Gemeinsam gefeiert: Zum Festwochenende am 27. und 28. Mai 2017 luden Evangelische Kirche und Deutscher Evangelischer Kirchentag ein

Auf den Elbwiesen vor den Toren Wittenbergs ein großer Festgottesdienst, eingebettet in den 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin – Wittenberg — über 2500 Veranstaltungen mit zehn Kirchentagen in der Nachbarschaft, Jena, Dessau, Weimar den Kirchentagen auf dem Weg — die Nacht der Lichter mit Frère Alois aus Taizé unter freiem Himmel am Samstagabend des Festwochenendes, dann der größte Posaunenchor der Welt, das schönste Reformationspicknick und eine Gemeinde aus allen Erdteilen im großen Gottesdienst auf der großen Wiese haben dieses Festwochenende zu einem Höhepunkt im #Reformationssommer gemacht.

120.000 Menschen haben in der Lutherstadt Wittenberg mit reformatorischem Geist in die Zukunft geblickt. Die Predigt zum Festgottesdienst ‚Von Angesicht zu Angesicht‘ hielt der südafrikanische Erzbischof Thabo Makgoba.

Makgoba bezeichnete die Reformation Martin Luthers als „mehr als einen theologischen Wendepunkt.“ Sie sei ein „definierender Moment in unserer soziologischen und politischen Entwicklung“ gewesen und biete die Möglichkeit, ein „inspirierendes GPS, ein globales Positionierungssystem für die nächsten 500 Jahre“ zu werden.

Die biblische Geschichte der Sklavin Hagar, aus der die Kirchentagslosung ‚Du siehst mich‘ stammt, sei für Afrikanerinnen und Afrikaner tief in historische DNA und zeitgenössische Erfahrung eingebrannt. Schwarze Menschen wüssten, dass in so vielen Kontexten ’schwarze Leben nichts zählen‘, sagte Makgoba in Anspielung auf die amerikanische Aktivismusbewegung ‚Black Lives Matter‘. Bis die Zeit käme, in der Menschen Gott von Angesicht zu Angesicht sehen könnten, biete die Hagar–Geschichte aber auch Inspiration danach zu streben, das Leben ‚zu einem Spiegel der Liebe Gottes zu machen‘.

Makgoba wandte sich an die jungen Menschen im Publikum und forderte sie auf: „Hört die Schreie der anderen und unseres Planeten! Hört, wie Gott sie hören würde.“ Wie einst Martin Luther King habe auch er einen Traum für die Welt. „Dass eines Tages all die narzisstischen, nationalistischen, isolationistischen Ausschweifungen der Gegenwart verschwinden werden“ und stattdessen „ein weltweites Bewusstsein entsehen wird, dass wir eine Menschheit sind.“

Auch Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford–Strohm appellierten an die Anwesenden, den Weg in die Zukunft mit dem Blick für den Nächsten zu gehen. „Das Gespräch auch mit denen zu suchen, die keinen Dialog führen wollen, ist anstrengend und es kann verletzen“, so Aus der Au, „aber nur das durchbricht die verbale Aufrüstung und Gewalt. Es verändere uns, den anderen Menschen anzusehen.“

Bedford–Strohm bezog sich dabei auch explizit auf die Ökumene: „Wir haben als christliche Konfessionen verstanden, dass wir religiöse Erneuerung heute nie und nimmer mehr in Abgrenzung oder gar Abwertung der jeweils anderen Konfessionen erfahren können.“ Nach 500 Jahren Abgrenzung wolle er „endlich wieder zusammenkommen, den ganzen Reichtum unserer Tradition miteinander teilen und einfach Freundinnen und Freunde in Christus sein.“

„Vielleicht“, so der Ratsvorsitzende in einer Bestärkung von Makgobas Worten, „erleben wir das Wachsen einer Generation 2017, in der junge Leute aufbrechen! Eine Generation, die aus dem Reformationsjubiläumsjahr einen Neuaufbruch zum Glauben mitnimmt und uns alle einschließt.“

An das Ende Ihres Appells setzte Christina Aus der Au ein Beinahe–Zitat von Martin Luther, der vor 500 Jahren in Wittenberg 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche genagelt haben soll. „Machen wir uns auf“, schloß die Präsidentin, „als Menschen, die sich durch Begegnung verändern lassen. Hier stehen wir — und wollen anders. Jetzt gehen wir — und können anders.“

 

 

 


Textauszüge von Alexander Matzkeit; erschienen am 29.5.2017 im Internet auf www.kirchentag.de