede. „Besinnung“ tauchte als Begriff oft auf. Das wird als Erfahrung bleiben.

Ob sich daraus eine neue Lebensweise bildet? Gewiss nicht von allein. Das braucht Initiative und gestaltende Kraft. Aber diese Chance haben wir: ein neues Verhältnis zur Mobilität zu finden und nicht einfach zurück zu switchen in den Modus des massiven Mobilitätsdrucks. Mobilität mit menschlichem Maß ist möglich.

✏︎  Hans–Christian Beutel


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