Das Kirchenjahr beginnt mit dem Advent und endet mit dem Ewigkeitssonntag, dem Ausblick auf die Vollendung der Zeit.

Den Zeiten und Festtagen des Kirchenjahres entsprechen die liturgischen Farben — wer im Gottesdienst aufmerksam den Blick durch die Kirche schweifen lässt, der wird am Altar und an der Kanzel zu verschiedenen Zeiten des Jahres unterschiedliche Stoffbehänge entdecken — die sogenannten Antependien tragen die liturgischen Farben. Im Zyklus des Kirchenjahres wechseln sie von Violett zu Weiß über Rot und Grün zu Schwarz.

Liturgische Farben


Weiß als Symbol des Lichtes

Ostern, Weihnachten und übrige Christusfeste

Weiß, die Farbe des Lichtes, symbolisiert die hohen Christusfeste Weihnachten und Ostern selbst. Auch an den kleineren Festen im Kirchenjahr, die auf Jesus Christus hinweisen, werden die weißen Antependien gezeigt; zum Beispiel am Johannistag (24. Juni) und am Michaelistag (29. September).


Violett als Farbe der Buße und der Bereitung vor den hohen Festen

Passionszeit, Advent, Buß– und Bettag

Violett, die Farbe der Veränderung, symbolisiert die Vorbereitungszeit auf hohe Feste, die Christusfeste, also die Zeit vor Weihnachten und vor Ostern. Violett ist die Farbe der Buße und der Passion. Zu sehen ist sie daher in der Advents– und Passionszeit sowie an Buß– und Bettagen.


Rot als Farbe des Pfingstfeuers und der durch das Blut der Märtyrer ausgebreiteten Kirche

Pfingsten, und Gedenktage der Kirche

Rot, die Farbe des Blutes und des Feuers, symbolisiert die Feste, welche mit dem Wirken des Heiligen Geistes zu tun haben. Das wichtigste dieser Feste ist Pfingsten, der Geburtstag der weltweiten Kirche. Auch an Gedenktagen von Märtyrern und Kirchenlehrern ist die rote Farbe zu sehen; zum Beispiel am Gedenktag für die Apostel Petrus und Paulus (29. Juni). In der Deutschen Kirche werden auchv zur Konfirmation am 1. Feriensonntag und zum Kirchweihfest am
6. November die roten Antependien gezeigt.



Grün als Farbe der aufgehenden Saat

Epiphanias–, Vorfasten– und Trinitatiszeit

Grün, die Farbe des Wachstums und der Hoffnung, verwendet man zum Erntedankfest und in den übrigen Zeiten des Kirchenjahres; zum Beispiel in der Zeit zwischen Epiphanias und Aschermittwoch, und in der Zeit nach dem Trinitatisfest.


Schwarz als Zeichen der Trauer

Karfreitag

Schwarz, die Farbe der Trauer, sieht man nur am Karfreitag und am Karsamstag sowie bei Trauerfeiern in der Kirche. Und falls der letzte Sonntag im Kirchenjahr als Gedenktag für die Verstorbenen begangen wird, dann werden an diesem Tag ebenfalls die schwarzen Antependien aufgezogen.


Rosa als Aufhellung der Farbe Violett

Gaudete und Lätare

Eine liturgische Farbe fehlt in der Deutschen Kirche — Rosa ist die Aufhellung der Farbe Violett. Sie kann nur an zwei Sonntagen im Kirchenjahr verwendet werden, am 3. Adventssonntag (Gaudete) und am 4. Fastensonntag (Lätare), um zur Hälfte der Adventszeit die Vorfreude auf das Weihnachtsfest bzw. auf der Höhe der Fastenzeit die Freude auf das kommende Osterfest hervorzuheben.

Das Kirchenjahr beginnt mit dem Advent und endet mit dem Ewigkeitssonntag, dem Ausblick auf die Vollendung der Zeit. Durch die Verheißungen, die Gott seinem Volk Israel gab, hat alle Zeit ihr Ziel bekommen. Mit Christus ist die Zeit des Heils angebrochen. Mit seiner Wiederkunft wird sie sich vollenden.

Das Kirchenjahr entfaltet das Christuszeugnis. In seinem Ablauf vergegenwärtigt sich die Gemeinde Leben und Wirken ihres Herrn: Ankündigung und Geburt Christi (Advent und Weihnachten), Erscheinung Gottes in Christus (Epiphaniaszeit), Jesu Leiden und Sterben (Passionszeit), Jesu Auferstehung und Himmelfahrt (Osterzeit) und die Ausgießung des Heiligen Geistes (Pfingsten). Damit beginnt die Zeit der Kirche. Sie bekennt sich zur Dreifaltigkeit Gottes: Vater, Sohn nd Heiliger Geist (Trinitatiszeit), und erwartet die Wiedergeburt Christi am Jüngsten Tag.

Das Kirchenjahr hat sich in den ersten Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung herausgebildet. Sein Höhepunkt ist das Osterfest: Die Auferstehung Christi von den Toten ist der Ursprung christlichen Glaubens. Schon in der Zeit der Apostel wurde deshalb die Auferstehung Jesu am ersten Tag der Woche (Sonntag) mit dem Mahl des Herrn gefeiert. Der römische Kaiser Konstantin hat im Jahr 321 den Sonntag als Tag des Herrn zum gesetzlichen Feiertag erhoben. Ostern fällt — ausgehend von der jüdischen Passatradition — auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang.

Dem Osterfest geht die vierzigtägige Passionszeit voraus (die Werktage ab Aschermittwoch). Sie ist dem Gedächtnis an das Leiden und Sterben Jesu Christi gewidmet. Die letzte Woche der Passionszeit ist die Karwoche mit dem Gründonnerstag, dem Tag der Einsetzung des Abendmahls, und Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung und des Todes Jesu.

Dem Osterfest folgt am 40. Tag das Fest der Himmelfahrt Christi und am 50. Tag das Pfingsfest, der Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes.

Nach dem Osterfestkreis bildet sich seit dem 4. Jahrhundert der Weihnachtsfestkreis heraus. Er beginnt mit den vier Adventssonntagen und hat im Fest der Geburt Jesu am 25. Dezember (Weihnachten, Christtag) seine Mitte. Nach dem 6. Januar, dem Tag der Erscheinung des Herrn (Epiphanias), folgen die Sonntage nach Epiphanias, deren Zahl vom Ostertermin abhängt (mindestens zwei, höchstens sechs).

Die Sonntage nach Pfingsten werden vom Fest der Dreifaltigkeit an (Trinitatis, Sonntag nach Pfingsten) gezählt. Allgemeine Feste dieser Zeit sind Erntedanktag, Reformationstag (31.10), Buß– und Bettag (am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag) und der Ewigkeitssonntag.